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wanus.de: Zweitägiges Leser- und Autorentreffen von Umwelt & Aktiv

ua-werbebanner-300x250Von RĂĽdiger Dietrich

Traunstein – Das seit 2007 publizierte Vierteljahresmagazin „Umwelt und Aktiv“ (U&A) verfügt inzwischen über eine Leserschaft in neun Ländern verteilt auf drei Kontinente. Das Ökologieprojekt hebt sich in der umweltpolitischen Landschaft insofern von anderen Organisationen und Plattformen ab, indem es sich dabei um das wohl einzige aufgrund seiner auf der Homepage bzw. Facebook-Seite abzulesenden nahezu täglichen Berichterstattung ernstzunehmende Naturschutzprojekt konservativer bzw. sogar rechtskonservativer Prägung handelt. Am Wochenende des 09./10. April führte „Umwelt & Aktiv“ (U&A) in den Räumlichkeiten des Vereines Gedächtnisstätte im thüringischen Guthmannshausen ein Leser- und Autorentreffen mit Referenten durch. Zwar wurde an dem Wochenende über vielerlei naturschutzfachliche Themen diskutiert, da derartige Zusammenkünfte gegenwärtig kaum möglich sind, ohne dass Gentechnik und Freihandelsabkommen zu Sprache kommen, doch stand die Tagung selbst unter dem ambitionierten Arbeitstitel „Überbevölkerung und Ökologie“.

Der Vorsitzende des die Publikation verlegenden Vereins Midgard e. V. und verantwortliche Schriftleiter Christoph Hofer teilte auf Nachfrage mit, dass das konfliktträchtige Tagungsmotto fern jeglicher Bedenkenträgerei bewusst gewählt wurde, um sich der hinter dem Titel stehenden Herausforderung zu stellen anstatt sie bequem zu übersehen. Für Hofer selbst sind Ökologie und Überbevölkerung nicht miteinander vereinbar, weshalb es schlichtweg erforderlich ist, über die Auswirkungen der Überbevölkerung zu sprechen und einer Diskussion über Ursachen und mögliche Lösungsansätze nicht auszuweichen. Ein ängstliches Ignorieren dieses Themas könnte womöglich in einer Menschheitskatastrophe enden. Hofer leitete die Tagung mit einem der zahlreichen Zitate Goethes zur Natur ein und stellte das von U&A verfolgte Arbeitsprinzip der Vernetzung anstelle der Ausgrenzung in den Vordergrund. Umso bedauerlicher war es, dass das Gründungsmitglied der Grünen Rolf Stolz kurzfristig als Referent abgesagt hatte. Aber dennoch mit Stolz wurde darauf verwiesen, dass von den Gründungsmitgliedern des Trägervereins noch keines ausgetreten sei und des verstorbenen Gründungsmitglieds Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Klaus Sojka gedacht. Als Gütesiegel führte der U&A-Chef die renommierten Interviewpartner, die das Blatt regelmäßig zu gewinnen in der Lage ist, an und hob beispielgebend dafür unter anderem die Umweltschützerin Vandana Shiva hervor, die ihres Zeichens Trägerin des inoffiziell als alternativer Nobelpreis bezeichneten Right Livelihood Award ist.

