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Das Projekt „Resource Recovery“ – Fäkalien-Entsorgung in Westafrika

Im Gespräch mit Fredrik Sunesson

Das Blacksmith Institute hat die Elektromülldeponie von Accra, der Hauptstadt von Ghana (Westafrika), erst 2013 in die Liste der schmutzigsten Plätze der Welt aufgenommen. Aber in Accra floriert nicht nur der Handel mit Elektroschrott, wie für viele andere Orte in Afrika ebenfalls üblich, sondern dort werden auch – bedingt durch schlechte Infrastruktur und andere Faktoren – täglich mehr als 200 LKW-Ladungen mit Fäkalien unbehandelt in den Golf von Guinea (Atlantischer Ozean) gekippt. Fredrik Sunesson hat sich zum Ziel gesetzt, diese Situation zu ändern und im wahrsten Sinne des Wortes „aus Scheiße Geld zu machen“. Umwelt & Aktiv hatte als erstes deutschsprachiges Umweltmagazin die Möglichkeit, mit Herrn Sunesson exklusiv zu sprechen.


Sehr geehrter Herr Sunesson, seit 2012 arbeiten Sie an Ihrem Projekt, das Sie selbst „Resource Recovery“ (Resourcen-Rückgewinnung) nennen. Um es provokant zu formulieren, arbeiten Sie und Ihr Team an einem System, das die Fäkalien – man könnte auch sagen die Scheiße – von vier Millionen Einwohnern u.a. in Dünger verwandeln soll. Wir können uns vorstellen, daß das etwas sehr Ungewöhnliches für unsere Leser ist. Können Sie daher Ihr Projekt einmal vorstellen?

Nachdem ich zwanzig Jahre im Bereich der internationalen Entwicklung mit NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) und mit Unternehmen im Bereich der Mikrofinanzierung gearbeitet habe, realisierte ich, daß viele dieser Organisationen zwar eine gute Arbeit leisten, sie aber häufig keine dauerhafte Verbesserung für die lokale Bevölkerung bewirken. Im Jahr 2012 – ich suchte bereits nach Möglichkeiten, die beschriebene Situation zu ändern – sah ich einen LKW, der Fäkalien in Accra beförderte. Ich entschied, dem LKW zu folgen und war geschockt, als ich sah, daß er einen Strand in der Mitte von Accra Stadt ansteuerte – ganz in der Nähe der beiden am dichtesten besiedelten Städte (Jamestown und Old Fadama) und einem sehr geschäftigen Fischer-Dorf. Nachdem ich mit dem LKW-Fahrer gesprochen hatte, erfuhr ich, daß, obwohl ein gutes System existiert, um den Klärabfall zu sammeln, es keine Stelle gab, wo der Müll sicher entsorgt werden konnte. Die örtlichen Behörden haben den Platz, an dem die LKW-Fahrer ihren Müll abladen, ironischerweise Lavender Hill (Lavendel Hügel) genannt, genehmigt und erheben eine Entsorgungsgebühr von den LKW-Fahrern für die direkte Entsorgung der LKW-Ladungen ins Meer.

Ich habe dann nach den großen, millionenteuren Müll-Entsorgungsstätten gefragt, die mit Unterstützung aus dem Ausland gebaut wurden und die von Lavender Hill aus gut sichtbar sind. Man informierte mich, daß diese Anlagen geschlossen wurden, nachdem sie nur für kurze Zeit betrieben wurden. Hauptsächlich deshalb, weil sie unter den lokalen Bedingungen nicht betrieben werden konnten. Des Weiteren waren diese Anlagen gedacht, um Klärabfälle zu behandeln, aber weniger als 20% der Stadt sind an die Kanalisation angeschlossen. Der restliche Müll kam von Klärsystemen und es gab einfach keine andere Möglichkeit, diesen Müll zu entsorgen, als ihn direkt ins Meer und die lokalen Wasserwege zu leiten.

