Umwelt & Aktiv

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Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Im GesprÀch mit Holger Strohm

Nachdem ich in den bedrĂŒckenden „Genuß“ der Anti-AKW-Dokumentation „Friedlich in die Katastrophe“ gekommen war (Besprechung in Ausgabe 4-2012), stand fest, daß ich den Produzenten Holger Strohm fĂŒr „Umwelt & Aktiv“ befragen muß. Der Herr Doppel-Doktor und MitbegrĂŒnder der Anti-AKW-Bewgung entpuppte sich als Ă€ußerst angenehmer und redegewandter Diskussionspartner, der mir sogleich das Du anbot. Diese freundliche Geste wurde im nachfolgenden GesprĂ€ch beibehalten, auch wenn es unĂŒblich ist. In nicht ganz fernliegender alt-linker Art wurde mir so mancher Kraftausdruck serviert und jede Menge Munition fĂŒr weitere Diskussionen geliefert. Holger Strohm wußte dabei zu ĂŒberzeugen als Mann mit fester, aber gĂŒtiger Stimme, der jeden Satz ohne Zögern vorbrachte. Jedes Wort angesetzt wie ein chirurgischer Schnitt. Seine BĂŒcher lege ich jedem Leser dringend ans Herz, ebenso wie den Film. Wer nach einer FilmauffĂŒhrung oder einem Vortrag die Gelegenheit hat, mit Holger Strohm zu reden, sollte diese Chance auf jeden Fall nutzen. Holger spricht von seinem „letzten Versuch“ – möge er unrecht haben und den MĂ€chtigen dieser Welt noch lange die Stirn bieten!

Umwelt & Aktiv: Kommen wir direkt zu Deinem neuen Film „Friedlich in die Katastrophe“. Er wurde von einigen Zuschauern mit Herbert Gruhls „Himmelfahrt ins Nichts“ verglichen. Ist das fĂŒr Dich ein Lob? War Herbert Gruhl vielleicht sogar eine Inspirationsquelle fĂŒr Dich, den Film gerade so zu produzieren?

Holger Strohm: Das wĂŒrde ich nicht sagen. Herbert Gruhl hat sicherlich seine Verdienste. Er ist ganz frĂŒh als echter UmweltschĂŒtzer aufgetreten. Er ist dabei gleich von seiner Partei gestoppt worden und im Grunde aus der Partei herausgeekelt worden. Ich fĂŒhle mich allen UweltschĂŒtzern verbunden, auch wenn ich vielleicht eine andere politische Meinung habe. Ich habe ja viel mit den AnfĂ€ngen der „Bunten Liste“ in Hamburg zu tun. Dort haben viele Kommunisten mitgemacht. Denen ging es aber nicht um Umweltschutz, sondern nur um die politische Karriere. Die also das Thema als Vehikel benutzt haben.

U&A: „Himmelfahrt ins Nichts“ war eine Abrechnung. Das Buch hat keine Hoffnung gemacht. Glaubst Du, daß Dein Film im Gegensatz zu Gruhls Buch Hoffnung macht?

HS: Wir haben vor einen zweiten Film zu machen und wollen dort mehr Alternativen einbringen. Aber dieser Film jetzt soll vor allem aufrĂŒtteln. Er soll den Leuten klarmachen, daß wenn wir so weitermachen, wir uns selbst vernichten. Daß wir unsere Kinder und Kindeskinder ausrotten. Es ist also eher ein Appell, eine Materialsammlung, daß wir unbedingt, unsere Politik Ă€ndern mĂŒssen. Da wird nicht so sehr Hoffnung gemacht.

Ich habe selbst kaum Hoffnung. Wenn man die Sache realistisch betrachtet: Ich bin jetzt 42 Jahre in der Anti-AKW-Bewegung und ich weiß, wie der Mensch ist. Er will es nicht wissen. Das ist ja auch geschichtlich verbĂŒrgt. Jede Kassandra wurde letztlich ans Kreuz genagelt, ermordet oder zumindest ohne Ende schikaniert. So ein bißchen hat man mich auch hĂ€ufig mit Kassandra verglichen. Einem, der als erster mit Themen wie Genmanipulation oder Atomenergie und so weiter und so fort kam. Und deshalb habe ich natĂŒrlich kaum noch Hoffnung. Aber ich muß trotzdem weiterkĂ€mpfen. Ich will zumindest nicht teilnehmen an dem grĂ¶ĂŸten Verbrechen der menschlichen Geschichte.

U&A: Du hast nach eigenen Angaben Deine ganzen Ersparnisse in den Film gesteckt. Er hat 100.000 Euro in der Produktion gekostet. 1 Million Euro hĂ€tte er gekostet, wenn nicht so viele Ehrenamtliche mitgewirkt hĂ€tten. Wieso opfert ein Mann seine ganzen Ersparnisse fĂŒr so einen Film?

HS: Einmal hoffe ich natĂŒrlich, daß sich das Geld wieder irgendwie einspielt. Aber geht nicht um das Geld verdienen. Es geht um etwas Ideelles. Ich habe 42 Jahre fĂŒr eine bessere Zukunft gekĂ€mpft: Gegen MißstĂ€nde, gegen Rechtsbruch und fĂŒr die Umwelt und das ist mir ein Anliegen. Ich finde, das ist sehr wichtig. Ich habe das gute GefĂŒhl, das Richtige zu tun. Ich bin in 42 Jahren nie gekrochen, bin immer aufrechten Ganges gegangen, ich habe soviel Ärger bekomen… Da wĂ€re es wahnsinnig, jetzt meine Politik zu Ă€ndern.

