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Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Auf der Suche nach der Ehrfurcht vor dem Leben

Auf der Suche nach der Ehrfurcht vor dem Leben

Tagung der „Herbert-Gruhl-Gesellschaft“

Vom 25. bis 27. September 2009 tagte die „Herbert-Gruhl-Gesellschaft“ im frĂ€nkischen Marktheidenfeld. Das Hotel „Schöne Aussicht“ wurde dafĂŒr sicher nicht zufĂ€llig als Tagungsort gewĂ€hlt: In seinen RĂ€umen wurde am 20. Juli 1975 unter Mitwirkung von Dr. Herbert Gruhl der BUND (Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland, Anm.d.Red.) gegrĂŒndet, dem er von 1975 bis 1977 selbst vorstand. Zahlreiche VortrĂ€ge und interessante Diskussionen drehten sich auf der Tagung um den heute inflationĂ€r gebrauchten Nachhaltigkeitsbegriff, die Ehrfurcht vor dem Leben und die Probleme heutiger Umwelt-, Natur- und Tierschutzschutzvereinigungen.

GesprÀch wÀhrend der Exkursion im Spessart

GesprÀch wÀhrend der Exkursion im Spessart

Gleich zwei schlechte Nachrichten erhielten die Teilnehmer am 25. September. Der TrĂ€ger des diesjĂ€hrigen „Herbert-Gruhl-Preises“, der Philosoph, Abtreibungs- und Sterbehilfegegner Prof. Dr. Dr. hc. mult. Robert Spaemann, mußte krankheitsbedingt absagen, und auch ein Referent war leider verhindert. Der guten Stimmung und der QualitĂ€t der Veranstaltung schadete dies jedoch nicht. Überraschend hinzu stieß am Nachmittag des 26. September dafĂŒr Regina Maria Lehsel, Leiterin der Regionalgruppe Marktheidenfeld des „Vegetarierbund Deutschland“ (VEBU).

Volker Kempf, der Vorsitzende der „Herbert-Gruhl-Gesellschaft“, hielt am Abend des 25. September wie geplant seine BegrĂŒĂŸungsrede. Diese stand unter dem Leitsatz „Zwischen Kulturverfall und Umweltkrise“. Kempf kritisierte die heutige Umweltkrise als Folge eines europĂ€ischen Nihilismus. Dieser wiederum sei Folge eines totalen geistigen und ethischen Verfalls. Die PlĂŒnderung der Erde sei somit Ausdruck einer Kulturkrise. Der Vorsitzende wörtlich: „RĂŒckt man zudem den Tierschutz in den Horizont, wird das noch unterstrichen. Denn wie viele Tiere vernutzt werden, fĂŒr MassengĂŒter und den angeblichen medizinischen Fortschritt, lĂ€ĂŸt sich gar nicht mehr zĂ€hlen. Selbst der Umgang mit dem ungeborenen menschlichen Leben ist unserer Kultur nicht heilig, im Gegenteil, die SchwĂ€chsten der Gesellschaft genießen nur noch sehr eingeschrĂ€nkt einen rechtlichen Schutz. Da dem so ist, kĂ€mpfen Natur-, Tier- und UngeborenenschĂŒtzer an einer Front, in der einen und derselben Kultur.“

Unbedingter Lebensschutz

Am 26. September eröffnete der Medizinjournalist Rainer Klafka das Vortragsprogramm. Klafka ist Vorsitzender des Regionalverbandes Aachen der „Aktion Lebensrecht fĂŒr Alle e.V.“ (ALfA). Er sprach zum Thema „Ungeborenenschutz: Erfahrungen – Blockaden – Perspektiven“ und nahm dabei einen streng katholischen Standpunkt ein. Er betonte jedoch, daß die ALfA eine ĂŒberkonfessionelle Organisation fĂŒr alle LebensschĂŒtzer sei.

Klafka kritisierte, daß Abtreibungen seit Ende der 1960er Jahre in den westlichen Demokratien eine SelbstverstĂ€ndlichkeit seien. Weder die Politik, noch die Kirchen hĂ€tten ein Interesse daran, den Abtreibungsparagraphen 218 StGB auf die Tagesordnung zurĂŒckzuholen. Dabei habe das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil vom 28. Mai 1993 ausdrĂŒcklich festgestellt, daß das Grundgesetz den Staat auch auf den Schutz des ungeborenen Lebens verpflichte. Dies sei auch in der Rechtsordnung zu gewĂ€hrleisten, und zwar nicht nur abstrakt, sondern auch konkret fĂŒr jedes einzelne Ungeborene. Die jetzige Rechtslage, so der Referent, verstoße daher gegen die WĂŒrde des Menschen (Art. 1 I GG) und gegen das Recht auf Leben (Art 2 I GG).