Ich sprach dann mit Freunden aus Schweden, die in der Müllentsorgungsbranche gearbeitet haben, über dieses Problem und wurde an eine dänische Firma verwiesen, die über 50 Jahre Erfahrung in der Verarbeitung von flüssigem Abfall hat. Als ich die Herausforderung schilderte, die mit der Nachhaltigkeit der Müllentsorgung in Afrika verbunden ist, stellten sie mir eine Technik zur Dehydrierung von Klärabfall vor, die in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg weit verbreitet war, also zu einer Zeit, als Müllentsorgung durch Infrastrukturprobleme und generelles Fehlen von technischer Expertise schwierig war. Diese Technik zur Dehydrierung war ideal für die Behandlung von Klärabfällen unter den typischen westafrikanischen Bedingungen. Sie ist von der Infrastruktur unabhängig, kostengünstig und kann mit sehr wenig Energie betrieben werden. Diese Technik eignet sich außerdem bestens für Klärabfall, der potentiell sehr lange in Abwasserbehältern gelagert wird. Es funktioniert, indem man ein Polymer in einem geschlossenen, geruchslosen System einsetzt, um so schnell und effizient das Wasser von den festen Bestandteilen zu trennen. Die geruchslosen, festen Bestandteile trocknen auf einem festen Untergrund in der Sonne und können dann wieder weiterverarbeitet werden, z.B. zu Kompost, Kohle oder Biosprit.

2012 gründete ich mein Unternehmen, die Slamson Ghana Ltd. und präsentierte der Accra Municipal Assembly (kurz: „AMA“) unverzüglich einen Geschäftsplan. In einer öffentlich-privaten Vereinbarung hat mein Unternehmen anschließend in einem Pilotprojekt eine Dehydrierungsanlage in der Nähe von Lavender Hill entworfen, gebaut und betrieben. Zwischen 2013 und 2015 behandelten wir 600 m3 Klärabfälle täglich – das heißt, wir verhinderten, daß täglich über 600.000 Liter unbehandelte Klärabfälle direkt in das Meer entsorgt wurden.

Auf Basis des erfolgreichen Pilotprojekts erhielt Slamson 2,7 Millionen US-Dollar an Förderung von der Dänischen Agentur für Entwicklungshilfe (Danida), um eine weitere Anlage bei Lavender Hill zu bauen und zu betreiben, die zusätzliche 800 m3 Klärabfälle verarbeiten kann. Kurze Zeit später, als führender Partner eines internationalen Konsortiums, bekam Slamson weitere 4,3 Millionen Euro an Fördergeldern der RVO, der Netherlands Enterprise Agency (RVO), um eine Anlage zu bauen, die den getrockneten (Klär-)Schlamm der Danida-Anlage verarbeitet, um organischen Kompost herzustellen, der an örtliche Bauern verkauft werden soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2016 geplant. Das wird dann die erste, komplette Müllwiederverwertungsanlage im Sub-Sahara Afrika sein, die im großen Stil funktioniert und welche die komplette Müll-Wiederverwertung von Anfang bis Ende kontrolliert (d.h. vom unbehandelten flüssigen Müll bis zum kommerziellen Produkt).

In einem Artikel auf bloomberg.com vom August 2014 konnte man lesen, daß Accra über keine funktionierende Kanalisation verfügt, so daß die vier Millionen Einwohner entweder öffentliche Toiletten benutzen oder „ihr Geschäft“ in der freien Natur verrichten. Zusätzlich gibt es mit Agbogbloshie, einer der zehn weltweit schmutzigsten Plätze, ein weiteres großes Umweltproblem. Ist das normal für Afrika oder ist Accra, was die Behandlung von Müll angeht, ein Extrembeispiel?

