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Elbvertiefung in Hamburg unnötig!

Blick zum Hamburger Hafen

Planung und Ausbau von Verkehrswegen erfordern zunehmend längerer Zeiträume, woraus auch deshalb Probleme erwachsen, da sich Märkte und Technologien in immer kürzeren Intervallen verändern. Dies trifft umso mehr zu, wenn es sich um – nicht zuletzt aus ökologischen Gründen – umstrittene Projekte handelt, bezüglich derer die Entscheidung dadurch nicht allein politisch, sondern auch gerichtlich gefällt wird. So beispielsweise der Fall beim Streitthema Ausbau des Hamburger Hafens. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, wo die Angelegenheit inzwischen anhängig ist, hat die geplante Vertiefung und Verbreiterung zwar bislang noch nicht freigegeben, doch könnten die rechtlichen Mängel bei den aktuellen Planungen behoben werden, hieß es. Und in der Tat wurden die Planungen zur Elbvertiefung in weiten Teilen bestätigt.

Zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts glaubte man in Hamburg, der Hafen werde im Jahr 2030 bis zu 25 Millionen Containereinheiten (TEU) umschlagen. Seit der internationalen Finanzmarktkrise der Jahre 2008 und 2009 stagniert jedoch der Containerumschlag in der Hansestadt bei etwa neun Millionen TEU. Hauptsächlich soll der Hafenausbau mit Blick auf einen barrierefreien Zugang von Schiffen mit 20.000 TEU Kapazität erfolgen, allerdings – wenn auch, zugegeben, mit gewissen Schwierigkeiten – erreichen bereits heute derartige Schiffe den Hamburger Hafen. Hamburgs Hafenumschlag hängt in erster Linie von der Entwicklung des Außenhandels, nicht von der Vertiefung, ab. Und derzeit ist als einziges Schwellenland einzig China in Sicht, das eine diesbezüglich relevante Dynamik entwickelt. Nur tragen die aktuelle Wirtschaftspolitik in China mit der stärkeren Betonung des Binnenmarktes sowie auch die handelspolitischen Sanktionen gegen Russland dazu bei, daß Hamburg die Marke von zehn Millionen TEU bis heute nicht erreicht. Umweltverbände wie auch Anlieger fürchten als Folge eines weiteren Ausbaus sowohl erhebliche Beschädigungen des Ökosystems, als auch gravierende logistische Nachteile. Der Eintrag von Sedimenten ist bereits durch die letzte Elbvertiefung in den 1990er-Jahren deutlich gestiegen, weshalb die geplante Elbvertiefung auf Grundlage einer spürbaren Vorbelastung stattfände.

Wesentlich wird neben Fragen um die Deiche und Uferbeeinträchtigungen ökologisch der allein an der Elbe vorkommende Schierlings-Wasserfenchel ins Feld geführt, der durch steigenden Salzgehalt der Wiesen im Falle einer Elbvertiefung beträchtlichen Schaden nehmen würde. „Umwelt & Aktiv“ befürwortet anstelle einer Elbvertiefung für den Hamburger Hafen den Gedanken einer norddeutschen Hafenkooperation in Verbindung mit einem Konjunkturprogramm für die Region Wilhelmshaven. Anstelle eines ökologisch schädlichen Ausbaus des Hamburger Hafens benötigte der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven als bereits bestehender und einziger deutscher Tiefwasserhafen endlich ein ökonomisch tragfähiges Umfeld für Neuansiedlungen, um ihn als Anlaufstandort attraktiver zu gestalten. Dadurch wäre auch einer lebendigen Tide-Elbe in gutem ökologischen Zustand gedient. Zudem dürften den Hamburger Hafen selbst ohne Ausbau auch weiterhin große Schiffe anlaufen, da aufgrund dessen Lage weit im Inland ein in anderen Häfen teurer Umschlagvorgang für die Reedereien entfällt. – Grundsätzlich vertritt „Umwelt & Aktiv“ die Auffassung, daß in erster Linie die Verkehrsträger den Verkehrswegen anzupassen sind, und nicht umgekehrt.

Gerhard Keil

Bildquelle: 423158_web_R_K_B_by_Jerzy Sawluk_pixelio.de

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Datum
24.02.2017

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