Aus der Beratungspraxis berichtete Klafka, daß eine Schwangerschaft bei unsicheren Frauen zu einer Denkblockade fĂŒhre. Es entwickle sich die Haltung „Augen zu und durch
 [die Abtreibungsprozedur]“. Mitarbeiter von Beratungsstellen berichten immer wieder, daß Studium/Ausbildung, Geldsorgen und die ablehnende Haltung des Kindsvaters die grĂ¶ĂŸten Sorgen seien. Dominierender Grund der Entscheidung sei jedoch die Angst, keine Karriere machen zu können. Dies seien aber alles lösbare Probleme, die eine Abtreibung nicht rechtfertigen. Er hĂ€lt es fĂŒr erwiesen, daß Frauen, denen man in der Beratung die Lösungswege konkret aufzeigt, sich fĂŒr das Kind entscheiden.

Überhaupt sei eine Abtreibung eine zu kurz gedachte Problemlösung. Mitarbeiter von Beratungsstellen hĂ€tten berichtet, daß der Schwangerschaftsabbruch im Nachhinein von der Frau als persönliches Scheitern empfunden werden könne. Viel schlimmer sei jedoch das „Post-Abortion-Syndrom“: Zum errechneten Geburtstag des Kindes können Jahresreaktionen auftreten (ZuhĂ€ngen von Spiegeln, Panik durch StaubsaugergerĂ€usche oder den Anblick von Kinderwagen usw.).

Der Medizinjournalist verurteilte aufs SchĂ€rfste, daß die gesamte gynĂ€kologische Ausbildung auf eine Billigung der Abtreibung ausgerichtet sei. Ein Medizinstudent, der keine Abtreibung vornehmen möchte, könne sein Studium heute nicht mehr beenden. Schon die Stellenausschreibungen fĂŒr GynĂ€kologen seien darauf ausgerichtet, daß man sich dieser Praxis nicht entziehen könne.

Auch die Abtreibungsdiskussion sei immer nur auf ExtremfĂ€lle ausgerichtet, die das Klima bestimmen, aber gar nicht die Regel darstellen wĂŒrden. So seien im Jahr 2008 21 Kinder, die infolge einer Vergewaltigung gezeugt wurden, offizieller Abtreibungsgrund gewesen; ein Ă€ußerst geringer Anteil der vom Statistischen Bundesamt fĂŒr 2008 in Deutschland registrierten 114.484 SchwangerschaftsabbrĂŒche. Klafka meint, daß die Dunkelziffer etwa doppelt so hoch war, was sich unter anderem aus Berichten der Krankenkassen folgern lasse.

Rainer Klafka distanzierte sich ausdrĂŒcklich von einer positiven Bevölkerungspolitik. Das heißt, auch die Behinderung eines Kindes sei fĂŒr ihn kein Abtreibungsgrund. Wohin der menschliche Drang fĂŒhre, ĂŒber Wert und Unwert eines Lebens entscheiden zu wollen, zeige der Vormarsch der aktiven Sterbehilfe. In den Niederlanden sei sie seit 2002 legal, in England ist sie geplant. Es finde mittlerweile eine Entsorgung von sozialen Lasten statt, die mit der AbtreibungsmentalitĂ€t begonnen habe und nun jeden von uns noch im Alter treffen könnte. Insofern solle sich jeder gut ĂŒberlegen, mit welchen GrĂŒnden er einem Embryo das Lebensrecht absprechen wolle.

FĂŒr die Zukunft plĂ€dierte Klafka fĂŒr „Lebensschutz vom Anfang bis zum Ende“. Noch sei die Lebensschutzbewegung in Deutschland zwar schwach. Vor allem fehle ihr ein AushĂ€ngeschild aus dem öffentlichen Leben. Außerdem sei wegen der bunten Zusammensetzung der Aktivisten noch kein gemeinsames Grundziel formuliert worden, das man gemeinsam erreichen wolle und könne. Doch Bilder aus den USA, wo bis zu 80.000 Menschen an LebensschutzmĂ€rschen teilnehmen, machen dem Referenten Hoffnung.

