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Flußperlmuschel – wenig tolerant gegen Veränderungen ihrer Umweltbedingungen!

Wildbach

Die stark vom Aussterben bedrohte Flußperlmuschel soll nun von der Bachforelle Unterstützung in ihrem Überlebenskampf erhalten. Die Flußperlmuschel, die unter den richtigen Umweltbedingungen über 200 Jahre alt werden kann, pflegt zu ihrer hohen Lebenserwartung einen extrem niedrigen Stoffwechsel, der wiederum äußerst sauerstoffreiches Wasser verlangt, weshalb ihr Vorkommen ausschließlich in kalk- und nährstoffarmen, kalten Gewässern möglich ist. Da vor allem die Jungmuscheln gegen Veränderungen ihrer artgerechten Umweltbedingungen sympathisch intolerant sind, gilt die Flußperlmuschel auch als hervorragender Bioindikator. Die Verbreitung der Flußperlmuschel ist neben der Wasserqualität grundsätzlich an die Bachforelle gekoppelt, da die Glochidien (Larven) der hochgradig wirtsspezifischen Flußperlmuschel sich ausschließlich in den Kiemen einer Bachforelle oder in Nordeuropa eines Lachses entwickeln können. Die Bachforelle profitiert im Gegenzug von der durch die Filterwirkung der Muscheln erheblich verbesserten Wasserqualität.

Von der früheren Perlenfischerei bereits in Mitleidenschaft gezogen, hatten die europäischen Flußperlmuschelpopulationen der zunehmenden Gewässerverschmutzung und des Gewässerverbaus durch den Menschen und dessen steigender Landwirtschaft nicht mehr viel entgegen zu setzen. Die industrialisierte Landwirtschaft verantwortet durch Überdüngung einen Schadstoffeintrag in die Gewässer sowie darüber hinaus die zunehmende Übersäuerung des Bodens und der Gewässer durch den sauren Regen und die Anpflanzung von Fichten-Monokulturen negative Auswirkungen auf die einheimischen Muschelpopulationen hatten. Ein Weiteres tat die aus fischereiwirtschaftlichen Gründen erfolgte Einführung der amerikanischen Regenbogenforelle, die unter anderem den Bestand an jungen Bachforellen dezimiert. Im Gegensatz zur einheimischen Bachforelle können die Glochidien der Flußperlmuschel die Regenbogenforelle nicht als Wirtsfisch nutzen. Ähnlich, wie bei der Bachmuschel haben auch bei der Flußperlmuschel die aus Amerika eingeführten Bisamratten große Schäden angerichtet.

Als Verbündeter hingegen darf der Fischotter angesehen werden, der – wo er wieder angesiedelt wurde – vor allem die Regenbogenforellen dezimiert und dadurch den Flußperlmuscheln nutzt, die nicht zu seiner Nahrung zählen. Um das Aussterben der Flußperlmuschel abzuwenden, kooperieren nur bayerische Behörden eng mit der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik (AOPK), indem ihr Wirtsfisch, die Bachforelle, gestärkt werden soll. – „Umwelt und Aktiv“ stellt fest, daß die verantwortungsvolle Sorge um artgerechte Lebensräume noch stets zum Nutzen des Lebens war, wie Mutter Natur es gebar!

Gerhard Keil

 

Bildquelle: 131392_web_R_K_B_by_Harry C_pixelio.de.jpg

 

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Datum
08.04.2016

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