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Problem Antibiotika-Resistenz bereits mit der Muttermilch entgegentreten!

Bakterienkultur

Bakterienkultur

Das Problem multiresistenter Keime, zumeist im Zusammenhang mit der Infektionsproblematik bei Krankenhausaufenthalten, dringt zwar zunehmend in die Wahrnehmung, ob es jedoch in der Breite ausreichend ernst genommen wird, um den nötigen gesellschaftlichen Druck für erforderliche Maßnahmen zur Problembewältigung zu erzeugen, darf wohl berechtigt in Zweifel gezogen werden. Obwohl sich derzeit jedes Jahr etwa 700.000 Menschen mit Krankheiten infizieren, bei denen jegliche Medikation versagt, setzen die Pharmafirmen nicht auf die Entwicklung neuer Antibiotika, allein weil die Investitionen in die Forschung in diesem Bereich nicht rentabel sind. Laut Untersuchungen britischer Wissenschaftler könnte sich bereits bis 2050 die Zahl der Infektionen mit Krankheitserregern, gegen die keine Medikamente helfen, verzehnfachen. Doch nicht nur die Verschreibungspraxis und die mangelnde pharmazeutische Entwicklung stellen ein Problem dar.

Antibiotika aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung wie aus der Nutzung durch den Menschen findet Verbreitung, indem es im Grundwasser landet. Dies zeigt die aktuelle Studie „Aufklärung der Ursachen von Tierarzneimittelfunden im Grundwasser – Untersuchung eintragsgefährdeter Standorte in Norddeutschland“ des Umweltbundesamtes (UBA), zu deren Erstellung elf ausgewählte, belastete Grundwasser-Messtellen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen untersucht wurden. Die dort gefundenen Antibiotika-Rückstände stammen überwiegend aus der Landwirtschaft, allerdings konnte an zwei Messtellen nachgewiesen werden, dass die teilweise sehr hohen Konzentrationen aus nahegelegenen Kleinkläranlagen stammen. Im ländlichen Raum sind viele Häuser außerhalb von Siedlungen nicht an das Kanalisationsnetz angeschlossen und haben daher eigene Kleinkläranlagen, über deren Abläufe die Arzneimittel dann direkt ins oberflächennahe Grundwasser gelangen, weshalb das Bundesumweltamt diesbezüglich belastbare Untersuchungen und einen Schwellenwert für Human- und Tierarzneimittel im Grundwasser fordert.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge wurden in Deutschland 1238 Tonnen Antibiotika an tierärztliche Hausapotheken und Tierärzte abgegeben. Viele Antibiotika finden sowohl in der Veterinärmedizin als auch in der Humanmedizin Verwendung. Interessant ist im Zusammenhang mit der Antibiotika-Debatte das Ergebnis einer Kohortenstudie der Universität Helsinki, welches bestätigt, dass mit Muttermilch gestillte Kinder im späteren Leben seltener mit Antibiotika behandelt werden müssen und weniger oft an Übergewicht leiden. Abgeschwächt wird dieser Effekt jedoch, wenn die Kinder während der Stillzeit Antibiotika eingenommen haben. – Eine wirksame Strategie zum Umgang mit Antibiotika fängt folglich bereits mit der Muttermilch an!

Gerhard Keil

 

Bildquelle: 519269_web_R_B_by_Sebastian Karkus_pixelio.de.jpg

 

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Datum
04.07.2016

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