Die nach dem Vortrag einsetzende Diskussion kann hier leider nicht wiedergegeben werden. Sie war sehr kontrovers. Es meldete sich z.B. ein Notfallarzt zu Wort, der darauf hinwies, daß sein Alltag nicht nur aus einfachen „Ja- und Nein“-Antworten bestehe, wenn es um Leben und Tod ginge.

Gedenkplatte am Hotel Schöne Aussicht

Gedenkplatte am Hotel Schöne Aussicht

GelÀhmte Riesen?

Den zweiten Vortrag des 26. September hielt Dr. med. Götz Fenske. Sein Thema lautete „Naturschutz: GelĂ€hmte Riesen? Die großen NaturschutzverbĂ€nde im Streit um eine ökologisch orientierte Politik“. Fenske ist seit ĂŒber 50 Jahren im Naturschutz aktiv. So ĂŒberraschte es nicht, daß er auch außerhalb seines Vortrages immer wieder die Veranstaltung mit hochinteressanten WortbeitrĂ€gen bereicherte.

Der Referent holte in seinem historischen Überblick ĂŒber die Geschichte des Umweltschutzes in Deutschland weit aus und verwies auf die Romantik als Wurzel der Ökologie. Seit etwa 100 Jahren hĂ€tten sich dann zunĂ€chst kleine, schließlich immer grĂ¶ĂŸer werdende VerbĂ€nde zum Schutze von Tier- und Pflanzenwelt gegrĂŒndet. Erhaltenswert galt vorwiegend, was als „schön“ empfunden wurde, womit Dr. Fenske schließlich tief einstieg in den geistesgeschichtlichen Hintergrund des Umweltschutzes. Die Schilderungen können hier leider aus PlatzgrĂŒnden nicht angemessen vertieft werden.

Zur heutigen Lage meint Dr. Fenske: Die großen UmweltverbĂ€nde stĂŒnden vor einer besonderen Problemaufschaukelung: Der RĂŒckzug der Menschen aus dem Ehrenamt lasse die riesigen VerbĂ€nde einerseits zu Riesen auf tönernen FĂŒĂŸen werden. Profis mĂŒĂŸten diese Arbeit daher zunehmend wie einen Beruf ausĂŒben. Andererseits verwenden Profis aber zwangslĂ€ufig eine volksferne Sprache, die den BĂŒrger zusĂ€tzlich von der Arbeit der VerbĂ€nde entfremde. Als Beispiel wurde hier der neue Modebegriff „BiodiversitĂ€t“ genannt, der bei Profis nichts anderes als den Begriff Naturschutz ersetze.

Aber nicht nur hier sei der aktive (bzw. nicht mehr so aktive) BĂŒrger das Problem. Es fehle schon die Möglichkeit, die den BĂŒrger fĂŒr Zukunftsprobleme zu sensibilisieren. Der technische Forstschritt habe dazu gefĂŒhrt, daß wir unser Leben immer weniger selbst gestalten könnten. Am extremsten zeige sich dies darin, daß wir sogar fĂŒr die Gestaltung unserer Freizeit Geld benötigen. Es sei dadurch eine totale AbhĂ€ngigkeit entstanden, die einen Menschen hilflos mache, sobald er ohne Geld in den HĂ€nden dastĂŒnde. Der tiefgreifende Wertewandel unserer Zeit sei dieser „ökonomischen Schreckstarre“ geschuldet. Konsum habe den Lebenssinn ersetzt. Niemand könne oder wolle sich noch etwas vorstellen unter Problemen, die uns im Jahre 2030 oder 2100 treffen werden. Daher habe der Naturschutz heute weniger Chancen denn je.