Accra ist typisch für das, was im Rest von Afrika passiert und ist wahrscheinlich noch besser dran als viele andere wachsenden Städte wie z.B. Dakar und Dar-es-Salam. Accra besitzt eine Kanalisation, die weniger als 20% der Stadt abdeckt und während sie zwar „funktioniert“ (soll heißen: Man kann die Spülung betätigen und die Fäkalien verschwinden irgendwohin), endet der Müll ohne jegliche Behandlung direkt in den lokalen Wasserwegen. Im Großteil von Afrika ging das Wachstum der Städte schneller voran als die Städteplanung und es ist daher nun logistisch und ökonomisch sehr problematisch, in bereits sehr dicht besiedelten Städten eine Infrastruktur für Müll zu installieren.

Die florierende Altmetall-Industrie führte dazu, daß Agbogbloshie auf der Liste der schmutzigsten Plätze der Welt aufgeführt wird. Das lukrativste Produkt, das man sammeln und zerlegen kann, ist Elektroschrott. Hier verbrennen die „Recycler“ Plastik und Isolation am Flußbett, um wertvolle Metalle (z.B. Kupfer) freizulegen und sie weiter zu verkaufen.

Die so genannten Lavender Hills sind Accras Ort für die Fäkalien-Entsorgung. Entspricht es wirklich den Tatsachen, daß die Fäkalien dort seit 1920 entsorgt werden? Es ist die Rede von etwa 200 LKWs, die täglich Fäkalien direkt ins Meer entsorgen.

Aktuell gibt es keine wirklich verläßlichen Zahlen darüber, wie viele LKWs ihre Ladung täglich bei Lavender Hills in das Meer kippen. Selbst wenn es Zahlen geben sollte, sind diese nicht öffentlich zugänglich. Slamson ist dort seit 2013 tätig und 200 LKWs (also 2.000 m3 oder 2.000.000 Liter Fäkalien) dürften der Realität sehr nahe kommen. Selbstverständlich wächst diese Zahl, da mit der wachsenden Bevölkerung und der kommerziellen Entwicklung auch die Menge an Fäkalien ansteigt. Diese Praxis der Fäkalienentsorgung wurde 1923 mit dem Bau des Korle Bu Teaching Krankenhauses unter britischer Führung gestartet. Seit dieser Zeit ist Lavender Hill immer ein offiziell genehmigter Ort für die Entsorgung gewesen.

Im Jahr 2013 war es Ihr erklärtes Ziel, Lavender Hill komplett „abzuschalten”. Warum haben Sie das bisher nicht geschafft? Spielt Korruption dabei eine Rolle?

 

Slamson arbeitet an rea-listischen Lösungen für die unperfekten Realitäten des Müll-Managements in Afrika. Viele dieser unperfekten Realitäten haben mit konkurrierenden politischen Interessen, Monopolen in der Müllentsorgung und anderen ökonomischen Herausforderungen zu tun. Die einfache Antwort, warum Lavender Hill noch nicht abgeschaltet wurde, ist die Tatsache, daß es billiger und viel einfacher ist, den unbehandelten Müll ins Meer zu entsorgen als eine Einrichtung zu bauen, die den Müll aufbereitet und weiterverwertet.

Obwohl Millionen von Dollar ausländischer Investitionen genutzt wurden, um zu versuchen, das Müll-Problem in Accra in den Griff zu bekommen, wurden diese Millionen in Technologien investiert, die in Afrika keinen Platz haben. Aber wenn die örtlichen Regierungen gefragt werden, ob sie 20 Millionen Euro für eine moderne Müllverarbeitungsanlage haben wollen, sagen sie selbstverständlich „Ja, bitte!“, auch wenn diese Anlage nicht langfristig betrieben werden kann.

Korruption ist in Afrika genau wie irgendwo sonst auf der Welt ein Problem. Sie ist anders verpackt und es erscheint daher schädlicher in Bezug auf die Entwicklung des Kontinents. Wie auch immer, wenn das System funktioniert und es wirklich betreibbar ist und du dich von Hindernissen auf deinem Weg nicht abbringen läßt, kannst du einige der unperfekten Realitäten überwinden und nachhaltige Geschäfte in Afrika aufbauen.

