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EU-Kommission will Vorsorgeprinzip bei Hormongiften kippen!

Gift

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Endocrine Disrupting Chemicals, kurz EDCs, sind hormonelle Schadstoffe, von denen man seit geraumer Zeit weiß, daß sie gesundheitsfährdend sind, insbesondere für Kinder. In etwa 800 Stoffe sind bekannt, wozu beispielsweise Pestizide, Biozide, Weichmacher in Kunststoffen wie Phthalate sowie Bisphenol oder Polychloride Biphenyle (PCB) zählen. Eine wissenschaftliche Auswertung der International Endocrine Society berichtet von mehr als 1300 wissenschaftliche Studien, die besagte hormonell wirksamen Chemikalien mit der Zunahme von hormonbedingten Krebsarten wie Brust- oder Hodenkrebs, mit Fruchtbarkeitsstörungen, Diabetes, ja sogar Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern in Zusammenhang bringen. Ebenso warnte auch die Internationale Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) aufgrund vorgeburtlicher Exposition gegenüber gesundheitsschädlichen Chemikalien und schlechter Gesundheit, da inzwischen bereits davon auszugehen ist, dass fast jedes Neugeborene vorbelastet sei.

Seit 2009 das Europäische Pestizidrecht überarbeitet wurde, dürfen zwar hormonell wirksame Substanzen eigentlich nicht mehr als Wirkstoff in Pestiziden zugelassen werden, nur wurde kein verbindliches Verfahren zur Identifikation dieser Stoffe festgelegt. Aufgrund dieses anhaltend unhaltbaren Zustandes erfolgte im Dezember vergangenen Jahres sogar eine Aufforderung seitens des Europäischen Gerichtshofs gegenüber der EU-Kommission diesen Zustand zu beheben. Wenngleich daraufhin die EU-Kommission jüngst Richtlinienentwürfe zum Pesitzid- und Biozidrecht zur Kriterienfestlegung für die Identifizierung hormonell wirksamer Stoffe vorlegte, muß anstelle eines Fortschritts vielmehr von einem gravierendem Rückschritt gesprochen werden. Die Kommissionsvorschläge widersprechen nämlich dem bisherigen Vorsorgeprinzip! Nach Auffassung der EU-Kommission sollen Stoffe erst dann verboten werden können, wenn Schäden bei Menschen erwiesen oder bekannt, sprich mehr oder weniger eingetreten sind. Eine für das Chemikalienrecht fragwürdige Praxis, Identifikationshürden so hoch anzusetzen, dass von vorneherein kaum von einem Verbot von Stoffen auszugehen ist.

Nicht allein die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den in Rede stehenden Stoffen, darüber hinaus sind auch zahlreiche Wildtierpopulationen betroffen, indem diese durch den Kontakt mit EDCs in deren Fortpflanzung und das Immunsystem beeinträchtigt werden können.Verwendung finden Chemikalien mit dieser gefährlichen Eigenschaft u.a. als Pestizide, Biozide oder stecken als Inhaltsstoffe in Kosmetika, Kunststoffartikeln und sogar in Spielzeug und Lebensmittelverpackungen. Zahlreiche Umwelteinrichtungen, darunter beispielsweise auch das Umweltinstitut München riefen eine gemeinsame Kampagne ins Leben, sich mittels eines Musterbriefes an das Bundesumweltministerium zu wenden, um die Umsetzung der Kommissions-Entwürfe zu verhindern. „Umwelt & Aktiv“ begrüßt dieses Ansinnen, weist jedoch darauf hin, daß eine Vielzahl individueller Schreiben möglicherweise noch mehr Eindruck hinterlassen, als ein kollektives Standartschreiben – aber Hauptsache, aktiv werden!

Interessant für technikaffine Zeitgenossen, die es auch in der „Ökoszene“ gibt, ist eine respektable Innovation des BUND, die kostenlose sogenannte Kosmetik-App: mit besagter ToxFox-App für das iPhone können Verbraucher nicht nur erfahren, ob ein Kosmetikprodukt künstliche Hormonstoffe enthält, sondern zeitgleich eine Protestnote an den Hersteller richten. Hierzu muß lediglich der Strichcode eines Produkts mit der Handy-Kamera eingescannt werden. Weitere Informationen mögen sich interessierte Verbraucher direkt über http://www.bund.net/toxfox einholen.

Gerhard Keil

Bildquelle: 171669_web_R_K_B_by_C. Nöhren_pixelio.de

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