Warum? Ich hĂ€tte wirklich viel Geld verdienen können, hĂ€tte mich korrumpieren lassen können. Man hat mir das angeboten. Ich habe abgelehnt und wĂŒrde es auch heute ablehnen. Ich möchte aufrechten Ganges ins Jenseits gehen.

U&A: Eine Kritik, die nach dem Film aufkam, sowohl durch Ă€ltere Zuschauer, wie auch durch junge Frauen: Zu viele Kinderleichen!!! Soviel Elend, daß man zu der Musik hĂ€tte anfangen können zu weinen. Es wurde auch geweint. War das wirklich nötig?

HS: Viele Menschen haben in den vorherigen Vorstellungen geweint. Insbesondere viele MĂ€nner., die das auch offen gesagt haben. „Greenpeace“ versucht seit 30 Jahren die Menschheit aufzurĂŒtteln, also in Deutschland. International noch viel lĂ€nger. Andere Organisationen auch. Ich selbst habe viele BĂŒcher geschrieben und viele VortrĂ€ge gehalten. Ich habe dabei gemerkt, daß es eine Schicht beim Menschen zu durchstoßen gilt. Eine Schicht des Nichtwissens und vor allem des Nicht-wissen-wollen. Eine Schicht, die nur Ereignisse wie Tschernobyl und Fukushima durchbrechen können und die Betroffenheit auslösen. Diese Schicht, diese Barriere zu durchstoßen, geht nur mit ganz brutaler Wahrheit.

Diese Dinge, die wir in „Friedlich in die Katastrophe“ gezeigt haben, sind ja die RealitĂ€t. Das ist keine Phantasterei. Es sind die Folgen der Atomenergie, die wir dort zeigen. In Hamburg hatten wir den Fall, daß das einigen fĂŒhrenden Atomgegner nicht gefallen hat, weil das zu pessimistisch sei. Die sind dann vn jungen Frauen gefragt worden: „Soll der Holger so lange lĂŒgen, bis es Dir gefĂ€llt? Was bist Du denn fĂŒr ein Atomgegner?“ Genau das trifft es. Ich fĂŒhle mich der Wahrheit verpflichtet und ich glaube, nur wenn die Menschen die bittere Wahrheit kennen, werden sie sich vielleicht aufraffen. Nur dann werden sie die Erkenntnis gewinnen, daß sie etwas tun mĂŒssen. Daß sie eine 180-Grad-Wendung vollziehen mĂŒssen.

Dies ist einer der letzten Versuche. Ich bin 70 Jahre alt. Ich werde jetzt fĂŒnf Jahre lang mit dem Film durch die Republik tingeln, weil er sonst auf allen Ebenen boykottiert wird. Das sehen wir jetzt schon. Es hat sich das verwirklicht, was mir renommierte Filmschaffende schon prophezeit haben. Ich mach das hier nicht zum Spaß und nicht, um reich zu werden. Ich werde auch nicht reich. Ich bekomme nur neue Feinde, neues Elend, neuen Ärger.

Aber danach werde ich 75 Jahre alt sein. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch machen kann, wie lange ich das noch physisch durchhalte. Das hier ist mein letzter Versuch. Wenn es mir nicht gelingt, dann kann man die Menschheit praktisch aufgeben. So bitter das klingt. Ich mache das auch nicht fĂŒr meine Generation oder die darunter. Die sollen sich verdammt nochmal selber wehren. Und wenn sie zu dumm oder zu bequem sind, dann sollen sie untergehen, dann haben sie es verdient. Ich mache es fĂŒr die Kinder und die Ungeborenen, die sich nicht wehren können. Ich empfinde es als das schlimmste Verbrechen ĂŒberhaupt, wenn wir unsere eigenen Kinder und Kindeskinder ausrotten.

U&A: Der Film ist hochgradig professionell. Er könnte in jedem Fernsehprogramm zu Hauptsendezeit laufen. Es wĂ€re ihm zu wĂŒnschen, wird aber wohl nicht so kommen. Aber Du hast jedenfalls Hilfe bzw. Helfer gehabt. Kannst Du uns darĂŒber mehr erzĂ€hlen?

HS: NatĂŒrlich. Das sind junge Absolventen der Medienakademie, die sich innerhalb des Studio Hamburgs befindet. Es gibt dort also einen direkten Praxisbezug. Der Regisseur ist ein junger Pole. Der hat auch andere Filme gemacht, in denen man sein Talent bereits sehen konnte. Er ist sehr engagiert. Da ist ein weiterer Absolvent, der die Animationen gemacht hat in dem Film. Der hat daran ein ganzes Jahr gesessen.

Man muß sich das mal vorstellen. Zu ihm, dem Regisseur, habe ich gesagt daß wir jetzt noch den zweiten Film machen mĂŒssen, als Bonus-DVD. Da hat er zu mir gesagt, sein Konto sei mit 1.500 Euro ĂŒberzogen und er wĂŒrde aus der Wohnung fliegen, weil er seine Miete nicht zahlen könne. „Ich kann nicht mehr, ich muß arbeiten und Geld verdienen“, sagte er. Da haben wir Gott sei Dank einen gefunden, der dem jungen Mann ein zinsloses Darlehen gewĂ€hrt hat, damit er weiterarbeiten kann. Denn der Film ist wichtig. Wir haben also viele Leute, die ideell hinter uns stehen. Auch aus dem Lager der sehr etablierten Film- und Fernsehschaffenden.

