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Die Intelligenz und ihre Feinde

buch-weissAufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft

100 Jahre vor der Schrumpfung eines Volkes schwindet seine geistige Schöpferkraft!

Die ĂŒber 400 Seiten des Buches „Die Intelligenz und ihre Feinde – Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft“ sind derart vollgestopft mit Informationen und VerknĂŒpfungen von ZusammenhĂ€ngen, daß der Leser schnell vergessen kann, vor welchem Hintergrund Dr. Dr. Volkmar Weiss dieses Buch verfaßt hat. Anlaß dieser Analyse ist das kommende „große Chaos“ unserer Gesellschaft, das er herannahen sieht:

I. Uns schwinden die gĂŒnstigen Ener-giequellen, auf denen unsere Gesellschaft fußt;

II. uns fehlen zunehmend die hochbegabten Köpfe, die an der Lösung dieser energetischen Probleme arbeiten könnten;

III. der ausgeuferte Sozialstaat fördert Unterdurchschnitt und Mittelmaß – wenn er eines Tages nicht mehr finanziert werden kann, lassen sich die hungrigen und wohl auch etwas verwöhnten Massen nicht mehr still bzw. in Schach halten.

Bestimmte GesetzmĂ€ĂŸigkeiten betrachtet Weiss als unumgĂ€nglich:

Den Zyklus politischer Systeme einerseits.
So könne der kritische Wissenschaftler „die Demokratie [als] nichts anderes als [
] eine Stufe in einem gesetzmĂ€ĂŸigen Kreislauf“ sehen. Es ist nicht so, daß Weiss etwas gegen die Demokratie hĂ€tte. Er sieht nur die AbwĂ€rtsspirale, die uns in Unruhen und totalitaristische Systeme zurĂŒckversetzen wird. Denkbar, daß uns in dem kommenden Chaos angesichts des heutigen Zeitgeistes ein neuer Sozialismus als Durchlauferhitzer zum Kommunismus bevorsteht. Dies sei aber ein Kommunismus kollektiver Armut. Denn ihm geht erstens ein Zusammenbruch voraus und zweitens verachtet der Kommunismus im Gegensatz zum Sozialismus jegliche Leistungsbereitschaft als anti-egalitĂ€r. Die ausbleibende Überflußgesellschaft, von der Kommunisten bisher trĂ€umen, wird nur durch stramme ZĂŒgel gefĂŒhrt werden können. Dennoch hĂ€lt Weiss einen dauerhaften kommunistischen Weltstaat fĂŒr wenig wahrscheinlich, denn: „Die Verteuerung der Energie wird nĂ€mlich jede Kommunikation, allen Handel und jede VerwaltungstĂ€tigkeit ĂŒber grĂ¶ĂŸere Entfernungen verteuern, erschweren oder ganz unmöglich machen […]“ FĂŒr wahrscheinlicher hĂ€lt Weiss daher „in weiten Teilen der Welt de[n] Zerfall der grĂ¶ĂŸeren Machtbereiche in örtliche und landschaftsgebundene Einheiten“, in denen sich religiöse Phantasien austoben und Banden um Macht kĂ€mpfen. Es droht die Gefahr einer „große[n] Zahl sich gegenseitig bekĂ€mpfender NeuanfĂ€nge auf schmaler energetischer Basis“. Es lasse sich nicht sagen, ob diese kleinen Gemeinschaften innerlich bĂŒrgerlich-freiheitlich oder autoritĂ€r aufgestellt sein werden.

Die Grundstruktur der Gesellschaft andererseits.
Weiss lĂ€ĂŸt George Orwell sprechen, der feststellte, daß sich die gesellschaftliche Grundstruktur in der Menschheitsgeschichte nie geĂ€ndert habe. „Selbst nach ungeheuren UmwĂ€lzungen und scheinbar unwiderruflichen VerĂ€nderungen stellte sich das gleiche Muster wieder her“: Es gibt die Oberen, die Mittleren und die Unteren.
Weiss sichert seine Zukunftsprognose fĂŒr das „große Chaos“ quellenmĂ€ĂŸig gut ab. Über 1.300 Einzelnachweise umfaßt das Literaturverzeichnis. Auf Anfrage gab Weiss an, daß tatsĂ€chlich jedoch aus etwa 20.000 Arbeiten Material zitiert wird.

