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Holunder – der Götterstrauch

Schwarzer Holunder

Schwarzer Holunder

„Vor dem Holunder soll man den Hut ziehen“, sagt ein überliefertes Sprichwort, das die tiefe Verehrung dieser Pflanze kaum deutlicher zum Ausdruck bringen könnte. Und es ist zumeist kein Schaden, auf bewährte Traditionen etwas zu geben. Derzeit sehen wir ihn in voller Blüte, die für die Monate Juni und Juli typisch für den Strauch ist. In den Monaten September und Oktober wird er dann seine Frucht, die dunklen Beeren, bieten. Die Heilwirkung, die dem Strauch zugesprochen wird, ist weitreichend und erstreckt sich von anregend und blutreinigend über blutstillend, entzündungshemmend, erweichend, harntreibend, krampflösend, pilztötend, schleimlösend bis schweißtreibend. Und dennoch gelangte dieses menschenfreundliche Gewächs zeitweilig in christlichen Kreisen in Mißkredit, weil der Holunderstrauch zu vormaliger Zeit als Sitz der das Haus und dessen Bewohner vor Schaden bewahrenden Hausgötter bzw. der germanischen Liebesgötting Freya angesehen wurde. Spätestens seit den Gebrüdern Grimm ordnete man die Heilpflanze auch der Frau Holle zu. In Schweden heißt es, daß man den Elfenkönig und sein Gefolge sehen kann, wenn man sich bei Sonnenuntergang in der Mittsommernacht unter einen Holunderbaum setzt.

Bei Erkältungskrankheiten und Fieber kann man die Holunderblüten als Tee trinken und sich danach zum Schwitzen ins Bett legen. Auch zur Stärkung des Immunsystems eignet sich ein Holunderblüten-Tee, der zudem äußerlich zur Hautpflege eingesetzt werden kann, um leichte Verbrennungen und Hautentzündungen zu lindern. Die Blätter haben ebenfalls eine heilende Wirkung auf die Haut, die zur Salbe verarbeitet oder als Breiumschlag gegen Quetschungen, Verstauchungen und Hautwunden Verwendung finden. Da die Beeren viel Vitamin-C enthalten, sind sie, als Saft getrunken, geeignet die Abwehrkräfte im Winter zu steigern, um es prophylaktisch erst gar nicht zu Erkältungen kommen zu lassen. Der Saft sollte allerdings gekocht und nur langsam erwärmt werden, da durch ein Erhitzen zum punschartigen Getränk das hitzeempfindliche Vitamin C zerstört wird. Glycoside, ätherisches Öl, Flavonoide, Cholin, Schleimstoffe, Gerbstoffe und Gerbsäure sind weiter die wesentlichen Inhaltsstoffe des Holunder. Die Flavonoide sollen einen besonderen gesundheitlichen Nutzwert aufweisen, der sich sogar bis zu Krebs- und Herzleiden erstrecken soll.

Über den nachfolgenden Weltnetzverweis können auch eine Vielzahl an kulinarischer Köstlichkeiten im Zusammenhang mit dem Holunder eingesehen werden:

http://www.chefkoch.de/rs/s0/holunderbl%C3%BCten/Rezepte.html

In Nordeuropa wurden Verstorbene noch bis weit in die Neuzeit hinein auf Holunderzweige gebettet, was auf den mythologischen Rang dieser Heilpflanze und deren nicht allein diesseitigen Nutzwert schließen läßt. Folgerichtig hieß es auch, daß man den Holunder weder beschneiden noch fällen sollte, da hierdurch die guten Hausgeister ihrer Wohnstätte beraubt würden. Ließ sich das Fällen eines Holunders nicht vermeiden, mußte man ihn mit folgenden Worten um Verzeihung bitten: „Frau Ellhorn, gib mir von Deinem Holz, so will ich Dir auch von meinem geben, wenn es wächst im Walde.“ – Welch wahrlich respektvoller Umgang!

Gerhard Keil

 

Bildquelle: 733103_web_R_K_B_by_Siegmar-Kähne_pixelio.de_.jpg

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Datum
11.07.2016

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