Dann sind da noch diese jungen Kameraleute. Die sind ĂŒberall mit uns hingefahren. Gut, das habe ich finanziert, also die Fahrten, das Essen. Aber sonst haben wir noch gar nichts bezahlt.

Man muß sich das vorstellen: Junge Menschen, die drei Jahre lang umsonst an dem Film arbeiten und selbst ihre Rechnungen gar nicht mehr bezahlen können. Wieviel Idealismus haben die?

U&A: Drei Jahre? War es nicht ein Jahr?

HS: Ja, das ist zu unterscheiden. Der Regisseur hat drei Jahre lang dran gearbeitet, der mit den Animationen ein Jahr, der die Musik gemacht hat, mehrere Monate. Die Kameraleute sind stĂ€ndig mit uns herumgefahren und haben die Aufnahmen gemacht. Wir sind ja ĂŒberall durch die Republik gefahren: Nach Berlin, nach Frankfurt. Um Leute zu interviewen, aber auch um die richtigen Aufnahmen zu bekommen.

U&A: Im Film fĂ€llt insbesondere das Alter der befragten Experten auf. Eigentlich ist nur die sogenannte Vollzeitaktivistin ein ReprĂ€sentant der jĂŒngeren Generation. Alle anderen sind sehr alt bzw. heute schon tot. Haben sich denn kein jĂŒngeren Wissenschaftler finden lassen?

HS: Da gibt es zwei Probleme. Erstens. Um sich solch ein Wissen anzueignen braucht man Zeit. Ich meine, ich lerne jeden Tag dazu, seit ich aus der Schule heraus bin. Die Schule hat das nicht bei mir verhindern können. [Holger lacht] FĂŒr mich ist Lernen ein Hochgenuss. Und viele dieser Menschen im Film sind ja richtig kantige Wissenschaftler. „Prof. Dr. Dr.“ usw., die aufgrund ihrer Atomgegnerschaft viel Ärger bekommen haben, angefeindet worden sind, ihre Arbeit verloren haben. Aber es sind HochkarĂ€tige! Und es stimmt, die sind alle um die 70 oder Ă€lter oder zum Teil tot. Man benötigt halt seine Zeit.

Zweitens. Das kommt hinzu bei den jungen Leuten. Sie haben Angst, daß sie nachher Berufsverbote bekommen, was durchaus begrĂŒndet ist. Ich selbst habe drei Berufsverbote fĂŒr mein Engagement bekommen.

U&A: Das ist eine gute Überleitung. Du hast einschlĂ€gige Berufserfahrungen als SachverstĂ€ndiger auf höchster Ebene: FĂŒr die US-ERDA in Fragen Reaktorsicherheit, fĂŒr den Vorsitzenden des US-Senates Committee on Government Operations in Sachen Atombombenexport und nuklearen Terrorismus sowie fĂŒr den Innenausschuß des Deutschen Bundestages in Sachen Reaktorökonomie und Reaktorsicherheit. Warst Du damals schon Atomgegner? Ab wann hat sich diese Gegnerschaft bei Dir entwickelt und welche Folgen hatte das fĂŒr Dich?

HS: Ich habe eine technische Ausbildung. Ich habe Fertigungstechnik studiert und war Ingenieur. Ich bin dann nach Nordamerika gegangen, wo ich als Rationalisierungsingenieur gearbeitet habe. Dann hat man bei mir ein Organisationstalent entdeckt. Man mußte dort ja vor jeder Einstellung Intelligenztest und Tests aller Art machen. Und man hat dann sehr schnell ein paar besondere Begabungen bei mir entdeckt und so wurde ich Industrieberater fĂŒr Firmen wie IBM, Honeywell usw.

Ich war immer schon etwas kritisch, auch in Umweltdingen. Aber ich hatte damals noch an ganz andere Dinge gedacht. Ich wollte Karriere machen.

Dann bin ich Ende 1969 zurĂŒck nach Deutschland gekommen. Erst wollte ich nach Schweden, wo ich vorher auch gelebt hatte. Ich hatte dort sehr schöne Erfahrungen gemacht. Ich habe die Schweden geliebt. Allerdins sind die Schweden heute ganz anders. Das von frĂŒher ist alles weg. Und dann habe ich Industrieberatung in Deutschland gemacht und begann, mich fĂŒr den Umweltschutz zu engagieren. Der Auslöser war eigentlich, daß meine ex-Frau, eine Schwedin aus Kanada, mir UmweltschutzbĂŒcher geschickt hat. Ich habe das gelesen und in meiner NaivitĂ€t habe ich mir gedacht: „Wenn die Menschen das wĂŒĂŸten, was da auf uns zukommt, dann werden sie sich Ă€ndern.“

Ich bin daraufhin angefangen, selber BĂŒcher zu schreiben. Ich habe damals in DĂŒsseldorf gewohnt, wo es eine sehr gute medizinische Bibliothek gab, in der ich mir das Notwendige herausgesucht habe. Ich habe dann z.B. den „Umweltschutzreport“ geschrieben, in dem Willy Brandt, Olof Palme, Pierre Trudeau – also alles Regierungschefs – und die KoryphĂ€en der Welt BeitrĂ€ge veröffentlicht hatten. Ein sehr gutes Buch, das damals von den Medien völlig totgeschwiegen wurde.

