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Ein Dinner mit Igeln!

Igel

Einer der besten Freunde des GĂ€rtners im Kampf gegen die Schnecken, der Igel, ist derzeit nicht nur inmitten der Hochphase, sich seine Fettreserven anzufressen, sondern nach wie vor noch in seiner paarungsbereiten Zeit. In einem igelfreundlichen Garten ist es prinzipiell um diese Jahreszeit nicht nötig, zuzufĂŒttern, was sich jedoch zu FrĂŒhjahrsbeginn sowie im SpĂ€therbst durchaus oft empfehlen kann. Ich gestehe jedoch, daß ich persönlich in meinem Garten vergleichbar meiner Amselfreundschaft (U&A berichtete: http://www.umweltundaktiv.de/tierschutz/persoenliche-vogelfluesterer-erlebnisse-in-meinem-garten/) nicht die vielleicht gebotene Distanz zu wildlebenden Tieren einzuhalten vermag, die sie ihre natĂŒrliche Scheu behalten lĂ€ĂŸt. Als Dankeschön fĂŒr ihre Mithilfe, meinen Salat vor den Schnecken zu schĂŒtzen, lasse ich ihnen gerne auch ĂŒber den Sommer einige sogenannte „Leckerlies“ zukommen. Wer schon einmal einen verweisten Jungigel durch den Winter brachte, was ĂŒbrigens eine nicht einfache und sehr arbeitsintensive Angelegenheit darstellt, der weiß, wie intelligent und zutraulich diese stacheligen Gesellen sein können. Unseren Garten bewohnen mehrere Igel, von denen mich aufgrund meiner im Sommer regelmĂ€ĂŸigen Grillabende drei inzwischen so gut kennen, daß sie die von mir angebotenen Vorspeisen zu ihren nĂ€chtlichen StreifzĂŒgen sogar direkt aus der Hand fressen. Und dies obwohl es sich bei diesen nicht um ĂŒber den Winter von Hand aufgezogene, sondern wilde frei lebende Igel handelt. Igel sind zwar EinzelgĂ€nger, geraten aber dennoch nicht zwingend in Streit miteinander.

Zu einem igelfreundlichen Garten gehört eine dichte Hecke aus heimischen Gehölzen, die sowohl als Versteck, als auch als Jagdrevier dient. Ein blĂŒtenreicher Garten zieht Insekten an, die oft in der Streuschicht ihre Entwicklungsstadien durchleben und so eine wertvolle Nahrungsquelle fĂŒr Igel darstellen. Streu und Laub sollt auch keinesfalls stets weggerĂ€umt werden. Laub-, Holz- und Steinhaufen mit HohlrĂ€umen sind als NistplĂ€tze bei Igeln sehr beliebt. Allerdings nehmen sie auch IgelhĂ€user an, die kĂ€uflich erworben wurden. Doch auch diese sind in einer Hecke bzw. im Umfeld von Totholz sinnvoll platziert. Der Igel legt keinen Wert auf einen Golfplatzrasen, sondern bevorzugt den Garten mit Wildcharakter, in dem er trockenes Gras und Moos fĂŒr seinen Nistplatz findet. Die Sommertage verbringen sie gerne in hohem Gras, sprich sie nehmen es keineswegs ĂŒbel, wenn nicht regelmĂ€ĂŸig gemĂ€ht wird, ganz im Gegenteil. Eine DurchlĂ€ssigkeit in – hoffentlich ebenfalls ökologische – NachbargĂ€rten sollte nach Möglichkeit gegeben sein, da Igelreviere bis zu 100 Hektar umfassen und sie den Gefahren des Straßenverkehrs nicht ausgesetzt werden sollten. Ein Igel auf Nahrungssuche legt in einer Nacht bis zu drei Kilometer zurĂŒck. Besonders wichtig fĂŒr Igel ist der gefahrlose Zugang zu frischem Trinkwasser. Steile Wasserbecken, Teichschalen und Teichböschungen können jedoch schnell zu tödlichen Fallen werden, da Igel zwar gute, aber keine ausdauernden Schwimmer sind. Neben dem Straßenverkehr die grĂ¶ĂŸte Bedrohung sind allerdings chemische SchĂ€dlingsbekĂ€mpfungsmittel, wie Schneckenkorn und Rattengift, sowie Pestizide und KunstdĂŒnger. Gerade der im Schneckenkorn enthaltende Wirkstoff Metaldehyd kann den Tieren ernsthaft schaden. Überlassen Sie die Schneckenbeseitigung den Igeln oder greifen auf Nematoden und andere ökologische Maßnahmen zurĂŒck (siehe: http://www.umweltundaktiv.de/allgemein/schnecken-grenzschutz-und-schrecken-der-schnecken-ohne-chemie/).

Sollten bei Ihnen ebenfalls die Sehnsucht nach einer Igelfeundschaft aufkommen, bedenken Sie, daß auch Igel einer passenden und ausgewogene ErnĂ€hrung bedĂŒrfen. Sie kommen beim ZufĂŒttern sehr gut mit Katzenfutter, trocken wie naß, klar bzw. ist spezielles Igelfutter im Fachhandel zu erwerben, wobei zu viel des Igeltrockenfutters ein Übermaß an Kohlenhydrate darstellt. Und ganz wichtig: Igel haben eine ausgesprochene Laktoseintoleranz, sprich Milch kann fĂŒr Igel zuweilen sogar tödlich sein – also niemals Milch geben! Ansonsten kann ich nur empfehlen, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen, sich bei einsetzender AbenddĂ€mmerung entspannt in den Garten zu setzen, meditierend zur Ruhe zu kommen und mit etwas Futter in der Hand abzuwarten, bis der/die Igel auf ihren zumeist selben Wanderrouten neugierig Gesellschaft leisten. Der Igel wird Ihnen nicht gleich beim ersten Mal auf den Schoß springen, doch es ĂŒbersteigt teilweise die kĂŒhnsten Erwartungen wie vertraut man selbst mit frei lebenden Tieren werden kann, wenn man die Geduld aufbringt, sich kennen und schĂ€tzen zu lernen. Doch selbst wenn es schwer fallen mag: auch die Tiere des eigenen Gartens sind Wildtiere, deren AnnĂ€herung aus eigenen StĂŒcken erfolgt – Igel sind kein Spielzeug, das man dann verliebt durch den Garten trĂ€gt, selbst dann nicht, wenn sie sich per Hand fĂŒttern lassen.

Gerhard Keil

Bildquelle: 329265_web_R_K_B_by_Stefan Emilius_pixelio.de

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Datum
27.06.2017

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