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Magischer Eibenwald – Seit 1939 Naturschutzgebiet

Eibe

Die Eibe gehört in Deutschland zu den seltenen und gefährdeten Baumarten. Die Eibe ist aber auch die älteste Baumart Europas – die Gattung geht bis in das Jura zurück, die Zeit der Dinosaurier. Bis auf das rote Fleisch ihrer beerenartigen Früchte sind alle Teile des Baumes giftig. Allerdings gewinnt man heute aus der Eibe auch tumorhemmende Mittel, die seit ihrer Zulassung 1992 die Krebsbehandlung weltweit und in großem Stil verändert haben. Die Eibe ist der einzige europäische Baum, in dem um die Mitwinterzeit noch ein nennenswerter Stoffwechsel stattfindet, da sie bis zu Minus 8ºC fähig ist, Photosynthese zu betreiben. Die Eibe besitzt eine erstaunliche Lebenserwartung und einzigartige Fähigkeit zur Regeneration. Wenn nach einigen Jahrhunderten die Eibenstämme beginnen, hohl zu werden, vermag die Eibe sogenannte Innenwurzeln zu bilden, die vom oberen Teil des hohlwerdenden Stammes durch diesen herabwachsen, um sich mit dem Mutterboden zu vereinigen. So entstehen über die Zeit Innenstämme, die langsam, aber sicher die grüne Krone des alten Baumes weitertragen. Wenn oft erst nach vielen Jahrhunderten die Eibe sich der verbliebenen Hülle des Ursprungsstammes entäußert, zeigt sich ein erneuerter Baum, dem man sein hohes Alter nicht ansieht. Ein uraltes Wesen in einem neuen Körper! Dies ist allerdings kaum mehr zu sehen, da die Eiben zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert aufgrund ihrer Eignung zur Herstellung von Waffen, wie beispielsweise dem Langbogen, zum Opfer fielen.

Der Paterzeller Eibenwald ist mit etwa 2300 teilweise sehr alten Eiben einer der größten zusammenhängenden Bestände der Europäischen Eibe in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Eibenwäldern Deutschland sind die Bäume im diesem teils bis zu 1000 Jahre alt. Der Eibenwald befindet sich in der Nähe des Brandtswaldes bei Paterzell, nahe Weilheim südwestlich von München, im sogenannten Pfaffenwinkel. Mitunter liegt es nicht unwesentlich an der geologische Besonderheit des Standorts mit seinen hohen Kalktuffvorkommen, dass ein so hoher Eibenanteil im Wald erhalten geblieben ist. Die Besonderheit des Paterzeller Eibenbestands wurde im Jahr 1907 von dem Weilheimer Arzt Dr. Friedrich Kollmann (1871–1957) erkannt. Kollmann setzte sich fortan für den Schutz des Paterzeller Eibenwaldes ein. Die Bemühungen Kollmanns hatten erst Erfolg, als sich auch die naturverbundene Königin Marie Therese, die Frau von Ludwig III. von Bayern, für den Eibenwald einsetzte. Durch ihre Fürsprache konnte der Paterzeller Eibenwald schließlich ab 1913 unter besonderen Schutz gestellt werden, indem er zum staatlichen Naturdenkmal erklärt wurde. Mit dieser Verfügung konnte erreicht werden, dass keine Eibe mehr gefällt werden durfte und dass der Charakter des Waldes seitdem nahezu unverändert erhalten werden konnte. 1939 wurde das geschützte Naturdenkmal zum Naturschutzgebiet umgewidmet. Heutige Besucher können sich auf dem speziell eingerichteten Eibenlehrpfad umfassend informieren.

Die alten Bäume in diesem Wald zaubern nicht nur eine mystische Stimmung, ihnen werden im Volksmund in der Tag magische Kräfte nachgesagt. Aufgrund des Wunders seiner Regenerationsfähigkeit verwundert es wiederum kaum, daß die Eibe zum Symbol der Selbsterneuerungskraft der Natur und der Wiedergeburt des Lebens wurde. Oftmals wird auch der Weltenbaum Yggdrasil nicht als Esche, sondern als Eibe identifiziert. Wie im alten Griechenland die Eibe der heilige Baum der Schicksalsgöttinnen und ihrer Vollstreckerinnen – der Moiren und Furien – war, so ist sie in der germanischen Mythologie eng mit den Nornen, den Schicksalsweberinnen – den Nornen – verbunden. Der Baum wird zuweilen auch der Göttin Freyja zugesprochen. Bei den Germanen wurden Eibenzweige zudem genutzt, um Dämonen und bösen Zauber abzuwehren. Und auch die Kelten verehrten den Baum als heilig.

„Umwelt & Aktiv“ möchte Lektüre-Empfehlung des Nationalparks ans Herz legen:

Magie des Eibenwaldes von Angelika Haschler-Böckle;
Verlag Neue Erde ISBN 3-89060-084-0

Dieser prachtvolle Bildband möchte Sie in den Eibenwald entführen und seine Magie spüren lassen. Über viele Jahre besuchte die Fotografin und Autorin immer wieder einen der letzten größeren Eibenmischwälder in Europa, den Paterzeller Eibenwald. So entstanden faszinierende Bilder mit einem ganz eigenen Zauber.
In ihren Texten nimmt uns Angelika Haschler-Böckle mit auf einen Streifzug durch Mythos und Heilkraft dieses Baumes, erzählt von ihren magischen Begegnungen im Eibenwald und geht mit uns und den Eiben durch den Kreis der Jahreszeiten wie durch den Kreis der vier Elemente.
Dieses Buch ist eine Huldigung an eines der ältesten Lebewesen auf dieser Erde, die Eibe, den Lebensbaum
“, lautet die verlockende Beschreibung dieses Buches.

Sollten Sie sogar eine Eibe im Garten haben, können Sie sich im Hochsommer unter der Ausdünstung ihrer Alkaoide zu einem regenerativen Meditationsschlaf betten…

Ihr

Gerhard Keil

Bildquelle: 418356_web_R_K_B_by_Karl-Heinz Liebisch_pixelio.de

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