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Bikin-Region: Nationalpark für indigene Bevölkerung!

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Der Urwald ruft

 

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth und der russische Umweltminister Sergej Donskoj bekräftigten in Moskau diese Woche mit einer gemeinsamen Erklärung, die Zusammenarbeit im Klima- und Naturschutz fortsetzen zu wollen. Anlaß war der Abschluß eines erfolgreichen Projekts in der Bikin-Region, in der – durch die beiden Länderministerien beauftragt – der WWF gemeinsam mit der KfW über die vergangenen sieben Jahre aktiv war, um die letzten unberührten Urwälder Rußlands als Lebensraum auch für die indigene Bevölkerung vor zumeist illegaler Abholzung zu schützen. Rußlands Präsident Wladimir Putin erklärte besagte Region aufgrund seiner besonderen Bedeutung zum Nationalpark. Der neu entstehende Nationalpark im Westen des Sichote-Gebirges umfaßt laut WWF das einzige bewaldete Flußbecken der gemäßigten Breiten, das noch nie einem Holzeinschlag zum Opfer fiel und ist unter anderem Rückzugsort für die bedrohten Amur-Tiger. Die Bedeutung der Region wurde bereits 2010 von internationalen Experten bestätigt und in die vorläufige Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten Rußlands aufgenommen.

Zur Finanzierung der Schutzmaßnahmen entwickelte man verschiedene innovative Finanzierungsansätze, wie beispielsweise den von „Umwelt & Aktiv“ stets geforderten regionalökonomischen Ansatz der Produktion und des Verkaufs lokaler, nachhaltiger Produkte durch die indigene Bevölkerung. Mitunter durch diese Erlöse ist zum einen der Schutz des Gebietes langfristig zu sichern, sowie das Projekt exemplarisch aufzeigt, daß Wald- und Klimaschutz zugleich wirtschaftlich tragfähig sein können. Hinsichtlich dem letztgenannten Aspekt sei auf eine jüngste Dissertation von Dr. Marius Mayer verwiesen, der am Beispiel des durch das seinerzeitige Engagement der Nationaldemokraten entstandenen Nationalparks Bayerischer Wald untersuchte, wie sich unter ökonomischen Gesichtspunkten die Kosten-Nutzen-Bilanz eines Nationalparks darstellt. In den überwiegend durchgerechneten Szenarien ließ sich nachweisen, daß ein Nationalpark keine volkswirtschaftlich nachteiligere Landnutzungsform darstellt, wobei der Anteil der touristischen Wertschöpfung keineswegs dominiert, sondern eine breite Schwankung von 5 % bis 50 % aufweist.

Auf das Bikin-Projekt bezogen äußerte Staatssekretär Flasbarth, daß dies ein herausragendes Beispiel dafür sei, wie sich Klimaschutz, Biodiversitätserhalt und die Unterstützung indigener Bevölkerungsgruppen miteinander verbinden ließen. „Umwelt & Aktiv“ stellt – nicht zuletzt mit Blick auf die seit 2008 etwa 18 Mio. € seitens Deutschland bereitgestellter Mittel für Waldschutzprojekte in Rußland – fest, daß zum einen deutsches Geld schon wesentlich sinnloser ausgegeben wurde, und sich hoffentlich nach diesem Projekt langsam auch ein Bewußtsein für den Wert einer indigenen Bevölkerung in ihrem angestammten Lebensraum durchsetzt. Dies wird schließlich hierzulande immer aktueller!

Gerhard Keil

 

Bildquelle: 722812_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de

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Datum
18.02.2016

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