Das fĂŒhrte dann zu meinem Berufsverbot in der Industrie. Ich hatte zwar ein Wissen, das Deutschland damals um Jahrzehnte voraus war. Denn Amerika war damals sehr weit in der Technik und ich war ja an der Quelle als Berater in den fortschrittlichsten Firmen. Aber es kam ein totales Berufsverbot.

Das fĂŒhrte dazu, daß ich Erziehungswissenschaften an der UniversitĂ€t Hamburg studiert habe. Und gleichzeitig habe ich Proseminare, Mittelseminare und Hauptseminare gegeben. Ich habe praktisch als Student und Professor gleichzeitig gearbeitet. Zu dieser Zeit habe ich mit Olof Palme gute Beziehungen gehabt. Er war damals noch nicht schwedischer Premierminister, sondern Erziehungsminister. Er war sehr unzufrieden mit dem damaligen schwedischen Schulsystem. Ich habe ihm dann VorschlĂ€ge fĂŒr die „Neue Schwedische Schule“ gemacht. Das waren sehr extreme VorschlĂ€ge: Keine Zensuren, kein Sitzenbleiben, die SchĂŒler entscheiden selbst, worĂŒber sie lernen. Und Olof Palme hatte gleiche Ideen. Aber er hat das alles fĂŒr so futuristisch gehalten, daß er sich gar nicht getraut hatte, darĂŒber ĂŒberhaupt zu reden oder das gar umzusetzen. Da er aber viel von mir gehalten hatte, und er war einer der klĂŒgsten Politiker, die wir jemals hatten, hat er sich dazu entschlossen, Stockholm in zwei HĂ€lften zu teilen. Die eine HĂ€lfte wurde nach dem alten Prinzip unterrichtet und die andere nach dem neuen. Und siehe da, das Ergebnis war nach einigen Jahren eindeutig. Nach dieser neuen Methode haben die SchĂŒler viel, viel mehr gelernt. Sie haben viel lieber gelernt und mir Freude. So wurde durch Olof Palme und mich die „Neue Schwedische Schule“ die Grundlage fĂŒr die Skandinavische Schule. Der Unterschied zu Finnland ist dabei die konsequentere Umsetzung. Aber auch Norwegen und DĂ€nemark haben die gleichen Systeme ĂŒbernommen.

Nachdem ich dann mein Buch „Friedlich in die Katastrophe“ 1981 in der neuen, ĂŒberarbeiteten Auflage herausgebracht hatte, bekam ich das nĂ€chste Berufsverbot als Lehrer. Ich war ein sehr guter Lehrer. Ich war im Lehrplan- und PrĂŒfungssausschuß der Stadt Hamburg. Von daher weiß ich, daß meine SchĂŒler immer mit einer ganzen Zensur besser abgeschnitten haben, als die anderen Klassen. Dennoch hat man mich kurzerhand als „querulatorischer Paranoider“ in den Ruhestand versetzt – so wie die Finanzbeamten in Frankfurt, die auch den reichen Steuerhinterziehern ans Leder wollten. Das hat man ihnen nicht verziehen.

Dann nach Tschernobyl wurde ich praktisch gezwungen, ins Exil zu gehen, weil man mir gedroht hat, da meine Kinder sonst „verunglĂŒcken“ könnten. Die waren damals noch ganz klein, so 3 und 4. Da ich wußte, daß man mir ĂŒber Interna berichtete, die nur ich wissen konnte, habe ich damals gefragt, ob die vom Verfassungsschutz oder von der Atomlobby kommen. Da hatte man mir gesagt, das war ein Anwalt: „Das spielt in Ihrem Fall keine Rolle. Da sind wir uns alle einer Meinung, daß Sie raus mĂŒssen aus Deutschland. Ganz schnell und möglichst weit weg.“ Ich habe gewußt, daß das Ernst war. Ich bin dann fĂŒr zehn Jahre nach Portugal gegangen.

Als ich wiederkam, hat man mich abgestraft, indem man alle meine BĂŒcher vom Markt genommen hat. Eingestampft oder ich konnte sie als Ramschware ĂŒbernehmen. Danach wurde ich meine BĂŒcher nicht mehr los. Ich habe meinen eigenen Verlag gegrĂŒndet, „Wider die Zensur“. Aber auch der wurde systematisch von den Buchhandlungen boykottiert. Einige haben es gewagt und dann Besuch bekommen und mir die BĂŒcher wiedergegeben, die sie nicht verkauft hatten.

Jetzt nach Fukushima sind wieder kleine Verlage dazu bereit, BĂŒcher von mir zu veröffentlichen. Ich habe praktisch drei Berufsverbote bekommen.

U&A: Wenn wir ĂŒber Berufsverbote sprechen, dann meinst Du aber die perfide Ausgrenzung durch das „Establishment“. Durch, die, die ĂŒber Einstellung und Entlassung bestimmen. Wir wissen ja, wie diese Mechanismen funktionieren. Denn Du hast ja nicht irgendwelche gerichtlich verordnete Berufsverbote erhalten, wie die Entziehung einer Ă€rztlichen Approbation.