Sie sagten, daß Sie nichts mehr aus dem Meer essen, weil Sie die Situation bzgl. der Müll-Entsorgung kennen. Aber auf der anderen Seite ist da z.B. der Jamestown Fresh Fish Market in der Nähe von Lavender Hill. Essen nur noch die Armen Fisch aus dem Meer? Und können Sie uns etwas mehr über die Auswirkungen auf die Umwelt sagen?

Die Fischerei gehört zum Leben der Ghanesen und ist für viele Bewohner der Küstenregionen ein Lebensgefühl. Die Entsorgung von Klärabfällen ist für viele Fischer-dörfer schon sehr lange Realität und es scheint die meisten Menschen nicht zu tangieren. Einheimische und Ausländer essen Meeresfrüchte und Fisch aus den lokalen Gewässern in großen Mengen. Weil ich in der Branche arbeite, sehe ich, was im Meer entsorgt wird und bin daher nicht großartig interessiert, etwas aus diesen Gewässern zu essen. Ich hörte von Leuten, die von Fisch aus den lokalen Gewässern krank geworden sind, aber das kann auch an schlechten Hygiene-Praktiken bei der Zubereitung liegen. Es ist schwer, die ökologischen Auswirkungen, die die direkte Entsorgung von Fäkalien ins Meer haben, abzuschätzen. Zusätzlich zu den Klärabfällen wird die Region um Lavender Hill noch von anderen Praktiken konterminiert. Darunter fallen Industrieabfälle oder Elektroschrott-Verbrennung. Ausbrüche von Cholera treten typischerweise in den Städten Old Fadama und Jamestown von Accra auf, die in der Nähe von Lavender Hill sind. Die hohe Häufigkeit von Cholera in diesen Gegenden ist den schlechten sanitären Praktiken zuzuschreiben, welche auch die Entsorgung von Klärabfällen bei Lavender Hill einschließt.

In einem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung sagten Sie, daß bereits 2000 eine moderne Kläranlage gebaut wurde, die nach kurzer Zeit aufgehört hat zu funktionieren, weil sie nicht gewartet wurde. Die Kosten für diese Anlage beliefen sich auf 22 Millionen US- Dollar. Und es gibt anscheinend noch weitere solcher sogenannten „weißen Elefanten“. Ist das wirklich wahr? Es scheint unglaubwürdig, daß eine NGO 22 Millionen US-Dollar für den Bau einer solchen Anlage investiert, ohne auch für den Betrieb Sorge zu tragen.

Im Projekt-Sponsoring machen viele internationale Entwicklungsorganisationen, ausländische Investoren und NGOs ihre Hausaufgaben und entwerfen machbare und nachhaltige Pläne. An diesen Plänen ist nichts Falsches. Aber unglücklicherweise haben die meisten der Menschen, die diese Pläne erstellen, nicht länger als ein paar Jahre in Afrika gelebt und kennen daher die Realität der Infrastruktur-Unterhaltung vor Ort nicht.

Solange die Gruppe, die die Anlage entworfen und gebaut hat, vor Ort ist, wird sie funktionieren; sobald sie weg ist, wird sie sehr wahrscheinlich aufhören zu funktionieren weil 1) die operativen Kosten zu hoch sind, 2) es zu teuer ist, die benutzte Technologie durch etwas den örtlichen Gegebenheiten Angepaßtes auszutauschen oder 3) lokale Regierungen kein Interesse daran haben, eine Anlage zu warten, die sie weder geplant noch gebaut haben. Das Prinzip ist einfach: Wenn du selbst etwas geplant und dafür bezahlt hast, wirst du dich auch besser darum kümmern. Leider haben die örtlichen Regierungen das Geld nicht und so wird die Infrastruktur-Entwicklung durch ausländische Investitionen realisiert.