Dr. Fenske fand sich mit diesem RĂŒckzugsgefecht aber nicht ab: „All das entbindet uns nicht von der Pflicht, fĂŒr die Wende zu kĂ€mpfen – weil es keine Alternative gibt.“ FĂŒr ihn liege es klar auf der Hand, daß Großprojekte im Umweltschutz keine Massen mehr mobilisieren. Kleine Initiativen vor Ort der jeweils Betroffenen hĂ€tten einen weitaus grĂ¶ĂŸeren Zulauf und eine höhere Schlagkraft. Dies ließe sich schon psychologisch begrĂŒnden: Wer selbst betroffen ist, kĂ€mpft engagierter; immer! Wenn z.B. der BUND mit etwa 5 Millionen Mitgliedern einen Aktionstag veranstalte, kĂ€men vielleicht 300 Leute. Genau so viele Leute kĂ€men aber auch in einem Dorf zusammen, das sich gegen eine Autobahn oder eine Mastanlage wehre. Diese kleinen Initiativen gelte es daher zu begrĂŒnden und zu fördern. Hier könnten die großen UmweltverbĂ€nde höchstens flankierend eingreifen.

WaldgÀnger

40 Jahre alter Eichenbestand bei Bischbrunn

40 Jahre alter Eichenbestand bei Bischbrunn

Nach dem Mittagessen ging es bei heißstrahlender Herbstsonne auf eine dreistĂŒndige Wanderung in den Hochspessart. In Bischbrunn ĂŒbernahm ein Beamter der (mittlerweile privatisierten) bayerischen Forstverwaltung die FĂŒhrung der Gruppe.
Von den 17.500 Hektar WaldflĂ€che sind 5 % EichenbestĂ€nde. WĂ€hrend sich die BuchenwĂ€lder natĂŒrlich verjĂŒngen, mĂŒssen die EichenbestĂ€nde durch Aussaat erhalten und besonders geschĂŒtzt werden. Im natĂŒrlichen Wettbewerb wĂŒrde die Buche die Eiche verdrĂ€ngen. Zudem gelte es, die Eichen(-aussaat) z.B. vor Wildscheinen zu schĂŒtzen. Die EichenbestĂ€nde im Spessartgebiet sind bis ĂŒber 300 Jahre alt. BegĂŒnstigt wurde diese Lage dadurch, daß das Gebiet dem Adel einst nur zur Jagd diente und nicht zur Holzgewinnung.

Rot- und Schwarzwild sind in diesem Waldgebiet ebenso zu finden wie vor etwa 20 Jahren dort ausgewilderte Wildkatzen. Auch zwei Luchse seien mittlerweile gesichtet worden. Der Forstbeamte hĂ€lt es zudem fĂŒr wahrscheinlich, daß in Zukunft die ersten Wölfe aus der Lausitz folgen werden. Besonders wichtig sei der Wald fĂŒr Tierarten, die auf alte BĂ€ume angewiesen seien, wie z.B. bestimmte Fledermausarten oder Spechte. Als besonders schutzbedĂŒrftige Tierarten im Spessart gĂ€be es zudem den Schwarzstorch und die einzige baumnistende Mauerschwalbenkolonie Deutschlands.

Die Zeit im Walde verging wie im Fluge. Zwischen den KurzvortrÀgen und Diskussionen konnte man sich mit Bucheckern und Brombeeren vom Wegesrand versorgen.

Der Mensch als Psychopath

Nachdem ĂŒber Lebensschutz und die großen UmweltverbĂ€nde ausgiebig gesprochen wurde, brach am 27. September der letzte Vortrag eine Lanze fĂŒr den Tierschutz. Der TierschĂŒtzer Peter Arras sprach zum Thema „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Über die psychischen Ursachen des paradoxen VerhĂ€ltnisses der Menschen zu ihren Mitlebewesen“. Arras ist BegrĂŒnder der „Aktion Konsequenter Tierschutz“ (AKT) und des „Institut fĂŒr Mitweltethik und ethologische Psychologie“. Er ist seit ĂŒber 30 Jahren aktiver TierschĂŒtzer, betreibt eine Auffangstation fĂŒr Exoten und Wildtiere und wurde dafĂŒr in seinem Heimatort mit einem Preis ausgezeichnet.

Peters Arras „enttĂ€uschte“ seine Zuhörer zu Beginn des Vortrages mit der Mitteilung, daß er nicht ĂŒber Tierschutz reden wolle. Die weltweite Ausbeutung und Vernichtung der Tiere durch den Menschen sei allgemein bekannt. Er wĂŒrdigte Dr. Herbert Gruhl als einen der „allerersten Politiker, die das volle Ausmaß dessen erfaßten, was man die systematische PlĂŒnderung eines Planeten nennt“. Arras wollte nicht zeigen, was der Mensch mache, sondern weshalb er es mache. Vorweg schob er daher die Ablehnung des Begriffes Umwelt. Die Welt um uns herum sei unsere Mitwelt, so wie die Menschen um uns herum Mitmenschen.