HS: Nein, ganz sicher nicht. Berufsverbote sind ja an sich nicht erlaubt. Damals hatten mich ĂŒbrigens Manfred Bissinger [frĂŒherer u.a. Chefredakteur des „Stern“ und Pressesprecher von H.U. Klose] und Hans Ulrich Klose [damals OberbĂŒrgermeister von Hamburg] vor dem Berufsverbot als Lehrer bewahrt. Sie haben gesagt, „der Holger ist kein Kommunist. Der ist zwar links, aber er ist ein Radikaldemokrat und das ist eine Sauerei, was mit dem gemacht wird.“

Und nach dem Berufsverbot als Ingenieur hat man im Zentralarbeitsamt in Hamburg gesehen, daß ich völlig ĂŒberqualifiziert bin. Die haben mich zu verschiedenen Firmen geschickt und die Personalchefs dort haben gesagt: „Herr Strohm, ich sollte Ihnen das vielleicht nicht sagen, aber sie stehen auf der Liste. Ich kann sie nicht einstellen. Ich finde es eine Sauerei, daß das jemandem passiert, weil er sich fĂŒr Umweltschutz einsetzt. Aber ich kann da auch nicht drĂŒber reden, denn sonst fliege ich selber.“

U&A: Das Stichwort Kommunismus paßt an dieser Stelle sehr gut. Mir ist aufgefallen, daß die Kommentare Deines Films „Friedlich in die Katastrophe“ von einer Art „Umsturzrhetorik“ geprĂ€gt sind, die eher nach typisch linkem O-Ton klingt. Wir sind uns hoffentlich einig, daß man am Wortlaut schon hĂ€ufig erkennt, ob eine Kritik oder ein Aufruf von „links“ oder von „rechts“ kommt, wenn Du diese klassische Schublade hier erlaubst. Fazit: Die Wortwahl im Film ist „links“ (und es wird zudem oft von Atomkraft als „Super-Hitler“ und so Ă€hnlich gesprochen). Aber andererseits arbeitest Du auch mit Prof. Michael Voigt vom „Alpenparlament“ und „Schild Verlag“ zusammen, den man erst einmal in die „rechte“ Ecke stellen wĂŒrde. Wo verortest Du Dich selbst politisch? Gibt es Grenzen der Zusammenarbeit oder Unvereinbarkeiten?

HS: Ich selber bin ein linker Anarchist. Und zwar nicht ein Anarchist, der Bomben legt, sondern einer, der nicht fremdbestimmt werden will, der selber denkt.

Ich bin auch gegen große Organisationen. Wir sehen das aktuell an der Anti-AKW-Bewegung, daß sie in den Spitzen vom Verfassungsschutz und der Atomlobby unterwandert ist. Ich bin dafĂŒr, daß man kleine Gruppen hat, die man nicht unterwandern kann. Ich bin auch fĂŒr „weniger ist mehr“. Diesen ganzen großen Strukturen, wie z.B. die Globalisierung – wenn da ein Land kippt, kippt die ganze Welt. Das ist Wahnsinn! Oder diese Atomkraftwerke – wenn da eins kaputtgeht und alle anderen abgestellt werden mĂŒssen. Dann haben wir keinen Strom mehr. Ich bin mehr fĂŒr das kleine Kraftwerk auf dem Dach oder im Keller und fĂŒr kleine Dinge. Das alles verstehe ich unter Anarchismus.

Ich bin außerdem sehr sozial. Ich habe damals in Schweden meine glĂŒcklichste Zeit erlebt. Zur Zeit Olof Palmes. Schweden war ungeheuer sozial. De Arbeiter hatten einen ungeheuer hohen Bildungsstand. Das war fĂŒr mich das Paradies. Daran habe ich mich orientiert. Ich bin in jeder Hinsicht sehr sozial. Jeder, der mich kennt, wird das bestĂ€tigen.

Aber ich habe mich immer dagegen gewehrt, daß man sagt: „Mit den Schmuddelkindern, mit den Kommunisten, den Nazis oder den den, darfst Du nicht spielen!“ Ich habe vor Maoisten, vor Stalinisten VortrĂ€ge gehalten, aber auch vorm Kreis fĂŒr Konservative Politik oder an der Marine Unteroffiziersschule und das werde ich auch weitermachen. Ich grenze nicht aus und ich will auch nicht ausgegrenzt werden. Jeder Mensch hat ein Recht auf einer Meinung und wenn er dazulernen will, bin ich gerne bereit, ihm dabei zu helfen.

Ich sehe es so: Es gibt selbst unter Nazis gute gute Menschen und es gibt selbst unter Linken sehr böse Menschen. In jeder Gruppierung gibt es gute und böse Menschen. FĂŒr mich ist die politische Überzeugung kein Maßstab. Aber fĂŒr mich es ein Maßstab, ob man gegen Atomenergie ist, ob man fĂŒr die Menschheit ist, ob man ein guter Mensch ist. Das Tun ist wichtig und nicht, was man sagt.

Das ist dieses Schubladendenken. „Das ist ein Verschwörungstheoretiker!“ Die kritische Intelligenz wird bei uns kaltgestellt durch Schlagwörter. Schublade auf, rein in die Schublade und zack, schon braucht man nicht mehr zu ĂŒberlegen. Dagegen bin ich völlig. Gegen diese Verleumdungstaktiken.