Die größte Passgenauigkeit zum Arbeitstitel der Tagung dürfte der Autor des Buches „Grünschwätzer“, Dudo Erny, aufgewiesen haben, da der Schweizer Staatsbürger kroatischer Abstammung, der sich selbst als Beispiel gelungener Integration bezeichnete und in Zürich Geographie studierte, in seinem Buch sich bereits ausführlich mit dem Phänomen der Bevölkerungsexplosion auf manchen Kontinenten auseinandersetzte. Denjenigen, die im Zusammenhang mit der Überbevölkerung immer nur von einem Verteilungsproblem reden, unterstellt Dudo Erny nicht begriffen zu haben, was eine Exponentialfunktion ist. Anhand einiger eindrucksvoller Beispiele versuchte er eine weniger abstrakte Vorstellung von den Zahlendimensionen im Milliardenbereich zu schaffen, um das Bewusstsein für die Fragestellung zu schärfen, was es neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln bedeutet, für einen weiter anschwellenden Bevölkerungs-Tsunamie dementsprechende Infrastruktur zu schaffen. Starke Kritik übte Dudo Erny auch an den Medien, die dem Problem einer täglich um 220 000 Menschen steigenden Weltbevölkerung auswichen oder es sogar manipulativ verschweigen. Er sprach in diesem Zusammenhang nicht von einer Lügen-, sondern einer Schweigepresse. Es werde beispielsweise in Israel/Palästina von Wasserknappheit gesprochen, aber nicht von Überbevölkerung. Die Bevölkerung Afrikas wird laut UNO von jetzt etwa einer Milliarde bis 2100 auf 4,3 Milliarden Menschen ansteigen. Im „Geschäftsmodell Migration“ erkennt Dudo Erny keine Lösung, vielmehr stellte der studierte Geograph fest, noch nirgends das „multikulturelle Paradies entdeckt zu haben“. Er bezeichnete eine Familienpolitik als die beste Form der Entwicklungshilfe und spitzte es dahingehend zu, dass eine Bevölkerungswende noch wichtiger sei als die Energiewende, die für die Deutschen bei gleichbleibend gegenläufiger Bevölkerungsentwicklung als der schwarze Kontinent ohnehin kaum mehr eine Rolle spielen würde, weil es davon im Jahre 3000 nur noch 1000 geben werde. Im klimapolitischen Zusammenhang geradezu als lächerlich bezeichnete Dudo Erny die Forderung auf den Verzicht des Verzehrs von Fleisch in Europa hinsichtlich des CO2-Ausstosses. Der Referent stellte eine Vergleichsrechnung vor, gemäß der ganz Europa für 15 Jahre auf den Fleischverzehr verzichten müsste, um nur einen einzigen Atemzug der Gesamtbevölkerung Indiens zu kompensieren.

Exklusiv befragt, bei welcher Bevölkerungszahl er die nachhaltige ökologische Tragfähigkeitsgrenze unseres Planeten erreicht sieht und für wie realistisch er persönlich es erachtet, dass es den politisch Verantwortlichen gelingen wird, für dieses häufig verdrängte Problem zivilisierte Lösungswege zu finden, gibt Dudo Erny die erschütternde Antwort von lediglich zwei Milliarden Menschen sowie seiner Befürchtung von rein auf Wahlen fokussierten Politikern, die das Problem erst angehen werden, wenn es zu spät sein wird. Außer Dudo Erny referierte der junge Geschichts- und Philosophiestudent Philip Stein, der derzeit an einem Buch zur „Rechten Ökologie“ arbeitet. Stein spannte den Bogen von den konträr zueinander verlaufenden Bevölkerungsentwicklungen der Entwicklungsländer und derjenigen Europas zur unmittelbar stattfindenden Umweltveränderung durch Bevölkerungsaustausch. Stein forderte eine Gegenkultur zum Zeitgeist, die den Menschen in natürlicher Umgebung und Gemeinschaft verortet. Anhand von zwei technikkritischen Zitaten von Friedrich Georg Jünger aus den Vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts leitete der junge Referent zu dem ethischen Standpunkt über, dass der Mensch nicht mehr beanspruchen dürfe, als ihm zustehe. Philip Stein forderte in diesem Kontext eine „nachhaltige Wachstumsrücknahme“ und stellte fest, dass Ökologie sinnvoll nicht losgelöst von einem organischen Weltbild gedacht werden könne, weshalb es nur folgerichtig sei, Ökologie und Heimat zusammenzudenken. Der junge Buchautor sprach von der Ökologie als Baustein einer kulturellen Revolution, die der Durchökonomisierung aller Lebensbereiche den Kampf ansagt. Allerdings könne dies nachhaltig nur auf der Grundlage eines stetigen Bewusstseinswandels geschehen und nicht durch „grünen Totalitarismus“.

Zu seinem anstehenden Buch befragt, erklärt Philip Stein, dass das Thema Ökologie unweigerlich auch zur sogenannten Querfront-Frage Stellung beziehen müsse, aber ein brauchbares Buch unter den vielen bereits geschriebenen zur Ökologie sich vor allem mit weltanschaulichen Grundlagen und funktionierenden Alternativmodellen beschäftigen müsse, um politische Ideen fruchtbar zu machen. Die organische Fundierung mit ökologischen Ansätzen der Linken zu verbinden, wird eine der Herausforderungen meines Buches sein, kündigte Stein an. Interessant wird es, wenn man den Philosophiestudenten nach Immanuel Kants Kategorischem Imperativ als Leitgedanken für eine ökologische Wende befragt. „Wenn wir nur von der Theorie sprechen, wäre Kants Kategorischer Imperativ eigentlich ein guter Ansatz. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch kein Vernunftwesen ist. Das Wissen und die Möglichkeiten für eine ökologische Wende sind vorhanden. Es scheitert letztendlich am Willen. Der Kategorische Imperativ ist also wenig praktikabel“, lautet die unverblümte Antwort des Philosophiestudenten.

