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KunststoffmĂĽll vermeiden statt Bakterien genetisch manipulieren!

PlastikmĂĽll am Strand

PlastikmĂĽll am Strand

Plastikmüll ist ein zunehmend in die Wahrnehmung gelangendes Problem: Der schwer oftmals nur über hunderte von Jahren abbaubare Kunststoffmüll, insbesondere in den Weltmeeren, bedroht nicht allein zahlreiche Tiere, sondern nicht zuletzt über die Nahrungskette den Mensch als Verursacher selbst. Wie man neben einer Vermeidung von Kunststoffverpackungen dem bereits angerichteten Schaden einigermaßen wieder Herr werden könnte, darüber wird sich vielfach gestritten. Nun glauben Wissenschaftler eine Hilfe in gewissen Bakterienkulturen entdeckt zu haben.

Japanische Forscher haben in einer Recyclingstation für PET-Flaschen einen Mikroorganismus entdeckt, der den Kunststoff allmählich zersetzt. Der Stoffwechsel des Bakteriums namens Ideonella sakaiensis 201-F6 beinhaltet sowohl zwei unbekannte Enzyme, als auch bislang völlig unbekannte Abbauvorgänge.

Zunächst heftet sich das Bakterium an das Plastik, sondert das Enzym PETase ab und trennt die langen KettenmolekĂĽle des PETs in ihre einzelnen Glieder zu Monohydroxyethyltherephtalsäure auf. Diese wiederum zersetzen besagte Bakterien mit einem weiteren Enzym zu Ethylenglycol und Terephtalsäure. Diese Ausgangsstoffe der PET- Produktion können die Mikroben schlieĂźlich verdauen, so daĂź nur Wasser und Kohlenstoff ĂĽbrig bleiben. Zudem ist bekannt, daĂź Bakterien aus dem Darm des Mehlwurms in der Lage sind, Styropor zu zersetzen. Nur sollten sich die sorglosen PlastikmĂĽll-Verursacher der Gattung Mensch nicht zu frĂĽh freuen! Denn laut Uwe Bornscheuer von der Uni Greifswald, der die wissenschaftlichen Arbeiten hierzu im Fachmagazin „Science“ kommentiert hat, ist das Problem dabei, daĂź das Bakterium unwahrscheinlich langsam wächst. FĂĽr einen nur tesafilmgroĂźen Streifen Kunststoff bräuchten sie sechs Wochen, fĂĽhrte er beispielgebend vor Augen.

Wissenschaftler sind nun dabei, sich Gedanken zu machen, wie die „Leistung“ besagte Bakterien mit molekularbiologischen und gentechnischen Methoden so zu erhöhen wäre, damit sie eines Tages in FlĂĽssen, Klärwerken und Recycling-Stationen „arbeiten“ könnten. „Umwelt & Aktiv“ gibt allerdings zu denken, daĂź es seinen Grund haben wird, warum gewisse Bakterien den Zersetzungsprozess diverser Stoffe so vornehmen, wie er geschieht und nicht anders bzw. schneller, weiter, höher… Womöglich, weil gewisse kĂĽnstlich erzeugte Stoffe nicht in einem heutigen Umfang in den Naturkreislauf gehören! Es sollte irgendwie bedenklich stimmen, wenn auf Grundlage „genmanipulativen Tunings“ eine weitere Kunststoff-VermĂĽllung ermöglicht werden soll. Nicht zu vergessen, daĂź im groĂźem Stil eingesetzte kunststoffressende Bakterien im Falle eines auĂźer Kontrolle Geratens erhebliche Kollateralschäden nach sich ziehen könnten, wenn unvorhergesehene GebrauchsgĂĽter plötzlich beschädigt wĂĽrden… Folglich sollte der Mensch in erster Linie darauf abzielen, MĂĽll zu vermeiden und nicht, Bakterien zur MĂĽllentsorgung zu zĂĽchten!

Gerhard Keil

Bildquelle: 670425_web_R_K_by_Petra Bosse_pixelio.de.jpg

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Datum
17.08.2016

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