Mit mir als Atomgegner hat sich auch nie jemand sachlich und fachlich auseinandergesetzt. Man hat mich einfach nur verleumdet: Als „Radikalkommunist“, der aus Moskau bezahlt wird, um die freiheitlich demokratische Grundordnung zu beseitigen; als „bekennender Nazi“, als „Rechtsradikalen Verschwörungstheoretiker“. Ich meine, das paßt doch alles nicht zusammen. Entweder ist man das eine oder das andere und fĂŒr meine Gegner bin ich alles gewesen.

Wenn man Menschen verleumden muß, weil man ihre geistigen FĂ€higkeiten fĂŒrchtet, und ihr Wissen, dann sind wir wirklich in einem schlimmen Land gelandet. Und wir haben ja unsere Erfahrungen gemacht mit dem Dritten Reich und der DDR. MĂŒssen wir das jetzt noch in Perfektion viel, viel geschickter erneut wiederholen? Merken die Menschen nicht, was man mit ihnen macht? Das finde ich bestĂŒrzend.

U&A: Du bist nicht nur Anti-AKW-Aktivist, Du bist nicht nur Erziehungswissenschaftler und nicht nur Naturwissenschaftler. Du hast auch zu den Themen Kunst und Philosophie publiziert. Dies offenbart ein gesamtheitliches Denken im großen Ausmaß. Ist diese Vielseitigkeit fĂŒr Dich ein menschliches Idealbild?

HS: Ich vernetze alles miteinander. Ich bin kein Fachidiot. Es gibt ja Wissenschaftler, die sehen den Wald vor BĂ€umen nicht. Sie kreisen mit einem Fernglas ĂŒber dem Boden und sehen das Ganze nicht. Ich habe immer versucht, alles zu sehen. Die „Christlichen Demokraten gegen Atomkraft“, also die Atomkraftgegner in der CDU, haben mich als das letzte Universalgenie Deutschlands bezeichnet. So bezeichnet zu werden, ist wirklich eine Ehre. Im Ausland gelte ich als bedeutender kritischer Denker Europas, weil ich im Ausland ĂŒber sehr viele Themen veröffentlicht habe und man viele Interviews mit mir gemacht hat.

Diese BeschrĂ€nktheit des Denkens, die lehne ich ab. So wie ich auch diese Ausgrenzungen ablehne. Ich will frei denken. Ich will möglichst viel verstehen. Soziale Systeme, politische Systeme, ökologische Systeme sind sehr komplex. Wenn man die fachwissenschaftliche Literatur dazu durchliest, dann versteht das keine Sau. Es geht nur darum, daß man möglichst viele Fremdwörter benutzt, um möglichst wissenschaftlich zu gelten. In Amerika ist das völlig umgekehrt. Dort verlangt man von einem Wissenschaftler von Format, daß er sich so ausdrĂŒckt, daß ihn jeder versteht. Genau das versuche ich zu erfĂŒllen. Ich bin praktisch ein Übersetzer von komplexen wissenschaftlichen ZusammenhĂ€ngen zu leicht verstĂ€ndlicher Sprache, die ich darstelle.

U&A: Viele Menschen beschĂ€ftigen sich aber heutzutage eher mit einem Thema. Sei es ein Steckenpferd oder eine politische AktivitĂ€t. WĂŒrdest Du sagen, der Mensch soll generell vielseitig sein oder ist es fĂŒr Dich in Ordnung, wenn jemand sagt: Ich mache nur Anti-AKW, ich mache nur Tierschutz, ich mache nur meinen Sportverein?

HS: Ich bin kein Mensch, der den anderen Vorschriften macht. Jeder muß nach seiner Fasson glĂŒcklich werden. Das ist schon schwierig genug. Aber es ist natĂŒrlich erstrebenswert, im Sinne von Goethe, Schiller, also im Sinne unserer deutschen Tradition, auf die wir stolz sein können, wie Humboldt und alle diese Leute, die den Universalgelehrten haben wollten, nach Mehr zu streben.

Ich bin ein furchtbar neugieriger Mensch. Ich genieße, dazuzulernen. Jeden Tag lese ich und lerne neu dazu und bringe schwierige ZusammenhĂ€nge zusammen und ĂŒbersetze sie auch fĂŒr mich. Um sie fĂŒr mich selber verstĂ€ndlich zu machen und auch fĂŒr andere verstĂ€ndlich zu machen. Wer meine BĂŒcher liest, der merkt, daß diese ganzen komplexen ZusammenhĂ€nge, die eigentlch niemand verstehen kann, daß diese so aufbereitet werden, daß sie jedem klar werden.

Um Dinge zu Ă€ndern, muß man Menschen auf einen höheren Bildungsstand bringen. Und das kann ich zum Beispiel durch meine BĂŒcher erreichen – sofern sie denn verlegt werden. Und dann sind wir wieder bei den großen Medien, die meine BĂŒcher systematisch totschweigen. Sie sabotieren dadurch mich, aber auch die Menschheit. Denn es kann ja nicht schaden, wenn die Menschheit klĂŒger wird. Aber man will uns so dumm wie nur möglich halten.

