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Globalisierung der Tier- und Pflanzenwelt

globalisierung-der-tier-und-pflanzenweltBundesamt fĂŒr Naturschutz (BfN) – Pressemitteilung vom 20.06.2013

Globalisierung der Tier- und Pflanzenwelt

BfN schaltet neues Internetangebot „Neobiota.de“ frei

Bonn, 20. Juni 2013: Im neuen Internetangebot Neobiota.de (www.neobiota.de) stellt das Bundesamt fĂŒr Naturschutz (BfN) jetzt vielfĂ€ltige Informationen zum Auftreten gebietsfremder Arten in der freien Natur bereit. Schwerpunkt des Angebotes sind die invasiven Arten, d.h. diejenigen Arten, die unerwĂŒnschte Auswirkungen auf andere Arten oder LebensrĂ€ume haben können. Neben Angaben zu ihrer Biologie, Verbreitung, EinfĂŒhrungs- und Ausbreitungswegen werden die bisher durchgefĂŒhrten naturschutzfachlichen InvasivitĂ€tsbewertungen prĂ€sentiert. Über Links zu www.floraweb.de können zusĂ€tzliche Informationen (einschließlich einer Bildergalerie) abgerufen werden.

Die Neobiota kamen vielfach zufĂ€llig als blinde Passagiere an SchiffsrĂŒmpfen, im Ballastwasser oder in Holzpaletten, oft aber auch gezielt als neue Gartenpflanzen, ForstbĂ€ume oder Nutztiere.fĂŒr Aquarien, Gartenteiche, die Fischerei oder Jagd nach Deutschland. Über 800 gebietsfremde Tier- und Pflanzen-arten (Neobiota), konnten sich in den letzten 500 Jahren durch das Wirken des Menschen in Deutschland, sei es absichtlich oder unabsichtlich, ansiedeln. Die allermeisten davon blieben selten oder passten sich in die hiesigen Ökosysteme ein. Einige aber verhalten sich invasiv, d.h. sie verdrĂ€ngen andere Arten, verĂ€ndern dadurch Ökosysteme oder gefĂ€hrden sogar die Gesundheit (wie Riesen-BĂ€renklau und BeifußblĂ€ttrige Ambrosie). Mit dem sich Ă€ndernden Klima werden diese Prozesse zunehmen. “Wir wollen die bisher sehr allgemein gefĂŒhrte und von Polarisierungen geprĂ€gte Diskussion um neue Arten auf die wirklich problematischen invasiven Arten fokussieren”, sagt die PrĂ€sidentin des Bundesamtes fĂŒr Naturschutz, Prof. Beate Jessel.

SchwerpunktmĂ€ĂŸig richtet sich Neobiota.de an die interessierte Öffentlichkeit und Akteure des praktischen Naturschutzes aus Behörden und VerbĂ€nden. Die PrĂ€sidentin des Bundesamtes fĂŒr Naturschutz betont, dass man Arten nicht pauschal als “gut” oder “schlecht” beurteilen könne, sondern artspezifische, von den jeweiligen Naturschutzzielen und rĂ€umlichen Gegebenheiten abhĂ€ngige Einzelfallentscheidungen treffen mĂŒsse. “HierfĂŒr gibt ‚Neobiota.de‘ Handlungsempfehlungen, ob bzw. unter welchen Rahmenbedingungen Maßnahmen angebracht sind, und wenn ja, wie eine möglichst effiziente Vor- und Nachsorge erfolgen kann”, so Professorin Jessel weiter.

Hintergrund:

Das Auftreten von Arten außerhalb ihres natĂŒrlichen Verbreitungsgebietes infolge menschlicher AktivitĂ€ten wie Handel, Transport und Verkehr gilt weltweit als eine wichtige Ursache fĂŒr den Verlust biologischer Vielfalt. Das GefĂ€hrdungspotential wĂ€chst mit der fortschreitenden Globalisierung der MĂ€rkte und der Zunahme des weltweiten Handels und Warenaustausches sowie des Fernreiseverkehrs. Treffen die gebietsfremden Arten am neuen Ort auf Umweltbedingungen, wie sie auch in ihren Herkunftsregionen herrschen, breiten sie sich oft ungestört aus. Sie zeigen dabei teilweise unerwartete Auswirkungen, weil unter anderem die natĂŒrlichen Gegenspieler (Feinde, Konkurrenten, Krankheitserreger) fehlen. “Wenn diese gebietsfremden Arten negative Auswirkungen entfalten, nennt man sie invasiv. In diesem Fall können sie die biologische Vielfalt gefĂ€hrden, aber auch immense ökonomische SchĂ€den oder gesundheitliche Probleme beim Menschen verursachen”, sagt die BfN-PrĂ€sidentin Jessel. Kommt es erst einmal zu solchen Problemen durch eine sogenannte invasive Art, ist es oftmals fĂŒr effektive Gegenmaßnahmen viel zu spĂ€t. “Hier gilt es, lösungsorientiert zu handeln”, so Beate Jessel weiter, “speziell bei den invasiven Arten lautet die Maxime: Vorsorge statt teurer Nachsorge.” Aus diesem Grund sollte der Verhinderung der Einbringung von neuen invasiven Arten PrioritĂ€t eingerĂ€umt werden. Wesentliche Voraussetzung fĂŒr effiziente Vorsorge ist jedoch, ĂŒber die Probleme mit gebietsfremden und speziell mit den invasiven Arten aufzuklĂ€ren und der Fachwelt sowie der breiten Öffentlichkeit Hinweise zu geben, was jeder Einzelne zum Schutz der biologischen Vielfalt beitragen kann.

Im Rahmen der Konvention zur Erhaltung der biologischen Vielfalt haben sich die Vertragsstaaten verpflichtet, Vorsorge gegen invasive Arten zu leisten, sie zu kontrollieren oder zu beseitigen. Vorliegende Erkenntnisse belegen jedoch, dass in Mitteleuropa und speziell in Deutschland immer mehr gebietsfremde Arten in der freien Natur auftreten. Insbesondere die invasiven Arten unter ihnen stellen dabei durch ihre erhebliche GefĂ€hrdung der natĂŒrlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein relevantes Problem im Naturschutz dar.

Pressesprecher: Franz August Emde
Stellvertreterin: Lara Mohn
Bundesamt fĂŒr Naturschutz
Konstantinstr. 110
53179 Bonn
Telefon: 02 28/84 91-4444
Telefax: 02 28/84 91-1039
E-Mail: presse@bfn.de
Internet: www.bfn.de

Kontaktinformationen: Pressemitteilung der Presseabteilung, Bundesamt fĂŒr Naturschutz – BfN, Konstantinstraße 110, 53179 Bonn

Bildquelle: Bayerische Landesanstalt fĂŒr Landwirtschaft (LfL) / bfn.de

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Datum
27.06.2013

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