Die philosophische Unterfütterung der Veranstaltung war in jedem Fall gegeben, trat neben Philip Stein mit Frau Dr. Angelika Willig eine weitere Koryphäe dieser Zunft als Referentin auf. Die auch als Autorin für „Umwelt & Aktiv“ schreibende Referentin studierte Philosophie, Germanistik und Lateinische Philologie und promovierte in Philosophie über Martin Heidegger und Karl Jaspers. Mit einem intelligenten, aber zu keinem Zeitpunkt trockenen Vortrag, der als tiefgründig, humorvoll und anekdotenreich bezeichnet werden darf, setzte sie die Ökologie in einen Bezug zum Revierverhalten und definierte sie als Konfrontation mit dem Elementaren. Die Referentin erklärte, den Menschen nicht zentral im Mittelpunkt zu sehen, und erläuterte einen in so mancher Hinsicht religiös bedingten Zwiespalt der Menschen mit der Natur. Unabhängig von ihrem angehenden Zunftkollegen befragt, beantwortete auch die promovierte Philosophin die Frage nach dem Beitrag ihrer Disziplin für eine ökologische Wende. Danach befragt, ob speziell die Philosophie einen Beitrag zur ökologischen Debatte leisten kann und ob sich ein ökologischer Imperativ an die autonome sittliche Persönlichkeit richten solle, antwortete Dr. Angelika Willig wörtlich: „Interessant für die ökologische Debatte sind die Philosophen, die sich kritisch gegen die eigene Zunft richten. Zu nennen wäre vor allem Martin Heidegger. Die philosophische Tradition von Platon bis Hegel hat im Verein mit dem Christentum die Naturzerstörung bewirkt. Die autonome sittliche Persönlichkeit bzw. die Illusion, dass es eine solche Autonomie gibt, spielt dabei die Hauptrolle.“ Als Autorin von U&A zum Alleinstellungsmerkmal dieses Projekts befragt, nennt sie die ganzheitliche ökologische Betrachtungsweise unter Einbeziehung von Heimat und Brauchtum, wodurch die eher „technischen“ Umweltthemen, die bei anderen Öko-Magazinen überwiegen eine besondere Bedeutung gewinnen.

Daran knüpfte mit eine Vielzahl historischer Bezüge der aus Wien angereiste mehrfache Buchautor Prof. Dr. Walter Marinovic an, der sich in seinem Vortrag einen thematisch weiter ausholenden Kreis erlaubte, jedoch ebenso zu dem Fazit gelangte, dass der Typus Konsumidiot einem ökologischen Selbstverständnis nicht weniger widerspreche, als die gegenwärtige Umvolkung. Der ehemalige Gymnasiallehrer für die Fächer Deutsch und Latein bekannte bei seiner Selbstvorstellung eingangs seines Vortrages, dass er nicht auf alle seine Schüler stolz sein könne und nannte den heutigen österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann, den er unterrichtete. Weshalb Prof. Marinovic ausdrücklich betonte, Faymann nicht in Deutsch unterrichtet zu haben, darüber möge jeder für sich spekulieren. Sein jüngster Roman „Kornblumen“ fand zahlreiche Abnehmer.

Der in der Einladung als Kulturkritiker bezeichnete Referent bekräftigte auf Nachfrage, dass es einen Zusammenhang zwischen gewachsenen intakten Kulturräumen und Ökologie gibt und nannte gewisse kulturelle Aspekte, die Grundvoraussetzung für ökologisch verantwortungsvolles Verhalten sind. Dabei beklagte Prof. Marinovic eine mangelnde Wertschätzung von Gottesgeschenken und bekannte auf Nachfrage, dass für ihn Ökologie nicht ohne metaphysisches Moment denkbar ist. Der lebenserfahrene Kulturkritiker sprach sich für eine Kultur der Dankbarkeit anstelle der Verschwendungssucht aus, die für ihn die Wiedergewinnung nicht materiell definierter Werte erfordert. Abgesehen von den Vorträgen wurde seitens des Veranstalters an beiden Tagen darauf Wert gelegt, ausreichend zeitliche Freiräume in den Programmablauf zu integrieren, um den Veranstaltungsteilnehmern die Möglichkeit zu umfangreichen Gesprächen zu geben. Es ist anzunehmen, dass dieses Leser- und Autorentreffen nicht das letzte dieser Art von „Umwelt & Aktiv“ gewesen sein dürfte.

Quelle: http://wanus.de/2016/04/12/zweitaegiges-leser-und-autorentreffen-von-umwelt-aktiv/

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Datum
15.04.2016

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