I. Energiekosten – Faktor
von Aufstieg und Niedergang

Doch woher nimmt Weiss die dĂŒsteren Aussichten? Als besonders wichtig erachte ich hier vor allem das dritte Kapitel des Buches: „Die Energiekosten bestimmen die Wirtschaftskraft und die Bevölkerungszahl“. Gerade aus Sicht eines ökologisch interessierten Publikums sind die dort belegten ZusammenhĂ€nge Ă€ußerst interessant. Und im Ergebnis steht Weiss der Ökologie mit seiner Analyse und seinen MeinungsĂ€ußerungen weit nĂ€her, als er vielleicht selbst glauben mag. Seine Abneigung gegen „Klimahysteriker“ und Gentechnikgegner Ă€ndert das ganz und gar nicht. Messerscharf hat er die Lage erkannt: „Die Energiekosten waren stets der schrittbegren-zende Hauptfaktor aller Entwicklung und bleiben es auch in Zukunft.“

Einst gab es natĂŒrliche Grenzen dafĂŒr, wie viele Menschen dieser Planet versorgen kann. WassermĂŒhlen und das Transportwesen im Mittelalter setzten diese Gesetze nicht außer Kraft. Eindrucksvoll schildert Weiss die Wechselwirkung zwischen den „neuen“ Energien der industriellen Revolution und wie ihre Ausbeutung die Naturgesetze aufhob. Zuerst war es die billige und schier endlos vorhandene Kohle, danach das Erdöl. Weiss zeigt unter anderem, wie sich zwischen 1900 und heute die Weltproduktion an Erdöl parallel zur Zahl der Weltbevölkerung steigerte – oder umgekehrt! Die billige Energie konnte immer mehr Menschen ein Leben ermöglichen. KunstdĂŒnger zur Vervielfachung der Lebensmittelproduktion sind hierbei nur einer der wichtigsten Faktoren. Nun sind die Menschen da, werden immer mehr – aber die Energie wird immer teurer. Die Erschließung neuer Energiequellen Ă€ndert das nicht, denn nicht jeder kann sie sich leisten und sie gehen oft einher mit der Vernichtung oder Verschmutzung von AnbauflĂ€chen fĂŒr Nahrung. Alles wird teurer. Es kann sich nicht mehr jeder Energie und Nahrung leisten. Die ersten Vorboten spĂŒren wir heute bereits. In armen LĂ€ndern stĂ€rker als in reichen (Umwelt & Aktiv berichtete mehrfach dazu).

Daß Kohle und Erdöl nicht unendlich zur VerfĂŒgung stehen, ist kein links-grĂŒnes Hirngespinst. Jeder Verfechter des „endlosen, unverzichtbaren Wirtschaftswachstums“ muß das wissen. Es ist Weiss’ gro-ßer Verdienst, daß er in diesem Buch historische Stimmen zu Wort kommen lĂ€ĂŸt, die schon im 19. Jahrhundert vor dem Versiegen der billigen Energie warnten. So schrieb bereits im Jahr 1865 der britische Volkswirtschaftler William Stanley Jevons in einer Untersuchung: „Bedeutenden Geologen ist schon seit langem schmerzhaft bewußt, daß die VorrĂ€te des wichtigsten Bodenschatzes, auf denen unser Wohlstand beruht, begrenzt sind. Und obwohl andere es fĂŒr richtig gefunden haben, in der Öffentlichkeit zu behaupten, daß alle Vorahnungen einer Erschöpfung grundlos und absurd sind 
 haben manche sich ernsthaft mit der Sache befaßt.“ Ist es nicht schade, daß unsere Diskussion 150 Jahre spĂ€ter noch immer an diesem Punkt steht? Daß noch immer viel zu viele, vor allem „Rechte“ und „Konservative“ meinen, wir könnten ewig weiter wirtschaften wie heute? Weiss zitiert sogar Stimmen aus dem spĂ€ten 18. Jahrhundert, daß steigende Förderzahlen die VorrĂ€te erschöpfen werden, egal wie groß sie sind.

