Umwelt & Aktiv

Das Magazin fĂĽr gesamtheitliches Denken

Das Magazin fĂĽr ganzheitliches Denken

Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

„Wir haben es satt!“ – Demo in Berlin

Ende Januar gingen Verbraucher, Umweltorganisationen, Tierschützer, Imker und Bauern gemeinsam auf die Straße und forderten von der Bundesregierung „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“.

Über 23.000 Menschen kamen in Berlin zusammen und demonstrierten gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Massentieranlagen. Sie setzten sich für eine bäuerliche, ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft ein

Die Köchin, Gastronomin und Buchautorin Sarah Wiener sagte: „JĂĽngst wurden antibiotikaresistente Keime in HĂĽhnerfleisch gefunden – dies ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben diese ständigen Lebensmittelskandale satt. Es ist höchste Zeit, daĂź endlich grundlegende Konsequenzen daraus gezogen werden. Wir mĂĽssen weg von der Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft.“

Der Jung-Bauer Moritz Schäfer von der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) betonte: „Unser breiter Protest gegen die Agrogentechnik wirkt: BASF mußte ihre Gentech-Kartoffel in Europa aufgeben, da die gesellschaftliche und bäuerliche Akzeptanz fehlt. Es ist auch eine schallende Ohrfeige für die Bundesregierung, denn die Amflora von der BASF war die erste Kartoffel, die es in einen Koalitionsvertrag schaffte. Auch in der EU-Agrarpolitik forciert Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner bislang die Agrarindustrie. Und das, obwohl Klimawandel, Hungerkrisen und das Höfesterben die agrarindustriellen Strukturen verschärfen. Die EU- Direktzahlungen müssen an Arbeitskräfte und Umweltleistungen gebunden und nach oben gekappt werden und dürfen nicht die Agrarindustrie mästen! Dann finden sie auch gesellschaftliche Akzeptanz.“

Auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, stellte fest:
„Es geht um die Systemfrage: Lassen wir es weiter zu, Tiere in Haltungssysteme zu zwingen, die ihnen Schmerzen und Leid zufĂĽgen? Denn das ist heute Alltag fĂĽr Millionen von Tieren. In den Intensivhaltungen leiden sie direkt. Unter den Folgen leiden aber auch Umwelt, Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbraucher. Daher braucht es den SchulterschluĂź der gesellschaftlichen Gruppen. Wir kämpfen fĂĽr mehr Tierwohl im Stall, gegen Gentechnik-Futtermittelimporte aus Ăśbersee und fĂĽr mehr UnterstĂĽtzung der bäuerlichen, artgerechten Landwirtschaft.“

Abzuwarten bleibt, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel einer Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik stattgeben wird. Wohl eher nicht, denn sie hält nach wie vor an der Brüsseler EU-Agrarpolitik fest. Bisher ist die Politik doch nur der Steigbügelhalter der Agrarindustrie. Wie bereits von vielen Umweltorganisationen und ökologischen Vereinigungen mehrfach gefordert, müssen die Agrarzahlungen endlich an ökologische, soziale und tierschutzorientierte Standards angepaßt werden. Lediglich die Großbetriebe profitieren seit Jahrzehnten von der EU-Politik. Die kleinen Bauern bekommen nicht einmal einen Bruchteil von dem, was den Giganten der Branche zukommt. Ohne eine Wende wird das Bauernsterben kein Ende finden. Dabei ist es doch die bäuerliche Kulturlandschaft, die unsere Heimat auszeichnet.

Bildquelle: uschi dreiucker / pixelio.de

Verwandte Artikel:


Artikel-Metadaten

Datum
02.02.2012

Kategorie



1 Kommentare zum Artikel “„Wir haben es satt!“ – Demo in Berlin”


  1. Anna meint:
    12.02.2012 um 06:50


    An solchen Demos und Protesten sollten sich mehr Menschen beteiligen, denn unsere Landwirte benötigen genauso Unterstützung, wie die Bauern in der Dritten Welt. Und dass Proteste von Konsumenten schon öfters etwas bewegen konnten, haben schon einige Aktionen von Foodwatch gezeigt.