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Grundnahrungsmittel Kartoffel – ökologische Schutzmaßnahmen.

Kartoffeln

 

Für diejenigen, die sich den Traum erfüllen, sich mit ihrer Familie auf einen kleinen Gärtnerhof zurückzuziehen und eine weitgehende Selbstversorgerwirtschaft zu führen, ist die Kartoffel eine der wichtigsten Nutzpflanzen. Immerhin läßt sich nötigenfalls allein mit Kartoffeln, Erbsen und Bohnen über einen respektablen Zeitraum eine Ernährung ohne größere Mangelerscheinungen gewährleisten. Aus diesem Grunde ist es von Bedeutung, sich mit den wesentlichen Krankheiten und Schädlingen zu befassen. Hauptsächlich geht es hierbei um den Kartoffelschorf, den Kartoffelkäfer und schlimmstenfalls um die Kartoffelfäule. Der Kartoffelschorf, den es in allen Anbaugebieten gibt, wird durch eine Bakterienart verursacht, deren auftreten jedoch in Böden mit einem pH-Wert unter 5,5 deutlich geringer ist. Zudem fördert eine Gründüngung mit Luzerne, Roggen oder Wicken im Boden lebende Antagonisten gegen das Kartoffelschorf-Bakterium. Die Sortenliste des Bundessortenamtes führt auch auf, welche Kartoffeln schorfanfällig sind, so daß schon bei der Auswahl ein Augenmerk auf resistente Sorten gelegt werden kann. Entscheidend ist allerdings, daß von Kartoffelschorf befallene Kartoffeln durchaus verzehrt werden können. Viel wichtiger, aber auch schwieriger ist es, der Kartoffelfäule zu begegnen, die auch in der Menschheitsgeschichte für einschneidende Hungerkatastrophen verantwortlich war. Dies allein ist schon ein Grund für jeden Selbstversorger, zur Sicherheit zweigleisig zu fahren, indem ebenso der Topinambur als Ersatz für die Kartoffel in seinem Garten mit angebaut wird („Umwelt & Aktiv berichtete: http://www.umweltundaktiv.de/allgemein/topinambur-die-nahrhaft-gesunde-sonnenwurzel/).

Kartoffelfäule – es gibt die Kraut- und die Knollenfäule – wird durch einen Pilz verursacht, der auch Tomaten befällt. Die ersten Symptome der Krankheit zeigen sich meist an den Blättern und Stängeln, indem sich von den Blatträndern dunkelbraune Flecken ausbreiten, die sich insbesondere bei feuchtem Wetter und Taubildung schnell vergrößern, bis sie an der Blattunterseite einen schimmelähnlichen pilzigen Rasen bilden. Der Pilz ist in der Lage zu überwintern, weshalb im Falle starken Auftretens Pflanzenteile und auch Erde sorgfältig zu entfernen sind bzw. ein mehrjähriger Anbauverzicht von Kartoffeln und Tomaten auf dieser Fläche vonnöten ist, um den Pilz „auszuhungern“. Verwendetes Gartengerät ist mit kochendem Wasser zu desinfizieren. Da der Krankheitserreger sich vor allem in feuchtem Milieu entwickelt, empfiehlt es sich, schon beim Pflanzen auf einen sonnigen und geschützten Standort mit genügend Belüftung zu achten, an dem Blätter und Kraut nach Regen rasch wieder trocknen. Durch ausreichenden Pflanzabstand kann einigermaßen vermieden werden, daß sich die Krautfäule von einer einzelnen Pflanze auf den übrigen Bestand überträgt. Gutes Anhäufeln der Kartoffeln und das Abtrennen befallener Stiele, hilft den Kartoffeln der nächsten Generation. Prophylaktisch kann auch die Erde mit Knoblauch-Zwiebel-Jauche behandelt werden. Bei erst schwachem Befall kann mit Blick auf einigermaßen resistente Sorten, wie beispielsweise Rosara, Aurelia, Planta, Vitara, Tessi, Sava, Simone, Bettina, Donella, Marena, Rosella, Escort, Sante und Treff der Einsatz von Steinmehl, Schachtelhalmbrühe oder Magermilch eine gewisse Wirkung zeigen. Sogar weitgehend immun gegen Krautfäule und Braunfäule sollen Fortuna, Dunja, Aula, Datura sein. Als kulturtechnische, vorbeugende Maßnahme sollte darauf geachtet werden, nicht in Nachbarschaft zu Frühkartoffelbeständen zu pflanzen, da von diesen ein zeitiger Erstbefall ausgehen kann. Durch Mulchen der Zwischenräume haben die Blätter keinen direkten Erdkontakt mehr und Regenspritzer benetzen diese nicht. Rhabarbertee heißt es, verzögert die Infektion sowie oftmals Bohnen und Sellerie als Mischkultur empfohlen werden. Interessant, aber womöglich nicht ganz unproblematisch ist, daß auch Hanf als Zwischenfrucht eine abwehrende Wirkung haben soll. Bei den Tomaten empfiehlt sich eine Mischkultur mit Kapuzinerkresse, Knoblauch, Neuseeländer Salat, Petersilie, Ringelblumen oder Zwiebeln. Man kann vorsorglich auch die Knollen vor der Aussaat etwa 15 Minuten in Schachtelhalmbrühe tauchen bzw. frisch geerntete Kartoffeln, die im nächsten Jahr als Saatkartoffeln Verwendung finden sollen, etwa 8 Tage lang durch Sonnenbestrahlung immunisieren.

Weit weniger problematisch ist wiederum der Kartoffelkäfer, der beispielsweise mittels eines Netzes spürbar fernzuhalten ist. Ein wirksames Mittel, die Käfer einigermaßen abzuhalten soll auch Kümmel oder Pfefferminze sein. Ein aus Pfefferminzblättern gebrühter Aufguß kann diese Wirkung verstärken. Wegen der Larven sollte besonders auch unter den Pflanzen gesprüht werden. Marienkäfer, Schwebfliegen und Florfliegen gelten zudem als Nützlinge im Kampf gegen den Kartoffelkäfer. Ganz profan, aber ebenso wirksam kann man auch versuchen, die Käfer von Hand einzusammeln und befallene Blätter zu entfernen. Um ein vielfaches wirkungsvoller als all die genannten Maßnahmen ist es jedoch, Hühner und/oder Gänse zu halten, die liebend gerne diese Arbeit für uns übernehmen, allein schon, weil die Kartoffelkäfer zu deren Leibspeise zählen.

Gerhard Keil

 

Bildquelle: 308707_web_R_K_B_by_Maria Lanznaster_pixelio.de.jpg

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Datum
19.05.2017

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