Das Aus für Diabetiker-Lebensmittel
Was früher für Diabetiker als unerlässlich galt, ist heute laut Ernährungsexperten kurzum hinfällig. Der Verbrauch von Diabetiker-Lebensmitteln nütze nichts, so das Credo einiger Forscher. Die positive Wirkung von Diätprodukten sei nicht nachweisbar.
Nun will der Ausschuss des Bundesrats für Agrarpolitik und Verbraucherschutz das Aus von Produkten für Diabetiker beschließen und entsprechende Produkte vom Markt nehmen.
Anzunehmen wäre indes, dass die Industrie postwendend auf die Barrikaden geht, was jedoch fast völlig ausblieb. Und das, obwohl das Geschäft mit Diabetiker-Lebensmitteln laut Thomas Danne, dem Präsidenten der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, außerordentlich lukrativ sei. Die Summe belaufe sich gemäß des Onlinemagazins Stern auf über eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr.
Tatsache ist jedoch, dass der Diätmarkt seit Jahren schwächelt. Die Hersteller haben sich längst damit abgefunden und versuchen bereits neue Produkte für die Zielgruppe zu lancieren. Zeit genug haben sie ja: Denn es gibt eine Übergangsfrist von zwei Jahren. Bis 2012 dürfen Unternehmen noch Diabetiker-Lebensmittel produzieren. Das letzte Produkt wird erst dann von der Bildfläche verschwunden sein, wenn es verkauft wurde.
Ähnlich wie bei vielen anderen Produkten ist der Nutzen von speziellen Diabetiker-Lebensmitteln gleich null. So war es schließlich auch im Hinblick auf die in Lebensmitteln über Jahrzehnte hinweg verwendeten Farb- und Konservierungsstoffe. Genau so lauthals wie Handel und Industrie einst die Notwendigkeit von Konservierungsstoffen für die Haltbarkeit von Produkten suggerierten, bewerben sie heute Produkte mit
der Note „ohne Farb- und Konservierungsstoffe“. Was früher als unmöglich galt, wurde innerhalb kürzester Zeit zum profitorientierten Verkaufsschlager. Dieses Verhaltensmuster dürfte die einseitigen Interessen der Lebensmittelbranche verdichten.
Die Politik scheint jenem Missbrauch völlig gleichgültig gegenüber zu stehen. Vielmehr beteiligt sie sich an der offenkundigen Verbrauchertäuschung. Erst jetzt, wo der „Hype“ um Diätprodukte längst überwunden wurde, werden sie tätig. Wo liegt die Verantwortung? Unserer Ansicht nach ist sowohl Politik als auch Handel und Industrie für den Verkauf von gesunden Lebensmitteln verantwortlich. Ferner ist die Verbrauchertäuschung deutlich stärker zu ahnden als dies bisher der Fall war!
Deutschland braucht gesunde, faire Lebensmittel und keine Produkte, die zu überteuerten Preisen gewinnbringend veräußert werden.




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