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Corona Krise: Einbruch in der Kreuzfahrtindustrie spart 117.000 Tonnen CO2

Das Bootscharter Online-Portal ZIZOO.com hat die Auswirkungen der Corona Krise auf die Kreuzfahrtindustrie analysiert. Ausgangspunkt war ein Anstieg an Buchungen für individuelle Bootscharter-Touren, der im Kontrast zu den drastischen Buchungsrückgängen bei Kreuzfahrten zu stehen scheint. Es stellt sich die Frage, welche langfristigen Auswirkungen die Corona Krise auf das Reiseverhalten der Deutschen hat. Fest steht: Immer mehr Deutsche möchten sich auch im Urlaub umweltbewusst verhalten.

Chronik der Krise: Die Kreuzfahrtindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel

Die Kreuzfahrtindustrie hat einen Anstieg des CO2-Ausstoßes zu verantworten wie kaum eine andere Branche in Deutschland. Im Jahr 2018 betrugen die Emissionen insgesamt 747.713 Tonnen Treibhausgas, was einem monatlichen Ausstoß von ungefähr 62.000 Tonnen entspricht.

Seit Beginn der Corona Krise kämpft die gesamte Branche mit Ausfällen, Stornierungen und Buchungsrückgängen. Kreuzfahrtexperte Sebastian Hosbach, Betreiber der Buchungsplattform kreuzfahrten.de berichtet: “In Q1 haben wir einen Rückgang bei Kreuzfahrten festgestellt, der noch nicht genau zu bemessen ist. Wir rechnen aber aktuell mit einem Rückgang von 40% zum Vorjahr.”

Seit Mitte März sind Kreuzfahrten dann weltweit völlig zum Erliegen gekommen. Zizoo geht von einem RĂĽckgang der CO2-Emissionen von rund 40 Prozent zwischen Mitte Februar und Mitte März 2020 aus, sowie einem kompletten Stillstand aller Kreuzfahrten bis Ende April 2020. Eine Co2 Einsparung von gigantischen 117.000 Tonnen – und zwar nur fĂĽr die ersten 4 Monate des Jahres 2020, wäre die Folge.

Bewusstsein im Wandel: Warum trifft Corona die Kreuzfahrtbranche besonders hart?

Der japanische Anbieter von Kreuzfahrten Luminous Cruise ist der erste Reiseveranstalter, der als Folge der Corona Krise Insolvenz anmelden musste. Die Meldungen von Passagieren, die viel zu lange in der Isolation des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ verharren mussten, gingen um die Welt. 700 der 3.700 Passagiere erkrankten und wurden nicht in ein Krankenhaus transportiert, sondern ihrem Schicksal auf dem Luxusliner ĂĽberlassen.

Mitte März kam die gesamte Branche zum Erliegen und mindestens 270 Kreuzfahrtschiffe werden stillgelegt. Immer mehr Länder verweigerten den Kreuzfahrtschiffen die Zufahrt in die Häfen. Der deutsche Anbieter Aida Cruises hat als Konsequenz zunächst alle Kreuzfahrten bis Anfang April gecancelt. Inzwischen gilt als sicher, dass der Zeitraum, in dem keine Kreuzfahrten stattfinden, sich wesentlich verlängern wird. Im ersten Quartal betrug der Rückgang der Buchungen 40 Prozent, die Zahl dürfte im zweiten Quartal erheblich höher ausfallen.

Die Corona Krise trifft die Kreuzfahrtindustrie doppelt. Zum einen werden aufgrund der Beschränkungen des öffentlichen Lebens Reisen generell abgesagt und die Menschen angehalten, weitgehend zuhause zu bleiben. Sogar von Reisen innerhalb Deutschlands wird abgeraten. Die Kreuzfahrtindustrie steht jedoch aufgrund des von ihr erzeugten CO2-Ausstoßes, der immer riesigere Dimensionen annimmt, generell in der Kritik. Meldungen über die gigantischen Einsparungen, die durch das zum Erliegen gekommene Kreuzfahrtgeschäft erreicht werden, fördern ein Umdenken in der Gesellschaft. Damit wird wiederum das ohnehin wachsende Bewusstsein für ein umweltfreundliches Reiseverhalten gestärkt. Außerdem bewirkt die Corona Krise, dass viele Menschen vielleicht auch zukünftig vermeiden werden, in großen Gruppen auf engem Raum zu reisen. Das Bewusstsein für die damit verbundenen Gefahren steigt mit zunehmender Verschärfung der Krise an.

Touristen wählen andere Formen des Urlaubs auf dem Wasser

Insbesondere die Generation Z sowie die Millennials sind Vorreiter eines Umdenkens und wählen zunehmend Reiseformen, bei denen sie einen möglichst kleinen CO2-Abdruck hinterlassen. Nachhaltigkeit wird zum Stichwort und das führt dazu, dass lange Flugreisen oder Kreuzfahrten vermieden werden. Ein Viertel der jungen Erwachsenen empfindet Scham bei der Buchung von Flugreisen an weit entfernte Reiseziele. Man ist sich des eigenen Beitrags für die Bekämpfung des Klimawandels bewusst.

Doch was bedeutet das für Urlauber, die ihre Ferien am liebsten auf dem Wasser verbringen? Es werden andere Urlaubsformen gewählt. Die von ZIZOO, veröffentlichte interne Daten-Analyse verzeichnet einen Anstieg bei der Buchung von Katamaranen und Segelbooten mit Skippern. Auch hinsichtlich der Reiseziele wird eine Verschiebung, zugunsten des eigenen Korridors in Nord- und Ostsee, festgestellt. Kreuzfahrtfans tendieren anscheinend zumindest für den Sommerurlaub 2020 zu selbst gecharterten Segelbooten, um zu vermeiden, mit zu vielen Personen in engen Kontakt zu kommen und eine bessere CO2-Bilanz beim Urlaub auf dem Meer zu erreichen.

Blick zum Hamburger Hafen

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Datum
23.03.2020

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1 Kommentare zum Artikel “Corona Krise: Einbruch in der Kreuzfahrtindustrie spart 117.000 Tonnen CO2”


  1. Christoph meint:
    25.03.2020 um 17:14


    Ich befĂĽrchte aber, dass der GroĂźteil jetzt „umweltbewusster“ Urlaub machen möchte, weil die Krise Angst verbreitet hat.

    In ein paar Monaten, wenn die Corona-Krise ĂĽberstanden ist, werden wir wieder in unser altes Schema zurĂĽckfallen und BilligflĂĽge buchen und auf Kreuzfahrtschiffen durch die Welt schippern.