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Sand so begehrt wie nie

Sand ist ein essentieller Rohstoff für die Bauindustrie. Das macht ihn besonders begehrt und damit gleichzeitig extrem wertvoll. Wie viel Sand insgesamt noch zur Verfügung steht ist unklar. Worüber sich Studien jedoch einig sind, ist die Tatsache, dass der unscheinbare Rohstoff immer knapper wird.

 

Der Inselstaat Singapur mit einer Größe von rund 700 km2 und einer Einwohnerzahl von über 5.5 Millionen ist einer der bevölkerungsdichtesten Orte der Welt. Die Stadt platzt aus allen Nähten und der einzige Ausweichort ist das Meer. Also erweitert der Staat sein Gebiet durch Sandaufschüttungen im Meer. Den Sand importieren sie – teils illegal – aus den Nachbarländern Kambodscha, Malaysia und Vietnam.

Sand wird nicht nur für die künstliche Landgewinnung benötigt, sondern auch für die folgenden Bauprojekte. Weltweit werden jährlich 40 Milliarden Tonnen Sand verbraucht – ein Großteil für die Baubranche. Beton besteht neben Zement und Wasser zu 2/3 aus Sand. Für ein Haus werden beispielsweise 200 Tonnen Sand gebraucht, für ein Krankenhaus bereits 3.000 Tonnen. Hierfür eignet sich jedoch nur Meeressand. Wüstensand ist zu glatt, als dass er mit dem Zement haftet. Der Sand entsteht zwar bei natürlicher Erosion von Berggesteinen, dieser Prozess kann aber bis zu 1000 Jahre dauern.

 

Vietnams Regierung hat im letzten Jahr verkündet, dass das Land schon innerhalb der nächsten 5 Jahre seine kompletten Sandvorkommen verbraucht haben wird. Gleichzeitig benötigt das Land gegenwertig 130 Millionen Kubikmeter Sand jedes Jahr für seine Bauprojekte – vor zwei Jahren waren es gerade mal 90 Millionen. Folglich ist der Sandpreis um 200% angestiegen. Der massive Sandabbau hat hier – und natürlich auch an allen anderen Stellen auf der Erde – dramatische Auswirkungen auf Mensch und Natur. Im Mekong-Delta in Vietnam beispielsweise wird das Grundwasser knapp und das Meerwasser macht die Böden unfruchtbar, was die landwirtschaftliche Nutzung des Mekon-Deltas gefährdet.

 

Anderorts droht Landverlust. 75-90% der Strände weltweit sind auf dem Rückzug. Weniger Küsten führen zu weniger Schutz vor Tsunamis und dem natürlichen Wellengang. Außerdem wird durch den Sandabbau vom Meeresboden das ganze Ökosystem Meer durcheinandergebracht: Kleinstlebewesen werden angesagt und damit die Nahrungskette von allerlei Meerestierarten bedroht. In die hinterlassenen Löcher rutscht nach und nach der Sand von Küsten bzw. Stränden nach.

 

 

In Vietnam und auch hierzulande wird nach Alternativen gesucht: Bearbeitung des Wüstensandes, Erstellung von künstlichem Sand oder der Bau mit Lehm oder Ton. Außerdem kann noch viel mehr Baumaterial recycelt werden. Diese Alternativen müssen sich möglichst bald durchsetzen, denn, wenn wir unsere Sandressourcen weiterhin so plündern, wird es schon im Jahr 2100 keine Strände mehr geben.

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Datum
10.06.2018

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