DafĂŒr dient ĂŒbrigens auch die Schule. Die Schule ist nicht etwa dazu da, um uns klĂŒger zu machen. Sie ist dazu da, um uns anzupassen, um uns als Arbeitssklaven verwendungsfĂ€hig zu machen. Auch dagegen kĂ€mpfe ich. Aber das ist richtig schwierig, fast unmöglich, etwas zu Ă€ndern. Da hat der Staat seine Hand drauf.

U&A: Hast Du ein Vorbild, was dieses Bildungsideal angeht?

HS: Ich habe eigentlich kein Vorbild. Es gibt natĂŒrlich gute Menschen, wie z.B. Albert Einstein oder Albert Schweitzer. Oder solche, die wir in „Friedlich in die Katastrophe“ gezeigt haben. Besonders Sir Prof. Dr. Siegwart-Horst GĂŒnther. Er hat sechs Doktortitel. Er ist ein Mensch gewesen, der in 30 Nationen die höchsten Auszeichnungen bekommen hat. Er hat KrankenhĂ€user bauen lassen in Nahost, Syrien, Irak. Medizinstudenten wurden nach seinen BĂŒchern ausgebildet. Er ist ein ausgesprochener Gutmensch. Er hat unter Hitler im KZ gesessen. SpĂ€ter wurde er in Deutschland inhaftiert, weil er den Nachweis erbracht hat, daß die Alliierten Uranmunition verwenden. Und dann hat man dreimal versucht, ihn zu ermorden. Beim dritten Mal hat ein GelĂ€ndewagen in der NĂ€he von MĂŒnchen, ohne Nummernschild, der ĂŒber den Fahrradweg gedonnert ist, ihn auf dem Gehweg erwischt und so schwer verletzt, daß er heute im Rollstuhl in Husum liegt, körperlich und geistig behindert. Dieser Mensch wird in der ganzen Welt verehrt, in Deutschland aber ist er nicht bekannt.

U&A: Ich möchte noch einmal auf das Thema Atomkraft zurĂŒckkommen. Du hast mehrfach betont, daß die Spitzen der Anti-AKW-Bewegung unterwandert seien. Nun ist es jedoch so, daß die Anti-AKW-Bewegung immer noch eine sehr gut organisierte und schlagkrĂ€ftige Truppe zu sein scheint, mit mutigen Aktivisten. Was bringt Dich denn zu der Annahme, daß es so ist, wie Du sagst? Das wird ja niemand zugegeben haben.

Ich möchte keine Namen nennen. GrĂ¶ĂŸen aus Film und Fernsehen haben mir bestĂ€tigt, daß diese Bewegung völlig unterwandert sei und diese Leute sind immer sehr gut informiert. Die haben auch gar kein politisches Interesse, denn die sind mit GeldzĂ€hlen beschĂ€ftigt. Aber diesen FernsehgrĂ¶ĂŸen ist „Friedlich in die Katastrophe“ auch sehr unter die Haut gegangen. Sie haben mir damals schon prophezeit, daß wir keine Förderung bekommen, daß er in Deutschland nicht bei Filmfestivals gezeigt wird, nicht in die Kinos kommen wird, nicht ins Fernsehen und auch nur schwer in die Programmkinos. Man hat mir prophezeit, daß uns die Spitzen der Anti-AKW-Bewegung anpinkeln werden, weil diese Bewegung unterwandert ist. Alle Umweltschutzbewegungen sind unterwandert worden, auch Gruppierungen wie „Amnesty International“ oder „Attac“ usw. Da braucht man sich keinen Illusionen hingeben. Ich nenne auch keine Namen. Die haben sich zum Teil selbst geoutet, indem sie, wie „Greenpeace“ meint, der Film sei die schĂ€rfste Waffe, indem sie genau gegen diesen Film schießen. Im Hintergrund wĂŒhlen sie, indem BĂŒrgerinitiativen, die den Film zeigen wollen, anrufen und versuchen, die AuffĂŒhrung zu verhindern. Wo der Staat versagt und wo also noch alternative Kinos und BĂŒrgerinitiativen den Film zeigen wollen, da kommen diese korrumpierten Spitzen ins Spiel und versuchen das zu verhindern.

Viele von denen haben sofort kapiert, was los ist und haben mich sofort angerufen. Aber wie gesagt, ich bin kein Denunziant und werde hier niemanden nennen. Die ZustĂ€nde sind schlimm genug. Es reicht, daß die Menschen das mitbekommen und ihre eigenen SchlĂŒsse daraus ziehen.

U&A: Aber die Anti-AKW-Bewegung an sich funktioniert noch.

HS: Die Basis. Die Basis bei den GrĂŒnen, in der Anti-AKW-Bewegung, in der Umweltschutzbewegungen oder auch bei „Attac“. Die Basis ist in Ordnung und die versuche ich auch zu erreichen. Ich mache das nicht fĂŒr die Spitzen. Die grĂŒnen Spitzen wollen nur Karriere machen. Die sind unglaubwĂŒrdig geworden. Aber auch in der SPD. Wen hatten wir da als UmweltschĂŒtzer? Michael MĂŒller und Hermann Scheer [TrĂ€ger des Alternativen Nobelpreises 1999 fĂŒr seinen Einsatz fĂŒr Solarenergie – Anm.d.Red.]. Die hat man kaltgestellt. Oder Herbert Gruhl in der CDU: Kaltgestellt. Radkau: Kaltgestellt, obwohl der ja ziemlich beweglich war. Aber wer es ernst meint, wird sofort abgeschossen. So jemand kann sich da oben nicht halten. Deswegen versuche ich das auch gar nicht.

