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Der Wisent – Europas Ureinwohner

Wisent

Was der Bison für die Ureinwohner Nordamerikas war, daß war der Wisent für unsere europäischen Vorfahren. Vor 30.000 Jahren, zu einer Zeit als Aldi, Lidl und Co. noch in weiter Ferne waren, dokumentieren Höhlenmalereien bereits die Bedeutung dieser Ur-Rinder für das Überleben der damaligen Menschen.

Besonders berühmt ist die Wisent-Wandmalerei in der Höhle von Altamira in Nordspanien. Die Malerei entstanden ab dem Jahr 16.000 vor Christus über einen Zeitraum von rund 5.000 Jahren. Die Höhle enthält knapp 1.000 Bilder und Zeichnungen von Hirschen, Wildpferden, Wildschweinen und Wisente.

Wisente kamen noch bis in das frühe Mittelalter in den Urwäldern Europas vor. Ihr Lebensraum waren gemäßigte Laub-, Nadel- und Mischwälder. Diesem Lebensraum optimal angepasst ist der Wisent als Herdentier nur in kleinen Gruppen von 12 bis 20 Tieren anzutreffen. Geschlechtsreife Bullen halten sich nur während der Brunftzeit bei den Herden auf und sind ansonsten Einzelgänger.

Der Untergang

Der Untergang der Wisentpopulation begann schon während der Übergangsphase von der Jäger- und Sammlerkultur, hin zum sesshaften Bauerntum. Die damit verbundene stärkere Nutzung und Abholzung der europäischen Wälder, der Anbau von Kulturfrüchte auf den gerodeten Flächen und die Nutzung der verbleibenden Wälder als Hütewälder schränkten den Lebensraum der Tiere zunehmenden ein. Als Folge dieser zunehmenden Urbarmachung war der Wisent in weiten Teilen Frankreichs bereits im 8. Jahrhundert ausgestorben. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands verschwand der Wisent zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. In Ostpreußen wurde der letzte Wisent allerdings erst 1755 erlegt. Einige Herden konnten allerdings in russischen und polnischen Königswäldern bis in das 20. Jahrhundert hinein überleben.

Die Wisent-Population in Europa bestand aus zwei Unterarten: dem Bergwisent und dem Flachlandwisent. Der Bergwisent ist völlig ausgestorben. Anfang des 20. Jahrhunderts war auch der Flachlandwisent so gut wie ausgestorben. Der letzte freilebende Wisent wurde 1927 im Kaukasus geschossen.

Die heutige Population beruht auf nur zwölf Tieren, welche in zoologischen Einrichtungen und Tiergehegen überlebten. Diese niedrige genetische Variabilität ist heute die größte Bedrohung für den Fortbestand dieser Art.

Die Auferstehung

Seit 1996 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das zooübergreifend die Zucht der in Gefangenschaft gehaltenen Wisente koordiniert. In Deutschland werden ca. 420 Tiere in Gefangenschaft oder Zuchtprogrammen gehalten, in der Schweiz 26 und in Österreich nur 13 Tiere. Rund 60 Prozent des Weltbestandes lebten im Jahre 2004 in freilebenden Populationen.

Ein aktuelles Ziel ist der Aufbau freilebender Wisentbestände, auch in Deutschland. Wegen der hohen Kosten der Gehegehaltung ist es nur über Auswilderungen möglich, den Wisentbestand weiter zu erhöhen. Seit einigen Jahren versucht man bevorzugt, Wisente in Gebieten anzusiedeln, in denen die jeweilige Population eine demographisch notwendige Mindestgröße von 100 Tieren erreichen kann.

Ein Koordinierungsprogramm soll sicherstellen, dass in den bestehenden freien Populationen die genetische Vielfalt erhalten und nach Möglichkeit erhöht wird. Dazu sollen gegebenenfalls Wisente zwischen den einzelnen freien Populationen transferiert werden. Langfristiges Ziel ist es, dass es wieder 3000 wildlebende Tiere gibt.

Im Borker Horst bei Allenstein in Ostpreußen wurden 2011 80 freilebende Tiere gezählt. Die Vorfahren dieser Tiere stammen aus einer Nachzucht und entkamen schon vor längerem aus dem Gehege.

Wiederansiedelung in Deutschland

Im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge wurde im April 2013 im Kreis Siegen-Wittgenstein eine Herde bestehend aus dem Bullen Egnar, fünf Kühen und zwei Jungtieren ausgewildert. Die Herde hatte schon seit März 2010 vor Ort in einem 80 Hektar großen Auswilderungsgehege gelebt und wurde dort unter wissenschaftlicher Begleitung auf die Auswilderung vorbereitet.

Im Mai und im Juni 2013 wurden durch Kühe dieser Herde die ersten zwei Wisente seit ca. fünf Jahrhunderten in Deutschland in freier Wildbahn geboren. Die Zahl der in Deutschland frei lebenden Wisente beträgt demzufolge zurzeit zehn Tiere. Das mittelfristige Ziel liegt darin die Herde auf 25 Tiere anwachsen zu lassen. Langfristig sind nur Herden mit 100 Tieren und mehr überlebensfähig.

Außer im Rothaargebirge werden Wisente derzeit in der Wildniskernzone der Döberitzer Heide an ein Leben unter naturnahen Bedingungen gewöhnt. In der Wildniskernzone, die eine Fläche von 2000ha umfasst, sollen die Tiere zusammen mit Wildpferden nahezu unbeeinflusst vom Menschen unter annähernd wilden Bedingungen leben.

Die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ ist nach Angaben der Initiatoren auf Initiative und in Verantwortung von Privatpersonen entstanden. Gemeinsam wurde der gemeinnützigen Verein „Wisent-Welt-Wittgenstein“ gegründet. Die Vorstandsmitglieder haften persönlich für das kostenintensive und nicht-kommerzielle Projekt.

Auf rund 1,2 Millionen Euro werden die Kosten bis ins Jahr 2014 durch den Verein beziffert. Damit sind allerdings nur die Investitionen gemeint. Der laufende Betrieb der „Wisent Wildnis am Rothaarsteig“ ist dabei noch nicht mit eingerechnet. Dieser soll sich aus Eintrittsgeldern sowie Spenden und Sponsoren-Geldern finanzieren.

Wenn Sie das Projekt und die Wiederansiedelung des Wisent in Deutschland unterstützen möchten, besuchen Sie doch einmal mit Ihrer Familie den „Wisent-Wald“ in Bad Berleburg.

 

 

 

 

 

Quellen und weitere Informationen:

www.wisent-wissen.npage.de / Wisentgehege in Hardehausen

www.wisent-welt.de / Auswilderung des Wisent in Siegen-Wittgenstein

www.sielmann-stiftung.de / Wildniskernzone Döberitzer Heide

Bildquelle: Matthias Mittenentzwei  / pixelio.de

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Datum
18.01.2015

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