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Palmölzertifizierung ist nicht zwingend verläßliches Verbraucherkennzeichen!

Regenwald

Regenwald

Das weltweit meist produzierte Pflanzenöl, dessen Produktion sich seit 1990 auf über 58 Mio. t fast versechsfachte, ist Pflanzenöl. Es findet neben der Herstellung von Nahrungs- und Körperpflegemitteln zudem in der chemischen Industrie Verwendung. Nahezu jedes zweite Supermarktprodukt enthält heute Pflanzenöl. Mit der Erschließung neuer Anbaugebiete durch Agrarkonzerne werden traditionelle und kleinbäuerliche Landbewirtschaftungsformen zurückgedrängt und durch Abholzungen, Trockenlegung von Torfmooren und Brandrodungen bedeutende Kohlendioxidspeicher und Ökosysteme zerstört. („Umwelt & Aktiv“ berichtete bereits: http://www.umweltundaktiv.de/allgemein/weniger-palmoel-fuer-mehr-regenwald/) Um Platz für neue Holz- und Palmölplantagen zu schaffen, wurden allein zwischen Juli und November 2015 insgesamt 1,8 Mio. ha Torf- und Regenwälder zerstört. Mittels Zertifizierungssysteme soll die Einhaltung angemessener sozialer und ökologischer Mindeststandards bei der Palmölbeschaffung verfolgt werden. Allerdings steht neben dem International Sustainability Carbon Certification (ISCC) auch der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) als das größte Zertifizierungssystem aufgrund von schwachen Standards, lückenhaften Kontroll- und Beschwerdemechanismen und fehlender Transparenz in der Kritik.

Das bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH angesiedelte Forum für Nachhaltiges Palmöl (FONAP), welches auch vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung gefördert wird, kritisierte zwar zuweilen selbst gewisse Aspekte beim RSPO, nahm aber dennoch bislang nicht Abstand davon, weiterhin Mitglieder zu akzeptieren, die ausschließlich RSPO-zertifiziertes Palmöl verwenden. Vor allem in der Kritik steht, daß der RSPO von den Produzenten fordere, ihre gesamten Anbauflächen zertifizieren zu lassen, jedoch einige Produzenten für all ihre Flächen die RSPO-Zertifizierung verlieren hätten müssen, nachdem diese gegen das Verbot, neue Plantagen auf schützenswerten Flächen anzulegen, verstoßen hatten. Für den bewußt handeln wollenden Verbraucher ist es aber problematisch, wenn angebliche Gütesiegel nicht die gewünschte Güte besiegeln! Laut der Eurostat-Generaldirektion importierte die EU im Jahr 2014 immerhin fast sieben Millionen Tonnen Palmöl. Für den mündigen Verbraucher ebenfalls interessant ist, daß Einschätzungen des Naturschutzbunds Deutschland e. V. (NABU) zufolge etwa 45 % der europäischen Palmölimporte zur Herstellung biogener Kraftstoffe verwendet werden!

Gerhard Keil

Bildquelle: 219450_web_R_K_B_by_rebel_pixelio.de

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Datum
05.08.2016

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