Oben ist die selektive Auslese. Das sind die Menschen, die narzistisch sind, die psychisch krank sind. Denen geht es nur um Macht und nicht um die Sache. Die nutzen alles nur als Vehikel zur Macht und zu den Schmiergeldern benutzen. Diese Menschen sind nicht heilbar, sie sind in meinen Augen schwer krank.

Aber die Basis, denen fĂŒhle ich mich verbunden. Dort habe ich meine AnhĂ€nger, die meine BĂŒcher gelesen haben. Die werden auch dafĂŒr sorgen, daß „Friedlich fĂŒr die Katastrophe“ ein Erfolg wird.

U&A: Nun ist der MĂŒll aber schon da. Der Film stellt das sehr eindrucksvoll und beispielhaft dar, daß der AtommĂŒll uns noch eine Ewigkeit beschĂ€ftigen wird. Daß heute durch mich ein Atomteilchen geht, das einst auch Goethe durchstoßen hat und noch meine Urenkelkinder durchdringen wird, ohne zu zerfallen. Wie geht’s weiter? Wo ist die Hoffnung?

HS: Das ist der Wahnsinn! Wir produzieren MĂŒll, von dem wir nicht wissen, wohin damit. Und da ist das, wo das Bundesverfassungsgericht falsch entschieden hat. Obwohl im Atomgesetz steht, daß die Entsorgung gesichert sein muß, haben die Richter einfach gesagt, das ist gesichert, fertig aus! Obwohl das gar nicht stimmt. Keiner weiß, wohin mit dem MĂŒll. Die Schweden wollen das in KupferbehĂ€lter einlagern und mit Gold umziehen und in Granitlöcher versenken. Das ist ein ungeheurer Aufwand, auch mit der ganzen Überwachung. Das scheint aber noch die beste Lösung zu sein.

Aber Plutonium, die gefĂ€hrlichste Substanz ĂŒberhaupt, die lĂ€ĂŸt sich nicht kontrollieren. Plutonium marschiert mehrere Meter pro Jahr durch den hĂ€rtesten Granit. Es verdampft, es geht in die Luft, es regnet wieder ab. Plutonium lĂ€ĂŸt sich nicht kontrollieren und andere Substanzen auch nicht. Auch nicht mit der „schwedischen Methode“.

Da haben wir wirklich einen faustischen Paket gegrĂŒndet – mit dem Teufel. Anders kann man es nicht sehen. Und diese Verantwortunslosigkeit der Politiker und der Industrie, die wahrlich ĂŒber Leichen geht und ĂŒber kĂŒnftige Generationen, die keine Wahl mehr haben werden, die alles ausrotten, nur weil sie damit Geld machen können: So etwas entsetzt mich. Und diese Leute werden uns von den Medien als Gutmenschen verkauft. Als „LeistungstrĂ€ger“. Diese Schmierenjournalisten, die das dann schönschreiben haben auch noch selber Kinder. Anscheinend geben sie einen Dreck darauf, was mit deren Kindern und Kindeskindern geschieht. Es ist einfach entsetzlich. Soviel Bösartigkeit. Soviel kriminelle Energie, die sich dort entlĂ€dt. Da könnte ich nur noch kotzen!

U&A: Lieber Holger, ich danke Dir fĂŒr das GesprĂ€ch.

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Über Holger Strohm

Holger Strohm, Jahrgang 1942, ist Dr.-Ing. und Dr. phil. (NĂ€heres zu seiner beruflichen TĂ€tigkeit findet sich im GesprĂ€ch). 1978 wurde Strohm aus der SPD ausgeschlossen, da er als Spitzenkandidat fĂŒr die Hamburger „Bunte Liste – Wehrt Euch“ antrat. Die FAZ schreibt am 25.4.2011 ĂŒber Strohm: „Holger Strohm war in den frĂŒhen siebziger Jahren der erste ernstzunehmende Kritiker der Atomindustrie in Deutschland.“ Die TAZ schreibt am 29.6.2012 ĂŒber ihn: „Strohm ist eine Figur der Zeitgeschichte. Anfang der 1970er sorgt er dafĂŒr, daß der Umweltschutz öffentliche Aufmerksamkeit bekommt – als Publizist und als Netzwerker, der es versteht, Politiker wie den kanadischen Premier Pierre Trudeau oder den schwedischen MinisterprĂ€sidenten Olof Palme fĂŒr sein Anliegen zu gewinnen. Auch Mao Zedong war ihm zugetan.“ Das Buch „Friedlich in die Katstrophe“ ist ein Grundlagenwerk der Anti-AKW-Bewegung. Weil er auch Chemtrails und andere Versuche der Wetterkontrolle in seinen Arbeiten thematisiert, wird er von den Etablierten immer wieder als Verschwörungstheoretiker diffamiert. An seiner fachlichen Kompetenz Ă€ndert dies jedoch nichts.

Zu seinen aktuellsten BĂŒchern gehören:

„Das Wunder des Seins und seine Zerstörung“, Sokrates Verlag 2010
„Bankenmafia“, Schild Verlag 2012

Kontaktmöglichkeiten, Presseberichte, Interviews und vieles mehr finden sich auf der offiziellen Netzseite von Holger Strohm: www.holger-strohm.npage.de

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Datum
28.11.2012

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