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Schäfer – lyrisches Sehnsuchtsziel und ökologische Notwendigkeit

Schafherde

Tierwirt Fachrichtung Schäferei nennt sich offiziell der Ausbildungsberuf des Schäfers. Die Ausbildung dauert drei Jahre sowie anschließend sogar der Meistertitel erworben werden kann. Es ist ein Beruf mit langer Tradition, der heutiger Tage jedoch mehr einer Berufung gleichkommt, denn des Geldes wegen wird heute niemand Schäfer. Naturliebe allein reicht allerdings nicht aus, erfordert das Schäfergewerbe doch vielfache Fähigkeiten. Zu den umfangreichen Aufgaben eines Schafhirten gehört die „Hebammenhilfe“, sprich die Ablammung und Aufzucht der Tiere, einschließlich Kenntnissen der Anatomie, Physiologie, Züchtung und Rassenkunde ebenso wie das Wissen über Weidewirtschaft und Futtergewinnung. Die Beherrschung der Schafhaltung erfordert auch Wissen und Fertigkeiten zum Stallbau sowie der Pferchtechnik und Hygienemaßnahmen. Selbstredend sind zudem umfangreiche Kenntnisse über Tierkrankheiten von großer Bedeutung. Auch die richtige Hütetechnik mit dem Herdenhund bzw. dessen Ausbildung gehören zum Repertoire eines Schäfers. Und die Produktion von Wolle, Fleisch und Milch, sowie die Vermarktung dieser Produkte erfordern letztendlich auch Kenntnisse über das tierschutzgerechte Schlachten.

Die gesamtgesellschaftliche und ökologische Bedeutung dieses Berufs geht jedoch weit über die Faktoren Fleisch, Milch, Käse, Wolle, Felle hinaus. Naturerleben bedingt Naturerhalt, wofür die Wanderschäfer mit ihren Herden einen wertvollen Beitrag leisten. Der Nutzen erstreckt sich von der Deichpflege über den Brandschutz bis zur Pflege von Biotopen. Extensives, gut beweidetes Dauergrünland stellt einen unübertroffenen Schutz für Boden, Wasser und Luft dar. Je dichter und artenreicher die Grasnarbe ist, je tiefer der Wurzelhorizont, desto besser erfüllt die Beweidung durch kleine Wiederkäuer diesen Zweck. Durch den „goldenen Tritt“ von Schafen und Ziegen und den Verbiss bis an die Bestockungsgrenze der Gräser entsteht eine Grasnarbe. Die dichte Grasnarbe dient als Erosionsschutz vor Wind und Wasser sowie als Wasserspeicher. Sie fördert zudem das Bodenleben durch Biomasse. Durch die Beweidung mit Schafen oder Ziegen entsteht keine Bodenverdichtung, keine Versalzung durch mineralische Düngung und Bewässerung. Darüber hinaus kommen keine Pestizide zum Einsatz. Das Grünland dient als wertvoller Schadstoffilter für Einträge in das Trinkwasser und in die Oberflächengewässer. Es entsteht auch kein unnötiger Wasserverbrauch durch Bewässerung. Ein Beitrag zur Luftverbesserung ist ebenfalls gegeben, da Grünland auch im Winter Sauerstoff produziert, wenn die meisten Bäume längst keine Blätter mehr haben. Grünland stellt die größte CO2-Senke in unseren Breiten dar. Eine Beweidung durch Ziegen und Schafe leisten somit zweifelsfrei einen erheblichen Beitrag zum Erhalt des Lebensraums für Tiere und Pflanzen. – „Umwelt & Aktiv“ hofft deshalb, daß auch in künftigen Zeiten eine bukolische Schäferidylle nicht nur ein romantisches Relikt eines lyrischen Arkadiens vergangener Tage ist, sondern auch lebenskräftig seinen Reiz behält.

Gerhard Keil

Bildquelle: 371060_web_R_K_B_by_Burkhardt Preuß_pixelio.de

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