In einem Youtube-Video von Ihnen kann man Arbeiter ohne Schutzkleidung und ohne Atemmasken sehen, die mit dem Klärabfall arbeiten. Sie selbst tragen nur Handschuhe. Ist der Klärabfall nach der ersten Behandlung im Rückgewinnungs-Prozeß bereits total harmlos und riecht er nicht mehr? Ist die Verbreitung von Pathogenen (Bakterien, Pilze, Protozoen oder Parasiten) kein Problem?

LKW-Fahrer mit Klärabfällen kommen zu unserer Anlage und leeren die Klärtanks in unsere Aufbewahrungstanks. Wir empfehlen den Fahrern, Handschuhe und Stiefel zu tragen, aber es sind private Dienstleister, die ihre Arbeit auf ihre Weise erledigen und sich nicht gerne reinreden lassen.

In unserem System zur Dehydrierung wird der Klärschlamm in Tanks gepumpt und befindet sich dann unter einer biologischen Kruste. Anschließend bleibt der Klärabfall in einem geschlossenen System von Schläuchen, Pumpen und Behältern, während das Polymer arbeitet und die Feststoffe von der Flüssigkeit trennt. Und weil der Abfall nicht in Kontakt mit Luft kommt, ist dieser Prozeß geruchslos. Sobald der Großteil des Wassers von den Dehydrierungstanks abgeflossen ist, sind die übrig bleibenden Feststoffe, die auf Trocknungsbetten gepumpt werden, geruchslos. Der Geruch entsteht hauptsächlich, weil die im Wasser entstehenden Bakterien mit den Feststoffen arbeiten.

Der Dehydrierungs- und Trocknungsprozeß hilft auch effektiv, die in den Feststoffen enthaltenen Pathogene zu vermindern. Wurmeier, zum Beispiel, sterben, wenn sie in Kontakt mit dem Polymer kommen, das uns hilft, den Kompostierungsprozeß zu beschleunigen. Menschliche Fäkalien zu benutzen, um „veredelte“ Produkte wie Kompost herzustellen, ist keine neue Erfindung. Unser Unternehmen hält sich an die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation und der International Biochar Initiative bzgl. der Verwendung von getrockneten Feststoffen aus menschlichen Fäkalien für die Produktion von Biokohle – einem Grundstoff für Dünger, Kompost oder Kohle.

Und für Wasser gibt es zwei internationale Standards, um die Qualität zu messen: Biological Oxygen Demand (BOD) und Chemical Oxygen Demand (COD). Slamson hat das Wasser, das den Dehydrierungsprozeß verläßt, zwischen 2013 und 2015 mehrfach getestet. Wir fanden heraus, daß der Dehydrierungsprozeß die BOD- und COD-Werte um 75% im Vergleich mit dem unbehandelten Klärabfall reduziert. Mit weiteren Filtervorgängen ist das Wasser komplett sauber und genießbar.

Im Jahr 2013 stellten Sie bereits aus 750.000 Litern an Fäkalabfällen Tonnen von Dünger her. Wie sehen die Zahlen heute aus? Und verkaufen Sie den Dünger? Oder nutzen Sie den Dünger selbst und züchten Pflanzen damit? Können Sie auch andere Produkte als Dünger, z.B. Heizmittel oder Benzin herstellen? In dem bereits erwähnten Gespräch mit der NZZ gaben Sie an, daß Sie den Einsatz von Maden planen. Worum handelt es sich hierbei? Und was ist mit Ihren Plänen, das gereinigte Wasser des Dehydrierungsprozesses für Fisch-Farmen zu nutzen?

Mit unseren internationalen Partnern werden wir eine organische Kompostierungsanlage bauen und betreiben. Diese Anlage wird neben der Dehydrierungsanlage eingesetzt. Ende 2016 wird diese Anlage betriebsfertig sein. Wir erwarten für das frühe 2017 bereits eine Produktion von 250 Tonnen organischen Kompost pro Woche. Die Zielmärkte für diesen Kompost sind die Bauern in der Stadt und in den Außenbezirken, die es in und um Accra herum gibt.