Ressourcenerschöpfung steht kurz bevor

Solche Warner lagen richtig. Großbritannien erreichte sein Kohleförderungsmaximum („peak coal“) im Jahr 1913, die USA werden das Fördermaximum fĂŒr minderwertige Kohle im Jahr 2032 erreichen (fĂŒr hochwertige Kohle schon 1917 ĂŒberschritten); in Europa werden die KohlelagerstĂ€tten im Jahr 2042 zu 90 Prozent erschöpft sein, in China ebenso im Jahr 2044. Die Leser mittleren Alters werden das noch erleben.

SelbstverstĂ€ndlich wußte Jevons 1865 noch nichts davon, daß der Erschöpfung der Kohle die Ausbeutung des Erdöls folgen wird. Aber dem „peak coal“ folgte auch der „peak oil“. FĂŒr das Öl gelten dieselben Gesetze: Es wird nicht ewig reichen und lange vor dem Endpunkt immer teurer werden. Das Ölfördermaximum erreichten die USA, wie durch den berĂŒhmten Marion King Hubbert vorausgesagt wurde, im Jahre 1970. Ob nun Hubberts weltweiter „peak oil“ bereits 2005, 2010 oder noch gar nicht eingetreten ist, hĂ€lt Volkmar Weiss zu Recht fĂŒr unerheblich, denn: „Entscheidend ist, daß wir uns mit der Ölförderung unwiderruflich auf dem absteigenden Ast befinden, beim Ölpreis hingegen schon kurzfristig und langfristig um so mehr auf dem ansteigenden. [
] Die Gewinnung der zweiten HĂ€lfte der WelterdölvorrĂ€te ist weit kostspieliger als die der ersten.“

„2006 waren bereits 40 Prozent aller WeltvorrĂ€te an Kohle, Erdöl und Erdgas verbraucht“, stellt Weiss fest. In einem Zeitraum von gut 200 Jahren und wir wachsen und wachsen immer weiter, werden immer mehr Menschen! Der Wissenschaftler hĂ€lt die dĂŒsteren Vorhersagen des Club of Rome ĂŒber „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 fĂŒr weitgehend korrekt. Eine klare Absage erteilt er jenen Stimmen, die darauf verweisen, die Prognosen hĂ€tten sich doch nie verwirklicht: „Falsch, denn der Prognosehorizont liegt noch vor uns“ Die Voraussagen waren fĂŒr 100 Jahre getroffen worden. Der Zeitraum endet somit etwa im Jahre 2070. Bis dahin hĂ€lt auch Weiss das „große Chaos“ fĂŒr eingetroffen; den Beginn des Zusammenbruchs der Weltwirtschaft dĂŒrften wir ab 2030 erleben. Die Party geht zu Ende! Es folgt das Zeitalter der Handarbeit.

Schiefergas und „erneuerbare Ener-gien“ sieht Weiss als Hoffnungsschimmer. Aber es mĂŒĂŸte auch unser Verbrauch eingeschrĂ€nkt und das Bevölkerungswachstum abgeschwĂ€cht werden. Zahlreiche Einschnitte in die individuelle Entscheidungsfreiheit wĂ€ren von Nöten. Eine Option, die Weiss nach seinem Leben in der DDR nicht gefĂ€llt. Volkmar WeissÂŽ Analyse ist schon fĂŒr sich bis hierher eine absolute PflichtlektĂŒre.

II. Intelligenz – Vererblichkeit und Einfluß

Nun ist es so, daß Volkmar Weiss einer besseren Zukunftsprognose nicht abgeneigt ist. Aber große Herausforderungen brauchen kluge Köpfe. An denen wird es uns in Zukunft mehr und mehr fehlen. Da die Intelligenzforschung die Berufung von Volkmar Weiss ist, ist es nicht ĂŒberraschend, daß er sich vorwiegend mit der Vererblichkeit von Intelligenz beschĂ€ftigt und mit der Politik, die es brĂ€uchte, um eine entsprechende „BevölkerungsqualitĂ€t“ mit einem gesunden Kern Hochbegabter zu erreichen.

