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Enttäuschendes Urteil: Kükentötung geht erst mal weiter

Männliche Küken von Legehennen werden nach dem Schlupf getötet.
Copyright: A. Farkas/afi

Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig hat in seinem heutigen Urteil klargestellt, daß die Tötung männlicher Eintagsküken nicht mit dem Tierschutzgesetz und dem Staatsziel Tierschutz vereinbar ist. Rein wirtschaftliche Gründe seien nach heutigem Stand kein „vernünftiger Grund“, wie ihn das Tierschutzgesetz fordert. Im Ergebnis bestätigt das Gericht aber die vorinstanzlichen Urteile, die den nordrhein-westfälischen Erlass gegen die Tötung männlicher Eintagsküken als rechtswidrig angesehen hatten. Deswegen geht das Kükentöten zunächst einmal weiter, da den Brütereien eine sofortige Umstellung nicht zugemutet werden könne, so die Richter.

„Wir hätten uns ein sofortiges Verbot gewünscht. Die bisherige Praxis des Kükentötens wird erstmal wie gehabt weitergehen und an jedem weiteren Tag leiden und sterben lebensfähige Küken“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Schröder kritisiert zudem, daß das Gericht keine Frist festlegte, ab wann die Tötung verboten sein sollte. Die Richter verwiesen auf die Geschlechterbestimmung im Ei, die ohnehin „in näherer Zukunft“ möglich sein würde. Eine doppelte Umstellung für die Brütereien wolle man vermeiden. „Jetzt ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner umso stärker gefordert, schnellstmöglich tierschutzfreundliche Alternativen voranzutreiben und, wie im Koalitionsvertrag versprochen, das Kükentöten bis Mitte der laufenden Legislaturperiode zu beenden“, so Schröder. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollte in erster Linie die spektroskopische Methode vorangetrieben werden, die am 4. Bruttag angewandt wird und bei der ein Schmerzempfinden des Embryro ausgeschlossen ist. Langfristig müsse es aber eine Rückkehr zu Zweinutzungshühnern geben.

Positiv bewerten die Tierschützer dagegen, daß das Gericht klargestellt hat, daß wirtschaftliche Gründe nach heutigem Verständnis kein „vernünftiger Grund“ sein dürfen, um männliche Küken zu töten. „Der sogenannte ,vernünftige Grund‘ kann somit von der Agrarindustrie zukünftig nicht mehr wie bisher dazu genutzt werden kann, Tiere zu malträtieren und zu töten, das macht Hoffnung“, so Schröder.

Gegen das vom nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium 2013 ausgesprochene Verbot der Tötung hatten zwei Brütereien geklagt und in erster Instanz Recht erhalten. Im Berufungsverfahren entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, daß die Kükentötung aus wirtschaftlichen Gründen einen „vernünftigen Grund“ darstellt, wie ihn das Tierschutzgesetz fordert. Eine Aufzucht der männlichen Küken sei wirtschaftlich nicht zumutbar. Obwohl das Bundesverwaltungsgericht Leipzig heute allein über den Erlass aus NRW entschieden hat, handelt es sich bei der Frage, ob ein vernünftiger Grund bei der Kükentötung vorliegt, um die Auslegung von Bundesrecht. Demnach wird die Entscheidung bundesweit zu befolgen sein.

Hinweis an die Redaktionen:

Gemeinsam mit der Albert-Schweitzer-Stiftung, der Erna-Graff-Stiftung und Vier Pfoten hat der Deutsche Tierschutzbund heute vor dem Gericht in Leipzig mit einem großen nachgebauten „Kükenschredder“ und Plakaten gegen die Praxis des Kükentötens protestiert.

Deutscher Tierschutzbund e.V. Bonn

Pressemeldung vom 13.6.2019

Bildmaterial: Copyright: A. Farkas/afi

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Datum
14.06.2019

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3 Kommentare zum Artikel “Enttäuschendes Urteil: Kükentötung geht erst mal weiter”


  1. Täufer343 meint:
    15.06.2019 um 13:22


    Das Töten von Küken kann auch dadurch verringert werden, dass die Menschen weniger Eier und Fleisch essen. Zudem sollte mehr Bereitschaft da sein, teurere Lebensmittel zu kaufen, bei denen mehr Wert auf Tier- und Naturschutz gelegt wird. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

  2. Ralf M. Kersting meint:
    17.06.2019 um 21:31


    Unter anderem setzt sich auch die „Initiative Bruderhahn“ https://www.bruderhahn.de/ für das Konzept des Zweinutzungshuhns ein. Sie erhebt einen Aufpreis von vier Cent pro
    Ei, um die im Vergleich zu Masthähnchen längere Mastdauer von mindestens 16 Wochen zu finanzieren.

    Es geht hier um gottverdammte („Verzeihung!“) 4 Cent pro Ei, mit denen wir die Tötung
    von mehreren tausend männlicher Küken jährlich stoppen könnten. Selbst die fragwürdige
    in-ovo-Geschlechtsbestimmung wäre dann überflüssig.

    Bei einer Packung mit 10 Eiern wäre das insgesamt ein Aufpreis von 40 Cent auf den
    sonst üblichen Preis. Frage: Wie oft geben wir 40 Cent oder deutlich mehr Geld aus
    für irgendeinen vollkommen überflüssigen Konsum-Mist?

    Es könnte vieles wesentlich besser sein, wenn wir alle unser Konsumverhalten etwas
    mehr überdenken würden – ich selbst nehme mich da gar nicht aus. Und nur über unser
    Konsumverhalten können wir auch die großen Lebensmittelketten positiv beeinflussen.

    Viele Grüße,

    Ralf M. Kersting

  3. admin meint:
    01.07.2019 um 07:52


    Auch für Umwelt & Aktiv war und ist die Massentötung von männlichen Küken ein Skandal. Daher wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach über den inakzeptablen und unethischen Umgang berichtet und Alternativen dazu vorgestellt. Wir möchten daher hier nur auf zwei ausführliche Beiträge zu dieser Thematik verweisen: „Das Zweinutzungshuhn“ in Ausgabe 4/2013 sowie „Geschredderter Tierschutz“ in Ausgabe 3/2016