Sehr ausfĂŒhrlich und hier nur vereinfacht wiedergegeben sieht Arras das herrische und vernichtende Verhalten des Menschen gegenĂŒber seiner Mitwelt als das Resultat der menschlichen Vergangenheit. Der Mensch sei im Gegensatz zu Tieren körperlich einer feindlichen Umgebung schutzlos ausgeliefert gewesen; zum Überleben untauglich. Dem Tier voraus habe er nur die Vernunft und die Phantasie. Die aus seiner Schutzlosigkeit resultierende Angst um sein Bestehen in der Welt, habe ihn erfinderisch gemacht und so im Überlebenskampf ĂŒber das Tier gehoben. Heute mĂŒsse der Mensch sich nicht mehr im Überlebenskampf mit dem Tier messen, habe aber seine angstverursachten Verhaltensweisen beibehalten. Da den Menschen keine Not zu einer erneuten VerhaltensĂ€nderung zwinge, sei er in diesem Stadium verblieben: „Die Weitergabe unserer immanenten Angst vor Tieren und Natur, den Unbilden, die wir in der PrĂ€historie erleben mußten, und die sich noch heute in diversen Phobien vor bestimmten Tieren, Gewittern, der Dunkelheit etc. widerspiegeln, macht uns noch heute unbewußt vor, daß wir noch immer gegen die Mitwelt und ihre Wesen Angst haben und kĂ€mpfen mĂŒĂŸten.“

Das heutige Verhalten der Menschen erklĂ€rt der Referent schließlich mit interessanten und gut begrĂŒndeten psychologischen Herleitungen und vergleicht ihn mit einem Psychopathen und dessen Verhalternsweisen gegen seine Opfer. „Die Menschheit verhĂ€lt sich gegenĂŒber der Mitwelt psychopathisch, narzißtisch und bezĂŒglich der fatalen Folgen ihres Tuns autistisch. Der Homo sapiens, wie wir uns selbstgefĂ€llig bezeichnen, also der weise bzw. wissende Mensch, ist außer Stande, seinem Wissen gemĂ€ĂŸ zu handeln. Er weiß alles, aber er hat nichts begriffen“.

Die „Psychosafari“, auf die der Referent sodann die VortragsgĂ€ste mitnahm, ist zu tiefgehend und detailliert, als daß sie hier angemessen dargestellt werden könnte. Die psychologische Kritik am Menschen greift letztlich aus in einen Rundumschlag gegen die bereitwillige SelbstentmĂŒndigung des Einzelnen, den sozialen Zersetzungsprozeß und die kapitalistische Ausbeutungsideologie, die alle Existenz dem Gelde unterordne.

Peter Arras rief abschließend zu einem Neuanfang auf, der zu einer Welt fĂŒhren solle, die es wieder verdient habe, daß Leben in sie hineingeboren werde. Der Mensch mĂŒsse sich als Wesen höher entwickeln und zu einer neuen Ehrfurcht vor dem Leben finden. Der Mensch mĂŒsse begreifen, daß er nicht mehr in der Steinzeit lebe und seine Mitwelt ihm nicht mehr der tödliche Feind von einst sei.

Man mußte Arras nicht in jedem Detail zustimmen. GrundsĂ€tzlich traf seine Fundamentalkritik aber den Kern der heutigen Probleme des Menschen und des Tierschutzes. Peter Arras’ wirklich lesenwerter Vortragstext kann gegen Spende als geheftete BroschĂŒre angefordert werden. Kontaktdaten siehe unten!

Mit diesem Vortrag endete die Tagung der „Herbert-Gruhl-Gesellschaft“. Die Teilnehmer dĂŒrften ein harmonisches, familiĂ€res und mit vielen Informationen und DenkanstĂ¶ĂŸen befruchtendes Wochenende erleben.

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Umwelt & Aktiv Ausgabe 4-2009 – Auf der Suche nach der Ehrfurcht vor dem Leben

Autor: Robert Blum
Dieser Artikel erschien in der Umwelt & Aktiv Ausgabe 4-2009

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Datum
20.12.2010

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