Zugegeben ist dies das schwierigste Thema in „Die Intelligenz und ihre Feinde“. Nicht weil es politisch nicht gerne gesehen wird, sondern fachlich schwer zu verstehen. FĂŒr den Laien ist das Statistik und Naturwissenschaft am Hochreck. Weiss selbst verweist an einigen Stellen darauf, daß manche AusfĂŒhrungen nur mit speziellem Fachwissen verstanden werden können. Es sind diese Abhandlungen und Nachweise, die Thilo Sarrazin in „Deutschland schafft sich ab“ herunterbrechen, dabei wohl auch falsch wiedergeben oder gleich ganz weglassen mußte, damit sein Buch massentauglich werden konnte.

Weiss arbeitet heraus, wie sich die Intelligenz im Zuge der Industrialisierung hocharbeiten konnte und schon in den lĂ€ndlichen Dorfgemeinschaften durchsetzte. Untersuchungen beweisen, daß die Oberen lĂ€ndlicher Gemeinschaften sich durch höhere Intelligenz auszeichneten. Es wĂ€re daher zu kurz gegriffen, in antikapitalistischer Manier nur den Zusammenhang von Herrschaft und Kapital zu sehen; denn beides hĂ€ngt mit der Denkkraft der Menschen zusammen. Weiss zeigt ferner, daß die „Dorfeliten“ aufgrund dieser höheren LeistungsfĂ€higkeit auch im Zuge der VerstĂ€dterung zu höherem Erfolg in den StĂ€dten gelangten.

Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse von Schulnotenuntersuchungen einiger Dörfer aus den letzten beiden Jahrhunderten. Sie zeigen erstens, daß gute Schulnoten durchaus innerhalb einer Familie kennzeichnend sind, umgekehrt auch schlechte Schulnoten sich einzelnen Familien zuordnen lassen. Zweitens zeigten sich die guten Noten eher bei den höheren Schichten (Großbauern) und schlechte bei den niederen Schichten des Dorfes. Drittens fĂŒhrten gute und sehr gute Schulnoten in den leistungsstarken Familien nachweislich zu einer Abwanderung, um anderenorts als LeistungstrĂ€ger Karriere zu machen. Wir kennen das PhĂ€nomen auch heute nur allzu gut: Die Spitzenwissenschaftler zieht es in die Ferne; Studenten verlassen den Herkunftsort ihrer Familie eher als Kinder, die in einfachen Ausbildungsberufen verbleiben. Auch hier ist Weiss’ Buch Ă€ußerst erhellend, da man die Abwanderung von LeistungstrĂ€gern sicherlich nicht schon in den Dörfern des bĂ€uerlich geprĂ€gten 18. und 19. Jahrhundert vermutet hĂ€tte.

Die oben beschriebenen Mechanismen bedingten auch das Heiratsverhalten. Man blieb unter Seinesgleichen, heiratete jedoch durchaus auch eine Schicht höher oder tiefer. Der heiratsbedingte Auf- oder Abstieg vollzog sich jedoch stets nur zwischen Ober- und Mittelschicht bzw. Mittel- und Unterschicht. Das heißt, der Aufstieg von ganz unten nach ganz oben und umgekehrt bedurfte in der Regel zweier Generationen – war aber in beide Richtungen möglich.

FĂŒr das 20. und 21. Jahrhundert stellt Volkmar Weiss eine ganze Reihe aufschlußreicher Untersuchungen vor, aus denen hervorgeht, daß LeistungstrĂ€ger von hoher allgemeiner Denkkraft (Intelligenz) auf den IQ ihrer Eltern bauen können und das ihrerseits an ihre Kinder weitergeben. Sie einzeln wiederzugeben, wĂŒrde den Rahmen sprengen. Es verbleibt nach der LektĂŒre dieser AusfĂŒhrungen jedoch keinerlei Zweifel, daß die Kinder von Spitzenleuten aus Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Politik selbst die besten Erbanlagen fĂŒr eigene LeistungsfĂ€higkeit erhalten und dies an ihre Kinder weitergeben. Dies jedoch mit abnehmender Tendenz: Je weiter entfernt der Verwandtschaftsgrad von Familienmitgliedern eines Hochintelligenten ist, desto eher nĂ€hert sich die Denkkraft des Verwandten wieder der Durchschnittsbevölkerung an.

