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Betäubungslose Ferkelkastration stoppen!

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Schwein mit Ferkel

Laut einer Ausnahmeregelung der Richtlinie 2001/93 EG in der Europäischen Union sowie gemäß § 5 Abs. 3 des deutschen Tierschutzgesetzes ist innerhalb der ersten sieben Lebenstage die betäubungslose Kastration von Ferkeln erlaubt. Und dieser Mißstand soll noch bis 2019 gesetzlich bestehen bleiben! Jedes Jahr werden in Deutschland über 20 Millionen Ferkel nahezu ausnahmslos ohne wirksame Schmerzausschaltung kastriert. Dabei nimmt der Schweinezüchter die Ferkel einzeln hoch, schneidet die Haut über den Hoden ein, drückt den Hoden heraus und durchtrennt den Samenleiter. Zwar verabreichen diejenigen Landwirte, die nach den Vorgaben des Prüfsystems „QS – Qualität und Sicherheit GmbH“ produzieren, nach (!) der Kastration ein Schmerzmittel, den eigentlichen Schmerz beim Entfernen der Hoden nimmt diese Behandlung den Ferkeln jedoch nicht. Der Grund ist, daß mit Einsetzen der Geschlechtsreife im Alter von etwa 5 Monaten sich bei männlichen Schweinen der typische Ebergeruch entwickeln kann, der von den Verbrauchern vor allem bei der Zubereitung und beim Verzehr von Schweinefleisch wahrgenommen und als abstoßend empfunden wird.

Allerdings könnten geeignete an der Verbesserung des Tierwohls orientierte Maßnahmen bei der Aufzucht, der Fütterung, beim Transport und bei der Schlachtung dazu beitragen, den Prozentsatz der geruchsauffälligen Schweine auf unter 3 % zu reduzieren. Es geht dabei insbesondere um die Vermeidung von Streß, der maßgeblich für die geruchserzeugende Hormonproduktion verantwortlich ist. Zudem gibt es bei verschiedenen Rassen bereits neue Eberzuchtlinien, die auf geringe Neigung zu Geruchsauffälligkeiten gezüchtet wurden. Durch eine Geruchsprobe kann man darüber hinaus am Schlachthof testen, ob das Fleisch auffällig riecht. Bei kleinen Schlachthöfen ist das bereits jetzt möglich. Große Schlachthöfe mit mehr als 250 männlichen Schweinen pro Tag am Schlachtband brauchen eine automatisierte Lösung. Eine solche „elektronische Nase“ wird beim Fraunhofer Institut entwickelt und ist technisch bereits weit fortgeschritten. Auch ist wegen Geruchsproblemen aussortiertes Fleisch ist nach wie vor für die Trockenfleisch- oder Salamiproduktion geeignet.

Die großen Handelsketten wie Aldi Süd und Nord sowie Rewe wollen eigenen Angaben zufolge ab 1. Januar 2017 auf Frischfleisch von kastrierten Ebern verzichten. – „Umwelt & Aktiv“ empfiehlt, sich in jedem Falle beim Landmetzger vor Ort über die Herkunft des Fleisches und die Kastrationspraxis desjenigen Schweinezüchters zu erkundigen. Wer sich darüber hinaus kundig machen möchte, wo Schweinefleisch zu beziehen ist, bei dem keine betäubungslose Kastration im Spiel ist, der möge auf entsprechende Label / Gütesiegel achten – hierfür empfehlen wir nachfolgende Weltnetzverweise zur Kenntnis zu nehmen:

http://www.tierschutzlabel.info/verbraucher/

http://www.tierschutzlabel.info/marktsuche/

Gerhard Keil

 

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Datum
12.03.2016

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