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Die ökologisch sinnvollste Unkrautbekämpfung ist der Verzehr!

Vogelmiere – hübsches „Unkraut“

Mitte Mai befinden wir uns langsam inmitten der Gartensaison und neben dem häuslichen Vorziehen oder den Gewächshauspflanzungen gewinnt die Freilandaussaat an Gewicht. Im Zusammenhang damit sind zahlreiche Gärtner nicht nur mit der sog. Schädlingsbekämpfung, sondern auch mit dem Unkrautjäten oder schlimmer sogar mit Chemieeinsatz beschäftigt. „Umwelt & Aktiv“ berichtete früher bereits über ökologischen Pflanzenschutz; siehe: http://www.umweltundaktiv.de/allgemein/oekologische-massnahmen-zum-pflanzenschutz/ oder auch im Speziellen über Möglichkeiten gewisser Schneckenplagen Herr zu werden; siehe: http://www.umweltundaktiv.de/allgemein/schnecken-grenzschutz-und-schrecken-der-schnecken-ohne-chemie/ oder aber auch darüber, wie der lästigen Kohlfliege beizukommen ist; siehe: http://www.umweltundaktiv.de/allgemein/oekologische-kohlfliegen-abwehr/. Wie soll man aber nun dem alljährlich auftretenden Unkraut auf ökologisch bestmögliche Weise beikommen? Nichts einfacher als das: Verspeisen Sie es!

In Deutschland gibt es über 1500 essbare Un- oder besser Wildkräuter, die zumeist sogar deutlich vitaminreicher sind als herkömmliche Kulturpflanzen oder gar das Gemüse aus dem Supermarkt. Beispielsweise der Löwenzahn als eines der bekanntesten „Unkräuter“, von dem Blätter, Blüten und sogar die Wurzel bekömmlich sind. Die weiße Milch, die aus den Stängeln austritt, sollte man allerdings nicht verwenden. Die Erntezeit reicht von April bis Oktober. Seine leicht bitter und nussig schmeckenden Blätter eignen sich gut zu Salaten, Suppen, Saucen oder aufs Butterbrot. Gedünstet entsteht eine Art feiner „Spinat“. Vorzugsweise erntet man die jungen Blätter. Aus den Blüten läßt sich Sirup, Gelee oder eine Art Honig herstellen. Die Wurzel kann als Tee verwendet oder vergleichbar Radieschen aufs Brot oder in den Salat gegeben werden. Der Löwenzahn läßt sich auch einfrieren, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu verwenden. Er enthält um ein vielfaches mehr Vitamin A und C als Kopfsalat.

Auch frische Brennessel kann man einfrieren und später verwenden. Die enthält viel Eisen, Calcium und Vitamin C. Das Kraut hat einen zartwürzigen Geschmack und aufgebrüht als Tee sagt man ihm sogar eine wachmachende Wirkung nach. Als Heilpflanze wird es bei Rheuma und Harnwegsinfektionen eingesetzt. Es eignet sich aber auch als leckere Füllung für Nudeln und Ravioli. Vor allem ist durch die brennende Wirkung ihrer Nesseln die Bestimmung einfach. Anders als beim Bärlauch, der mit den stark giftigen Maiglöckchen verwechselt werden kann. Am knoblauchähnlichen Geruch lassen sich die Pflanzen aber unterscheiden. Im Zweifel zerreibe man die Blätter zwischen den Fingern, um den Geruchstest vorzunehmen. Der Bärlauch schmeckt, wie gesagt, ähnlich wie Knoblauch. Er ist eines der inzwischen beliebtesten „Unkräuter“ und schmeckt wunderbar als Bärlauch-Pesto, Suppe, Dip oder Brotaufstrich und läßt sich in zahlreichen weiteren Bärlauch-Rezepten verarbeiten. Bärlauch ist reich an Mineralstoffen und Vitamin C. Er enthält Magnesium und wirkt antibakteriell und somit das Immunsystem unterstützend. Zudem hilft er bei Magenbeschwerden und wirkt sich positiv auf den Stoffwechsel aus.