Es ist jedoch alles zudem eine Frage des Milieus. Erbanlagen gilt es auszuformen und hier haben Kinder mit hochintelligenten Eltern natĂŒrlich den Vorteil, daß sie von vornherein in die Leistungsberufe ihrer Eltern Einblick haben; viele Anforderungen werden fĂŒr sie keine HĂŒrde sein, weil sie diese von jeher kennen.

Dem Aufschrei der Gutmenschen angesichts solcher Forschungsergebnisse ist entgegenzuhalten, daß hier nicht von einer unĂŒberwindbaren Determination die Rede ist. Im Gegenteil! Der Bergmannsohn kann ein sehr gutes Abitur machen und ein erfolgreiches BWL- oder Jura-Studium abschließen. Wer aber ĂŒber einen guten Hauptschulabschluß nicht hinauskommt, wird nicht dadurch Atomphysiker, daß ihm eine politisch korrekte Bildungspolitik ĂŒber die Gesamtschule doch noch irgendwie ein Abitur zuschustert. Weiss erörtert in diesem Zusammenhang, daß das klassische dreigliedrige Schulsystem den Erkenntnissen der Intelligenzforschung am ehesten entspricht. Diese bildungspolitischen Ableitungen dĂŒrften dem „Establishment“ nicht schmecken. Der unverblĂŒmt ehrliche Forscher spricht aus, was viele erahnen: Mehr Abiturienten haben nicht mehr Hochbegabte und potentielle LeistungstrĂ€ger hervorgebracht. VergrĂ¶ĂŸert hat sich hierdurch höchstens das Heer unterdurchschnittlich bis durchschnittlich intelligenter Soziologen, deren gesellschaftlicher Einfluß seit den 1970er Jahren Ă€ußerst dominant ist (Weiss’ VerbalprĂŒgel gegen die Soziologie ziehen sich durch das gesamte Buch; ein Hochgenuß fĂŒr jeden, der diese Gruppe studierter Besserwisser nicht abhaben kann).

Um es noch einmal zu betonen: Eine gewisse BevölkerungsqualitĂ€t mit möglichst vielen Hochbegabten bzw. ĂŒberdurchschnittlich Intelligenten erachtet Weiss als unabdingbar fĂŒr das Überleben einer Nation: „Die Macht eines Staates hĂ€ngt nicht nur von seiner Einwohnerzahl ab, sondern auch vom Prozentanteil der intellektuellen Elite, wie er durch die soziale Evolution optimiert worden ist.“ Die folgende Feststellung untermauert dies. Es lĂ€ĂŸt sich durch ein bestimmtes Verfahren, das im Buch auch fĂŒr Laien verstĂ€ndlich beschrieben wird, anhand des durch PISA-Werte zu ermittelnden IQ, dem Anteil der Klugen (IQ ĂŒber 105) an der Bevölkerung und einer Genfrequenz fĂŒr Begabung errechnen, welches theo-retische Bruttoinlandseinkommen pro Kopf ein Land mit traditioneller Marktwirtschaft erreichen kann. Es fĂ€llt auf, daß das theoretische Pro-Kopf-BIP mit dem tatsĂ€chlich erwirtschafteten je Land sehr nahe kommt. Je klĂŒger die Nation, desto höher ihr Pro-Kopf-BIP. Ausreißer gibt es dort, wo z.B. große Rohstoffvorkommen viel Geld ins Land spĂŒlen. Hier kann das Pro-Kopf-BIP trotz niedriger Begabung in der Bevölkerung sehr hoch sein. Versiegen jedoch die Rohstoffquellen, nĂ€hert sich das BIP wieder dem IQ entsprechend an (Beispiel Nauru).

