Umwelt & Aktiv

Das Magazin für gesamtheitliches Denken

Das Magazin für ganzheitliches Denken

Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Rückkehr nach mehr als 350 Jahren – Willkommenskultur für den europäischen Ibis!

Waldrapp

Der Waldrapp (Geronticus eremita) ist ein etwa gänsegroßer Ibis und zählt zu den seltensten Vögeln der Welt. Lediglich noch eine wildlebende Kolonie in Marokko existiert. Der Waldrapp war einstmals in Europa ein häufig vorkommender Vogel, der in Frankreich, in der Schweiz, in Deutschland, Österreich – zuletzt dort in der Steiermark – , Spanien und im Westen des Balkans beheimatet war. Im 17. Jahrhundert starben die Waldrappe in Mitteleuropa aufgrund intensiver Bejagung aus, da sie bedauerlicherweise unter dem Namen „Schopfibis“ als Delikatesse sehr gefragt waren. In Deutschland war er bereits 1627 ausgelöscht. Heute laufen verschiedene Wiederansiedelungsversuche, um den Waldrapp als Brutvogel in Europa wieder zu etablieren. In freier Wildbahn lebten im Jahr 2005 etwa 450 Vögel, in Gefangenschaft wurden etwa 2000 Vögel gehalten. Burghausen ist der einzige Ort in Europa, an dem seit einiger Zeit wieder eine Population selbständig ziehender Waldrappe entwickelt. Bis 2019 sollen 40 Waldrappe in Burghausen heimisch werden.

Die Wiederansiedelungsversuche dieser europäischen Zugvögel gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Der Waldrapp ist ein geselliger Vogel, der sich zu Kolonien von mehreren Dutzend bis über hundert Exemplaren zusammenschließt. In Zoos gehaltene Einzelpaare kommen regelmäßig nicht zum Brüten. Brutstimmung entsteht erst in einer Kolonie. Das Hauptproblem für die Auswilderung ist die Tatsache, daß der Waldrapp als Zugvogel seine Flugroute im ersten Jahr von den Eltern erlernen muß. Von Menschen aufgezogene Jungvögel kennen folglich diese Flugroute nicht. Sie fliegen zwar im August von ihren Wohnplätzen ab, aber nicht gemeinsam und in verschiedene Richtungen. Daher ging man zu dem außergewöhnlichen Verfahren über, daß ihre menschlichen Zieheltern, auf die sie geprägt sind, ihnen mit Leichtflugzeugen vorausfliegen und ihnen den Weg zeigen. Im Jahr 2007 kamen dann tatsächlich auch erstmals wieder Waldrappe selbstständig aus Italien nach Österreich zurück, wo ebenfalls die Wiederansiedlung versucht wird. 2016 gab es jedoch auch herbe Rückschläge. Die erfolgreichen ersten Ansiedlungsversuche beispielsweise in Überlingen – dort soll neben Burghausen und dem Salzburger Land eine dritte Kolonie angesiedelt werden – wurden auf das Schwerste sabotiert. Fünf Tiere, die mit GPS-Sendern ausgestattet waren, wurden auf ihrem Herbstzug über die Alpen nach Süden in Italien abgeschossen. Ein Jäger aus der Gegend von Pisa wurde dafür im Herbst vergangenen Jahres in Livorno lediglich zur Zahlung einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt, die zudem zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Zum Verhalten des Waldrapps gehört ein ausgedehntes Begrüßungsritual. Die Vögel umkreisen tagelang die Brut- und Ruhefelsen, bis sie ihren Partner gefunden haben. Nach der Landung werfen Männchen wie Weibchen den Kopf mit aufgestelltem Schopf in den Nacken und verbeugen sich dann unter lauten Rufen voreinander. Es findet nur eine Brut pro Jahr in den Monaten März bis Juni mit zwei bis vier Eiern statt. Die Nahrung des Waldrapps besteht aus Insekten und deren Larven,Würmern, Schnecken und deren Eiern, Heuschrecken, Spinnen, seltener auch aus kleinen Säugetieren, Reptilien und Amphibien sowie aus pflanzlicher Nahrung. Seine Nahrung sucht der Vogel, indem er mit seinem Schnabel im Boden stochert. Auf den Freiflug- bzw. Wiederansiedlungsgeländen im Almtal in Österreich und im bayerischen Burghausen sucht der Waldrapp frisch gemähte Wiesen, Feucht- und Auwiesen sowie Uferböschungen und Weiden auf. – Hier wäre europäische Willkommenskultur gefragt, denn der Waldrapp gehört unzweifelhaft zu Europa!

Gerhard Keil

Bildquelle: 355454_web_R_K_B_by_Lars Paege_pixelio.de

Verwandte Artikel:

  • Keine gefunden

Artikel-Metadaten

Datum
10.04.2017

Kategorie



Kommentare sind nicht mehr zugelassen.