Umwelt & Aktiv

Das Magazin für gesamtheitliches Denken

Das Magazin für ganzheitliches Denken

Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Schlachtverbot für trächtige Nutztiere!

Kälbchen

Der Anblick eines jungen Kalbes spricht nahezu jeden irgendwie an und viele essen deshalb auch kein Kalbfleisch. Nur werden, obwohl bereits 2014 ein ARD-Bericht zum Thema für Entsetzen und Empörung sorgte, allein in Deutschland einer Schätzung der Bundestierärztekammer zufolge jährlich bis zu 180.000 trächtige Kühe in Schlachthöfen geschlachtet. Folglich sterben dabei auch die ungeborenen Kälber. Ein Gros der Schlachtrinder befindet sich sogar zum Zeitpunkt der Schlachtung im letzten Trächtigkeitsdrittel. Praxisreife Methoden, um die ungeborenen Kälber zu betäuben, gibt es nicht. Diese sterben Expertenangaben zufolge betäubungslos durch Sauerstoffmangel. Selbst das Bundeslandwirtschaftsministerium räumte auf Nachfrage schon einmal ein, daß es „wissenschaftlich begründete Anhaltspunkte“ für ein Leiden der Tiere gebe. Veterinärdirektor Kai Braunmiller, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Fleischhygiene, spricht dabei von einem Erstickungsprozess, der nach wissenschaftlichen Angaben bis zu 20 Minuten dauern kann. Und dies geschieht, obwohl bereits ab dem 28. Tag nach einer Besamung ein sogenannter PAG-Test zur Trächtigkeitsuntersuchung eingesetzt werden kann.

Es ist ein Skandal, daß so etwas legal vor sich gehen kann und weder die deutsche Tierschutzschlachtverordnung, noch die entsprechende EU-Verordnung keinerlei Vorgaben zum diesbezüglichen Umgang mit tragenden Nutztieren enthalten. Doch geradezu der Gipfel politischen Kompetenzversagens ist es, wenn man seitens deutscher Politiker zu hören bekommt, daß die EU-Schlachtverordnung keine Möglichkeit für die Mitgliedstaaten eröffne, nationale Regelungen in Bezug auf die Schlachtung tragender Rinder in Schlachthöfen zu erlassen. Während der Nationalstaat selbst in einer Brüsseler EU-Regulierungswut regelrecht erstickt wie die ungeborenen Kälber der Schlachtrinder, sind ihm beim Tierschutz auch noch die Hände gebunden. Das in der Mythologie von einem Stier entführte Europa war das schöne Europa – daraus wurde eine häßliche EU!

Sämtliche bisherigen Gesetzesentwürfe beziehen sich allein auf hochträchtige Nutztiere. Ein rechtlicher Schutz für Föten ist nach wie vor nicht vorgesehen. „Umwelt & Aktiv“ fordert grundsätzlich ein generelles Schlachtverbot für tragende Nutztiere, sofern keine krankheitsbedingte Notschlachtung zwingend nötig ist. Brüssel sollte dafür nicht vonnöten sein.

Gerhard Keil

Bildquelle: 355100_web_R_K_B_by_Karl-Heinz Liebisch_pixelio.de

Verwandte Artikel:


Artikel-Metadaten

Datum
26.03.2017

Kategorie



Kommentare sind nicht mehr zugelassen.