III. Sozialstaat: „ZĂŒchtung der Dummheit“

Daß in Deutschland nichts dafĂŒr getan wird, die BevölkerungsqualitĂ€t zu erhöhen ist unser Problem. Im Gegenteil fĂŒhre der ausgeuferte Sozialstaat dazu, daß die Republik im Mittelmaß versinken und letztlich untergehen wird. Weiss setzt im Jahre 1891 an, als Geringverdiener mit Kindern in Preußen erstmalig von Steuern befreit wurden. Die Feststellung des Humangenetikers dazu hat GeschmĂ€ckle: „An diesem Tag begann die ZĂŒchtung der Dummheit. In der gesamten Menschheitsgeschichte war bis dahin die wirtschaftliche TĂŒchtigkeit der Eltern die Voraussetzung, daß ihre Kinder aufwachsen konnten. Waren ihre Eltern untĂŒchtig, so sollten oder durften sie nicht heiraten; hatten sie dennoch Kinder, so war deren Schicksal meist beklagenswert und ihre Überlebenschance gering.“ Das Ende der StĂ€ndegesellschaft brachte somit nicht nur die Demokratie, sondern auch das Ende der Leistungsgesellschaft durch den Wohlfahrtsstaat und „KinderprĂ€mien fĂŒr Habenichtse“. Es fĂ€llt mir nach wie vor schwer, solche SĂ€tze zu unterschreiben. Aber es stimmt doch, wenn Weiss schreibt, daß man mit vielen Kindern heute unter UmstĂ€nden besser von Sozialhilfe lebt, als mit wenigen Kindern ehrlich zu arbeiten.

Hier sollte man aber nicht verschweigen, wie es kommt, daß einfache Arbeiten heute nicht mehr „gerecht“ entlohnt werden und man statt dessen billige, sklavenĂ€hnliche Arbeiter aus dem Ausland holt, die zusĂ€tzlich die Löhne drĂŒcken. Wo der Stundenlohn fĂŒr ehrliche, harte und sinnvolle Arbeit ĂŒber Sozialhilfeniveau kaum herauskommt, hĂ€lt man niemanden zu eigener Leistung an. Was den Arbeitern die „prekĂ€re BeschĂ€ftigung“ ist, ist den jungen Akademikern das Problem der „Generation Praktikum“. Der deutsche Ingenieur muß nach Arabien, die deutsche Ärztin nach Schweden auswandern, wenn sie gut bezahlt werden wollen – und wir holen dann die billigen Ärzte aus Griechenland und die billigen Ingenieure aus Indien. Das kapitalistische System namens „soziale Marktwirtschaft“ will alles haben, doch nichts dafĂŒr geben. Doch wer ordentlich leisten soll, dem muß auch ordentlich geleistet werden.

Gut belegt (was auch sonst?) erlĂ€utert Weiss, wie die Demokratie den Sozialstaat hervorbrachte und aufblĂ€hte. Immer mehr Geld mußte durch Politiker und Parteien versprochen und verteilt werden, um an WĂ€hlerstimmen zu kommen. Und wo es eine Sozialleistung zu verteilen gibt, melden sich auch BedĂŒrftige. Anders gesagt: Der Staat schafft sich die BedĂŒrftigen erst dadurch, daß er Leistungen anbietet. Wo etwas verteilt wird, wird immer jemand „Hier!“ rufen. Wo es nichts zu holen gibt, wird sich jeder anstrengen. Der Wissenschaftler und leidenschaftliche Schriftsteller Weiss Ă€ußert hier keine bloße Meinung, sondern belegt diese Mechanismen historisch.
Dieser Sozialstaat ist denn auch der Anfang vom Ende, der den Kreislauf schließen wird. Er wird uns in den Untergang, das „große Chaos“ fĂŒhren, weil er zulasten der LeistungstrĂ€ger geht, die mit ihren Steuern das Leben der weniger LeistungsfĂ€higen und –willigen finanziert. Ein RĂŒckbau ist Weiss’ Ansicht nach daher zwar wĂŒnschenswert, jedoch politisch nicht durchsetzbar. Wer den Sozialstaat heutiger PrĂ€gung wieder zu einer Leistungsgesellschaft umbauen möchte, wird damit keine Wahl gewinnen. Die Hochbegabten und die Mittelschicht, aus der ebenso die Leistungseliten unseres Landes hervorgehen, machen höchstens 40 Prozent der Bevölkerung aus. Sie werden sich niemals bei Wah-len durchsetzen. Was wir daher von Wahlen an Änderungen zu erwarten haben, liest sich bei Weiss so: „Bei demokratischen Wahlen sinkt der DurchschnittsbĂŒrger in ruhigen Jahren auf ein geistiges Niveau herab, das noch niedriger ist, als sein sonst schon niedriges.“ Schafft es doch einmal eine Protestpartei ĂŒber die 5-Prozent-HĂŒrde, stelle sie „einen unfĂ€higen Haufen völlig ĂŒberforderter Abgeordnete[r], die [
] weder ĂŒber die Kenntnisse noch die Persönlichkeit verfĂŒgen, irgend etwas dauerhaft zu verĂ€ndern
“

