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Persönliche Vogelflüsterer-Erlebnisse in meinem Garten

Amselnest auf dem Balkon

Nachdem ich vor zwei Jahren das vergnügliche Erlebnis hatte, eine an einem Auge verletzte junge Amsel erfolgreich großzuziehen und nach etwa drei Wochen häuslicher Pflege wohlauf zur gelingenden Auswilderung schweren Herzens in einer diesbezüglichen Auswilderungsstation in fachgerechte Hände übergab, erfreut mich dieses Jahr eine erstaunlich frech-zutrauliche Amselfamilie im eigenen Garten. Es war noch verständlich nachvollziehbar, daß ein mit der Hand großgezogenes Amseljunges eine einem Wellensittich gleichkommende Zutraulichkeit entwickelt, weshalb diese auch in eigens dafür eingerichteten Auswilderungsstationen dem Menschen wieder zu Teilen entfremdet werden sollen, doch wie weit dies bei wildlebenden Amseln geht, hätte ich bis diesen Sommer kaum geglaubt. Ich beobachtete dieses Jahr während meiner Gartenarbeit ein Amselpaar mit ihrer Brut und stellte fest, daß diese, insbesondere das Männchen, bis auf erstaunliche Nähe hinter mir her arbeitend aufgewühlte Insekten vertilgte. Mit der Zeit bemerkte ich, daß der Vogel sogar zunehmend auf mich reagierte, wenn ich ihm zurief, pfiff oder ihn gleich einem menschlichen Zeitgenossen ansprach.

Zwar bin ich mir bewußt, daß zu innige „Verbrüderungen“ mit wildlebenden Tieren kritisch bewertet werden müssen, doch konnte ich mich der gewissen Faszination oder sogar dem Zauber einfach nicht gänzlich entziehen. Interessant sind die verschiedenen Kommunikationslaute, beispielsweise wenn die bereits aus dem Nest geflüchteten Jungen gerufen oder aber auch gewarnt werden, weil sich beispielsweise eine Katze nähert. Geradezu überrascht war ich, als ich beobachtete, wie mein mir lieb gewordener gefiederter Freund rotzfrech einem Kater das Katzenfutter streitig machte und seinen Nachwuchs damit fütterte. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Da ich allerdings stets ein ungutes Gefühl hatte, wenn sich mein Amselfreund zu sehr einer Katze näherte, begann ich „meine“ Gartenamsel ein wenig mit ihrer begehrten Speise zuzufüttern, um sie von ihren gefährlichen Raubzügen abzuhalten. Im Zuge dessen entwickelte sich eine gewisse Kommunikation zwischen mir und der Amsel, die mich nicht weniger beobachtet, als ich sie. Das Zutrauen ist inzwischen so groß, daß sich Herr Amsel zur Abholung eines gelegentlichen Leckerlis direkt neben mich gesellt und ich mich aus Gründen der Verantwortung, ein wildlebendes Tier nicht zu domestizieren, geradezu zwingen muß, es nicht bis zur Handfütterung kommen zu lassen. Herr Amsel stattet gelegentlich sogar einen Hausbesuch ab.

Eine große Freude war mir, daß die drei Amseljungen, deren Fütterung ich sogar in vertraulicher Nähe beiwohnen durfte, dennoch stets aufmerksam beschützt wurden und zwischenzeitlich allesamt endlich soweit flugfähig sind, daß die Gefahr dem streunenden Kater zum Opfer zu fallen hoffentlich weitgehend gebannt sein dürfte. Allerdings habe ich mir in geradezu familiär gewordener Sorge angewöhnt, nicht nur meine Garten-, sondern auch große Teile meiner Büroarbeit in den Garten zu verlegen und aufmerksam selbst die Warnlaute einigermaßen zu imitieren, sobald Gefahr in Sicht ist. Ich bin vermutlich wohl kein wirklicher Vogelflüsterer, wie man sich das von Spielfilmen vorstellt, nicht einmal bin ich ein Ornithologe und schon gar kein Schamane (leider!) – aber diese doch vertrauliche Beziehung zu einem wildlebenden Gartenbewohner ist ein kaum zu beschreibendes Glücksgefühl!

Ihr

Gerhard Keil

Bildquelle: 78044_web_R_K_B_by_SarahC._pixelio.de

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Datum
31.05.2017

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1 Kommentare zum Artikel “Persönliche Vogelflüsterer-Erlebnisse in meinem Garten”


  1. Lara meint:
    31.05.2017 um 11:07


    Danke für die schöne Geschichte. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Menschen nicht nur ein Auge, sondern auch ein Ohr für die Natur hätten und in ihrem Garten auch auf die Bedürfnisse unserer gefiederten Freunde sowie Igel & Co. Rücksicht nehmen und entsprechend gestalten würden. Doch das Gegenteil ist der Fall, denn leider werden Gärten zunehmend zu Kulturwüsten, ein verhängnisvoller Trend.