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Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Umwelt- und Naturschutz ist ohne Heimatkomponente unvollständig!

Kulturlandschaft im Frühling

Kulturlandschaft im Frühling

Der Umweltschutzbegriff kann in unterschiedlicher Breite Verwendung finden und umfaßt aus ganzheitlicher Sichtweise nicht nur eine von jeglichem Bezug losgelöste Naturlandschaft an sich, die in rein wissenschaftlicher Leidenschaftslosigkeit zu analysieren wäre, ohne die für eine wertende Beurteilung nötige emotionale Hinwendung mit in Betracht zu ziehen. Vielmehr kann der Umweltschutzbegriff eigentlich nur wirklich sinnerfüllt sein, indem über die Momentaufnahme hinausgehende weitreichende Beziehungsgeflechte impliziert werden. In dieser Betrachtungsweise lösen sich dann erst vermeintliche Gegensätze zwischen Natur- und Kulturlandschaft auf, um im Bezugsrahmen des Empfindens als Heimat die Schutzwürdigkeit vom ethisch abstrakten Imperativ auf das konkrete praktische Wollen herunterzubrechen. So verstanden nimmt allerdings Umwelt auch dann Schaden, wenn ihre originäre Heimatqualität abnimmt oder verloren geht. Folglich betreffen auch diesbezügliche Lebensraumeingriffe, am schwerwiegendsten hiervon ein Bevölkerungsaustausch, in einem gewissen Sinne den Umweltschutz. Sowenig ein ernstzunehmender Naturschutz die Artenvielfalt im Tierreich aus den Augen verlieren darf, ebenso wenig darf er die Völkervielfalt gering schätzen, und ist aufgerufen, mit beider Biotope verantwortungsvoll umzugehen. Verantwortungsvoller Umgang heißt unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit auch die Relation von ökologischer Tragfähigkeit gewachsener Bioregionen, deren wirtschaftlich vertretbaren Entwicklungspotentialen und deren Bevölkerungsentwicklung nicht außer Acht zu lassen.

Allein der Umstand, daß jeher für die Heimatbewegungen eine bestimmte Zivilisationskritik mit der Hinwendung zu mehr Ursprünglichkeit kennzeichnend ist, zeigt einen überlieferten Zusammenhang zwischen unmittelbarer Umwelt und identitätsbasierter Lebensweise auf. Der Begriff der Kultur entstammt in seiner etymologischen Bedeutung originär dem landwirtschaftlichen Bereich und bedeutet in seiner abgeleiteten Verbform (colere) aus dem Lateinischen „ehren, pflegen“. Im weiteren Sinne ehrt und pflegt man im kollektiven Rahmen ein als gemeinsam empfundenes Dasein, worauf etymologisch der Begriff der Identität (idem und ens, entis) hinweist. Man kann vielleicht die Formel aufstellen, Natur plus Region multipliziert mit Kultur ist Heimat. Und Heimat ist mehr als Landschaft. So wie sich mit den Folgen der Industrialisierung in den seinerzeitigen Heimatbewegungen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ein antimodernistisches Krisenbewußtsein hinsichtlich der Überformung der eigenen Umwelt mit Elementen der modernen Zivilisation entwickelte, gilt es heute einer totalitären Globalisierung mit ihren zahlreichen naturschutzrelevanten Kollateralschäden auch ökologisch mit Regionalisierung zu antworten. Umweltschutz soll zwar nicht an Heimatgrenzen enden, allerdings innerhalb dieser beginnen und konkret verantwortet werden, wobei die Heimatverknüpfung aufgrund seiner emotionalen Verwurzelung die Akzeptanz von Naturschutzzielen erhöht.

Gerhard Keil

Bildquelle: 759127_web_R_K_B_by_Rosel Eckstein_pixelio.de.jpg

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