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Naturschutz im Lehrplan

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Schultafel im Wald

 

Wenn Bildung nicht nur totes Wissen oder ökonomische Verwertungstechniken vermitteln soll, sondern auch die Aufgabe erfüllen, eine ganzheitliche Persönlichkeitserziehung mit einem Verständnis seines Platzes in der Welt, und man der Schule eine nicht unerheblich Rolle hierfür beimißt, dann sollten Ökologie und Naturschutz ein Bestandteil des Schulbetriebs sein. Allerdings wird nicht mit derselben Selbstverständlichkeit darüber gesprochen, dies in Form eines Unterrichtsfaches im Lehrplan zu etablieren, wie dies beispielsweise bezüglich Informatik oder der Ausstattung von Schulanfängern mit Tabletts der Fall ist, um diese in die virtuellen Welten einzuführen, noch ehe sie ihre reale Umwelt um sich richtig kennen und verstehen gelernt haben. Die Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Hauptschule in Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen) hat diesbezüglich einen neuen, wegweisenden Maßstab gesetzt, indem zu Beginn des Schuljahres 2015 das neue Unterrichtsfach Naturschutz angeboten wurde. Laut der Selbstauskunft findet auf Grundlage der Kernlehrpläne für die Natur- und Gesellschaftswissenschaften ein vernetzter Unterricht an außerschulischen Lernorten statt, der den Schülern authentische Erfahrung mit der Natur und Umwelt, sowie einen kritischen Umgang mit Naturzerstörung und den eigenen Möglichkeiten aktiven Naturschutzes vermittelt.

Das Engagement, das im sprichwörtlichen Sinne, „Schule“ machen sollte, wurde insofern honoriert, daß die Schule den mit 1000,- € dotierten Dr.-Hermann-Klingler-Preis erhielt. „Dieses Unterrichtsfach ist einzigartig für Nordrhein-Westfalen und vermutlich auch für Deutschland“, erklärte das Jurymitglied Marvin Fehn, Vorstandsmitglied der Naturschutzjugend Nordrhein-Westfalen. Dies ist erfreulich und bedauerlich zugleich. Erfreulich, weil dieses Betreten naturpädagogischen Neulandes im regulären Schulbetrieb hoffentlich keine der nicht vom Aussterben bedrohten Art Eintagsfliege bleibt, aber bedauerlich, da bislang offensichtlich noch ein Einzelfall. Im schulischen Kontext läge es in der Natur der Sache, den Naturschutz schon bei den Kleinen im Kleinen und vor Ort zu vermitteln. Der Dreiklang von Heimat, Lebensgrundlage und Verantwortung wäre nach dem Sprichwort „früh geübt ist alt gewohnt“ ein zukunftsweisender Grundakkord einer ganzheitlichen Bildungspolitik, die nicht allein den materialistischen Profitgedanken kennt. „Die Schüler vollbringen handlungsorientierte, ganzheitliche, selbstgesteuerte, eigenverantwortliche Arbeit – und dies in Kooperation mit vielen Partnern“, wurde beispielsweise Christina Feige-Meyer aus der Schulleitung in Bad Berleburg zitiert.

Schule soll auf das Leben vorbereiten, heißt es stets, doch veranlaßt der Zustandsbericht unserer Umwelt womöglich zunehmend dazu, auf das Überleben vorzubereiten. Und dem käme ein Unterrichtsfach „Naturschutz“ durchaus entgegen.

Gerhard Keil

Bildquelle: 702198_web_R_K_B_by_ Michael Loeper / Pixelio.de

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Datum
15.02.2016

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