In der Zeit von 2013 bis 2015, in der Slamson den Piloten der Dehydrierungsanlage in Accra betrieben hat, untersuchten wir auch andere Wege, um Fäkalienschlamm zu nutzen. So zum Beispiel zur Fischfütterung und Biobenzin-Produktion. Das Wasser muß vor der Nutzung noch einmal gereinigt werden und wird dann typischerweise im agrikulturellen Bereich (Landwirtschaft / Ackerbau) eingesetzt. Aber von allen Produkten, die wir untersucht haben, ist das spannendste die Biokohle. Die Produktion von Biokohle aus Fäkalienschlamm ist spannend, weil es die erste Energiequelle sein wird, die mit der Größe der Bevölkerung wächst: Je mehr Leute auf die Toilette gehen, umso mehr Rohmaterial für die Herstellung von Biokohle steht zur Verfügung. Lokale Müllverarbeitungsanlagen, die Biokohle herstellen, können eine wirkliche Verbesserung für die Umwelt und die sozioökonomischen Bedingungen der Städte bewirken.

Sie erhalten bis 2020 insgesamt 3 Millionen US-Dollar von der dänischen und niederländischen Regierung. Worin bestehen diese Kooperationen und warum investieren diese Nationen Geld in Ihr Projekt?

Dänemark und die Niederlande haben beide sehr lange historische und ökonomische Beziehungen mit Ghana. Die beiden Staaten stellen einen substantiellen Teil der ausländischen Subventionen für Entwicklungsprojekte zur Verfügung. In der Vergangenheit wurden ausländische Investitionen als direkte Hilfe zur Verfügung gestellt, aber in den letzten fünf Jahren wurde der Fokus auf Investitionen in öffentlich-private Partnerschaften gesetzt. Slamson wurde hier als starker Partner für diese Art von Investitionen identifiziert, weil das Unternehmen Wurzeln in Europa und Ghana hat und es hochwertige Resultate in relativ kurzer Zeit erreichte.

Nach all dem, was wir über Ihr Resource Recovery Projekt gehört haben, denken wir, daß es in ganz Afrika und anderen Ländern, die ebenfalls ein Fäkalienproblem haben, erfolgreich sein könnte. Was sind Ihre Pläne für die nächsten 5 bis 10 Jahre?

Seit der Gründung von Slamson im Jahre 2012 habe ich die Notwendigkeit in vielen Städten in Ghana gesehen, städtische Dehydrierungs- und Müllverwertungsanlagen zu etablieren. Über die letzten Jahre erhielt ich viele Beratungsanfragen von vielen anderen Ländern der Sub-Sahara wie Tansania, Mosambique, Kenia, Gambia, Uganda und der Republik Kongo. Nachdem ich einige dieser Länder besuchte, habe ich erkannt, wie weit verbreitet die Notwendigkeit des Resource Recovery Projekts in den meisten Teilen von Sub-Sahara Afrika ist. Es ist ein Problem, daß die Entsorgung von Klärabfällen in die Wasserwege in den meisten Regionen von Afrika einfach und legal ist. Es werden dringendst Investitionen und Spenden benötigt, um diese für die Umwelt schlimmen Praktiken zu ändern.

In 5 bis 10 Jahren sehe ich mich selbst das tun, was ich auch heute tue – ich werde hier sein trotz der Frustrationen und der Hindernisse, die mir in den Weg gelegt werden. Nach einer langen Karriere in der Entwicklungshilfe weiß ich, daß die Zukunft immer ungewiß ist. Ich kann nur hoffen, daß mein Team die nachhaltige Verbesserung realisieren wird, die ich als Vision hatte,  als ich dem ersten LKW mit Klärabfällen nach Lavender Hill gefolgt bin.

Sehr geehrter Herr Sunesson, wir danken Ihnen sehr für dieses sehr interessante und angenehme Gespräch. Für Ihr Projekt wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg!

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