Die steigenden Energiekosten und die nicht mehr finanzierbaren Sozialkassen werden aber das System letztlich auseinandersprengen. Was folgt darauf? Siehe oben!

Weiss zeigt ĂŒbrigens auf, daß dieses Schicksal kein deutsches ist. Es droht sĂ€mtlichen Industrienationen gleichermaßen. Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede, ja sogar solche im politischen System, Ă€ndern dies nicht.

Intelligenten Nachwuchs fördern

Eine ordentliche, an die Erfordernisse eines leistungs- und zukunftsfĂ€higen Staates anknĂŒpfende Politik wĂŒrde intelligenten Nachwuchs fördern. Der Genetiker Weiss, der mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten jahrzehntelang Einfluß auf die Familienpolitik der DDR hatte, unterbreitet dem Leser hierfĂŒr VorschlĂ€ge (die DDR hatte die höchste Kinderquote junger Akademikerinnen, die sogenannten StudentenmĂŒtter). Wir lassen ihn hier selbst sprechen, obwohl dieser kurze Auszug seinen detaillierten AusfĂŒhrungen nur bedingt gerecht wird:

„Wenn Familienpolitik erfolgreich sein sollte, dann mĂŒĂŸte sie nicht nur einen neuen geistigen Rahmen setzen, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht

1. die Belastungen von den Familien mit Kindern auf die Kinderlosen umverteilen (denn bislang profitiert von Kindern derjenige am meisten, der keine hat);
2. die Arbeitgeber, die Frauen mit Kindern beschÀftigen, vom Arbeitgeberanteil der Lohnnebenkosten befreien;
3. die Familienbildung bei jungen Frauen mit Abitur fördern und das auch schon wÀhrend eines Studiums oder ohne; und
4. fĂŒr junge Frauen mit akademischen AbschlĂŒssen Arbeitsstellen mit einer Laufzeit von sieben bis zehn Jahren schaffen und fördern – mit entsprechender VerlĂ€ngerung, wenn in dieser Zeit Kinder geboren werden. Denn jede Gesellschaft gebiert sich Zukunft, die ihr zusteht.“

Dem ist inhaltlich nichts hinzuzufĂŒgen.

Fazit

Dr. Volkmar Weiss sieht sein Buch nicht als massentauglich, da zu anspruchsvoll. Es ist jedoch fundierter, offener und mit klareren Worten artikuliert, als der Kassenschlager „Deutschland schafft sich ab“. Der durchschnittliche Leser wird an mancher Stelle naturwissenschaftlich ĂŒberfordert. Aber solange der Leser damit leben kann, selbst kein Genetiker zu sein
. Warum nicht?

„Die Intelligenz und ihre Feinde“ ist eine fruchtbringende PflichtlektĂŒre mit dem Aha-Effekt irgendwo zwischen „Stimmt genau!“ und „Wie kann er das bloß sagen?“ Jeder, der sich irgendwie politisch oder sonstwie öffentlich zu den oben benannten Themen betĂ€tigt, sollte das Buch gelesen und verinnerlicht haben. Das wird in mancher Diskussion dazu verhelfen, die argumentative Oberhand zu gewinnen.

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Datum
01.10.2014

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