Der Giersch, auch Geißfuß genannt, ist als eines der hartnäckigsten „Unkräuter“ verschrien. Anstatt sich jedoch darüber zu ärgern, ihn nicht loszuwerden oder gar seinen Garten zu vergiften, wodurch er kein Garten mehr, sondern vielmehr ein Friedhof wäre, empfiehlt es sich, ihn als wartungsfreies Dauergemüse zu betrachten. Die jungen Blätter sammelt man am besten von März bis Mai, die Blüten von Juni bis August und Stängel sowie junge Blütensprossen von Mai bis August. Es passt als Gewürz zu Kartoffelgerichten oder Salat. Gekocht ergibt der Giersch ein schmackhaftes Püree, in kleinen Dosen ist er eine leckere Alternative zu Petersilie. Giersch ist auch als „Vitamin-C-Kraut“ bekannt, hat eine entzündungshemmende Wirkung und wird oft bei Gicht eingesetzt. Insbesondere das Girschpesto ist bei vielen Kennern sehr beliebt! Wie viele Gärtner jäten auch Jahr für Jahr die Vogelmiere und schmeißen sie zum Kompost. Nicht wissend, daß diese dreimal so viel Kalium und Magnesium, und siebenmal soviel Eisen enthält wie Kopfsalat. Und auch Vitamin A und C sind reichlicher vorhanden sowie ein hoher Anteil an pflanzlichem Eiweiß. Beim Essen ist der Geschmack mild aromatisch und erinnert an Erbsen. Die Blätter passen gut zu Salaten und Suppen. Am besten erntet man die jungen Triebspitzen noch bevor die Pflanzen ihre weißen Blüten bekommen.

Das bereits zu Frühlingsanfang blühende Gartenschaumkraut findet sich ebenfalls häufig in unseren Gärten weit verbreitet. Seinem schönen Anblick zum Trotz wird es regelmäßig als „Unkraut“ bekämpft. Dabei ist es nicht nur hübsch, sondern zudem schmackhaft. Sein scharfer, kräftiger Geschmack erinnert an Rucola – allein, weil es damit verwandt ist – und Kresse. Es schmeckt wie Letztgenannte besonders gut auf Butter- oder Quarkbrot und im Salat. Der Gundermann wächst zwar bevorzugt auf Wiesen und Weiden und ähnlich wie Efeu an Gehölzrändern, doch sollte er im Garten auftreten, stellt er ein wahres Geschenk von Mutter Natur für jeden Selbstversorger dar. Er kann nämlich fast das ganze Jahr über geerntet werden, da er selbst unter der Schneedecke frische Blättchen treibt. Als Würzkraut ist er eine Bereicherung in jeder Küche. Die Blätter der Pflanze sind reich an Vitamin C, Kalium und Kieselsäure. Er wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und anregend auf den Stoffwechsel und hilft zudem bei Grippe. Sein herb-aromatischer Geschmack ist pur genossen allerdings manchem etwas zu streng, dem vermag aber der Einsatz in der Gewürzmischung Abhilfe tun.

Auch Knopfkraut ist genießbar. Blätter, Stiele, Blütenknospen und junge Blüten, die gesamte Pflanze ist essbar. Ab Mai bis spät in den Herbst kommt es in Gärten, auf Äckern und Straßenrändern vor. Als wohlschmeckendes und gesundes Gemüse kann man es wie Spinat dünsten, mit Gemüse kochen oder auch roh in Salaten, als Pesto und in frischen Säften verwenden. Das Knopfkraut stellt eine wahre Vitaminbombe dar: Es ist reich an Mineralien wie Kalium und Phosphor, enthält viel Eiweiß, Magnesium und Calcium, Vitamin A und C. Zudem ist es eine der eisenhaltigsten Pflanzen überhaupt. Auch die Pimpernelle, die noch unter manch anderen Namen bekannt ist, wie kleiner Wiesenknopf oder kleines Blutkraut, ist es wert auf den Speiseplan gesetzt zu werden. Es wächst von Mai bis August hauptsächlich auf Wiesen. Ihr Geschmack ist frisch und leicht nussartig, ihr Duft erinnert an den von Gurken. Als Gewürz eignet sie sich in Salaten, Quark, Kräuterbutter, Gemüse, frischen Suppen und auf Brot. Die Pflanze hat einen hohen Vitamin-C-Gehalt und man sagt ihr eine blutreinigende, entzündungshemmende, schleimlösende Wirkung nach. Zudem hilft sie gegen Sodbrennen, Müdigkeit und Durchfall.

Man könnte die Liste noch weiter fortsetzen oder um Rezepte ergänzen, doch hofft „Umwelt & Aktiv“ Sie sensibilisiert und neugierig gemacht zu haben. Zur weiteren Eigenbefassung empfehlen wir den Blog „Unkrautgourmet“ zur Kenntnis zu nehmen – siehe nachfolgender Verweis:

http://unkrautgourmet.blogspot.de/

Die beste Erntezeit ist übrigens der Vormittag, weil die Kräuter morgens am saftigsten sind. Prinzipiell sollte man die Pflanzen nicht ausreißen, sondern die Blätter mit einem kleinen Messer sanft abschneiden, damit sie nachwachsen können. Sie wissen Bescheid, machen Sie etwas daraus!

Ihr

Gerhard Keil

Bildquelle: 540237_web_R_K_B_by_Rosel Eckstein_pixelio.de

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