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Sumpfschildkröte – herzlich Willkommen zu Hause!

Sonnenplatz

Während man in Deutschland seit geraumer Zeit so manche Kröte schlucken muß, wenn man sich vergegenwärtigt, wer hier plötzlich heimisch werden will, darf man sich wenigstens über ein Wiederansiedlungsprojekt einer heimischen Schildkrötenart erfreuen. Raus aus dem Aquarium, rein in die Wildnis hieß es diesen Monat für 30 Europäische Sumpfschildkröten, die in der Südpfalz ausgewildert wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Sumpfschildkröte bei uns bereits als ausgestorben. Bei den in Deutschland nach wie vor vom erneuten Aussterben bedrohten Schildkröten handelte es sich um vierjährige Jungtiere, die aus dem Sea Life in Speyer stammten. Zehn der nun ausgesetzten Schildkröten wurden, um sie besser in ihrem Verhalten in freier Wildbahn erforschen zu können, mit einem Sender ausgestattet. Zudem wurden die Tiere mit einem Chip versehen, der die Temperatur ihres Körpers sowie der Luft und des Wassers registriert. Die Aktion gehört zu einem Wiederansiedlungsprojekt, das der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und das Sea Life Speyer vor fast zehn Jahren gestartet haben. Bei Bobenheim-Roxheim im Rhein-Pfalz-Kreis wurden bereits 2012 erstmals 110 Europäische Sumpfschildkröten ausgewildert, was von Erfolg gekrönt war, da die Tiere geeignete Eiablageplätze auffinden und sich vermehren konnten. Die Europäische Sumpfschildkröte war zum „Reptil des Jahres 2015“ gekürt worden.

Die Europäische Sumpfschildkröte ist eine kleine bis mittelgroße, fleischfressende Schildkröte, die überwiegend im Wasser lebt. Das besondere ist, daß es sich bei ihr um die einzige Schildkrötenart handelt, die natürlich in Mitteleuropa vorkommt – wenngleich auch äußerst selten. Die wenigen Populationen, die in Deutschland überhaupt noch existieren, befinden sich überwiegend in Ostdeutschland, wie beispielsweise im Gebiet des Stechlinsees. Ihr Lebensraum sind stille oder langsam fließende Gewässer, der Uferbereich von Binnenseen, Teiche, Gräben und Altarme von Flüssen. Stark verkrautete, nährstoffreiche Gewässer mit schlammigem Grund werden bevorzugt. Ebenfalls wichtig sind sich leicht erwärmende flache Stillwasserzonen. Das vielfache Fehlen von warmen Sandhügel oder anderen Trockenstandorten für die Eiablage hat sich für das Überleben der Europäischen Sumpfschildkröte als problematisch erwiesen. Ursprünglich waren die Schildkröten auch in offeneren Vegetationen mit steppenartigem Charakter beheimatet. Noch ideale Bedingungen findet die Schildkröte heute in den klaren Bächen des Bruchwaldes des Naturschutzgebietes Zarth im Naturpark Nuthe-Nieplitz in Brandenburg vor. In Österreich findet sich in den Donauauen östlich von Wien die letzte natürlich fortpflanzende Population sowie einige ausgesetzte Exemplare am Wienerberg im Gemeindegebiet Wiens.

Während ausgewachsene Sumpfschildkröten durch Fressfeinde nur in geringem Maße gefährdet sind, sind sie – wie so viele andere Arten auch – vor allem durch die Folgen menschlicher Eingriffe in ihren Lebensraum bedroht. Dazu zählen die bekannten Trockenlegungen von Sümpfen und Feuchtgebieten, Gewässerkorrekturen und die Zersiedelung der Landschaft. Als Fastenspeise fällt sie zwar schon längerer Zeit keinem mehr zum Opfer, jedoch wurde der zunehmende Straßenverkehr zu einem der größten Probleme. Auch die Fischerei mit Reusen forderte ihre Opfer unter den Sumpfschildkröten. – „Umwelt & Aktiv“ meint: mag sie auch gepanzert sein, so bedarf sie dennoch unserer Rücksichtnahme und Unterstützung!

Gerhard Keil

Bildquelle: 476440_web_R_K_B_by_Albrecht E. Arnold_pixelio.de

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