Der Wolf wird heimisch
150 Jahre ist es her, als der letzte Wolf in Sachsen erlegt worden war. Seit einigen Jahren leben wieder Wölfe in Deutschland. Dort, wo der letzte Wolf starb, wurden 2000 erstmals wieder Wolfswelpen von einer in Freiheit lebenden Wölfin geboren – in der Oberlausitz. Derzeit leben wieder etwa 35 Wölfe in Deutschland. 12 Rudel, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind heimisch geworden. Einzelne Tiere wurden in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hessen und Bayern gesichtet.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellte vergangene Woche eine Studie zur Ausbreitung der Wölfe in Deutschland vor. Grundsätzlich können sich alle Bundesländer auf den alten, neuen Bewohner einstellen. Denkbar sind vor allem Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Denn der Teutoburger Wald oder die Eifel bieten optimale Lebensbedingungen für Isegrim und Giermund. “Man sollte sich überall in Deutschland auf das Erscheinen des Wolfs einstellen und ein möglichst konfliktfreies Miteinander von Menschen und Wölfen sicherstellen”, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. “Wölfe brauchen keine Wildnis, sondern können sich auch in unserer Kulturlandschaft an die unterschiedlichsten Lebensräume anpassen.”
Mit der Pilotstudie wollte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Wanderwege erkunden und herausfinden, wie sich Wölfe verhalten und ob sie in Deutschland tatsächlich überleben können. Die Studie war insofern einmalig in Europa, als daß Satelliten die Wanderwege der Vierbeiner über Monate hinweg aufzeichneten. Sechs Jungtiere wurden mit GPS-Sendern ausgestattet, die zwei Jahre lang Informationen über die Wanderwege der Wölfe lieferten. Ergebnis war, daß der Wolf ganze 70 Kilometer pro Tag ohne weiteres zurücklegen kann.
Der beobachtete Wolf Alan beispielsweise entfernte sich schon mit zwölf Monaten von seinem Rudel in Sachsen und lief in zwei Monaten 1.550 Kilometer weit bis nach Weißrußland. Dabei überquerte er Autobahnen, durchschwamm die Weichsel und die Oder und überwand irgendwie die überwiegend mit Elektrozäunen gesicherte Grenze zwischen Polen und Weißrußland.
Auch wenn der Wolf in den Köpfen der Menschen weiterhin als sagenumwobenes und gefährliches Tier gilt, stellt er keine Gefahr dar. Wölfe sind sehr scheue Tiere, die sofort die Flucht ergreifen, wenn sie einen Menschen sehen oder dessen Witterung aufnehmen. Das „Rotkäppchensyndrom“, also die Angst mancher Menschen vor Wölfen, ist völlig unbegründet. Selbst der gezielte Angriff auf Nutztiere kommt nur äußerst selten vor. Vielmehr war der Wolf über Jahrhunderte hinweg ein fester Bestandteil unserer Tierwelt. Es wäre doch schade, dieses anmutende Tier für immer zu verlieren. Die Wiederansiedlung des Wolfes wird übrigens von der Mehrheit der Deutschen unterstützt. Die Umfrage der Umweltschutzorganisation BUND ergab, daß 79 Prozent der Bundesbürger nichts gegen eine Rückkehr der scheuen Raubtiere haben. Ein tolles Ergebnis, für jeden Artenschützer.
Bildquelle: Daniel Arnold / pixelio.de




Pflanzenliebe
01.11.2011 um 20:24
Zwei Begriffe werden hier falsch verwendet. Zum einen gehört dieses Thema nicht in den Bereich “Tierschutz”, da es nicht um Individuen, sondern um eine Art geht. Zum anderen handelt es sich nicht um eine “Wiederansiedlung”, da eine solche vom Menschen vorgenommen werden müßte. Der Wolf kam jedoch selbständig aus den östlichen Nachbarländern zu uns und breitet sich hier auf eigene Faust aus.
Meiner Meinung nach sollte der Mensch aber sehr wohl den Bestand betreuen. Immerhin besteht die Ausgangspopulation ja vermutlich nur aus sehr wenigen Gründertieren. Um den Genpool zu erweitern, könnte man doch einzelne Exemplare entnehmen und durch Nachzuchten aus (Auswilderungs-)Gehegen ersetzen. Oder ist dies angesichts der Mobilität des Wolfes nicht nötig? Oder aufgrund des Fortpflanzungsverhaltens (nur die ranghöchsten Individuen vermehren sich) vielleicht eh folgenlos?