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Schutz dem Schutzgebiet im Steigerwald!

ausgabe-3-2014

Die Auseinandersetzungen um den geschützten Landschaftsbereich „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“, der als Grundlage für ein Naturschutzgebiet Steigerwald dienen könnte, wird nun vor den Verwaltungsgerichten fortgesetzt werden. Mit seinen 775 Hektar Fläche ist es, oder wäre es derzeit das drittgrößte Waldschutzgebiet seiner Art im Freistaat Bayern. Es wurde am 16. April 2014 vom damaligen Bamberger Landrat und amtierenden Bezirkstagspräsidenten Oberfrankens, Günther Denzler ausgewiesen, doch ab 01. September soll die Aufhebung dieser Ausweisung durch die Regierung von Oberfranken gelten. Hierfür wurde am 01. Mai 2015 sogar das Naturschutzgesetz geändert, um die Zuständigkeit auf die Regierungsbehörde zu übertragen. Die CSU-Staatsregierung war eifrig bestrebt, daß sich solche Selbständigkeit Unterer Naturschutzbehörden nicht nochmals ereignet, doch gilt es nun zu klären, ob die geschaffene gesetzliche Lage auch eine quasi rückwirkende Beseitigung eines Schutzgebiets erlaubt. An Tragweite gewinnt der Sachverhalt auch dadurch, daß das Projekt eines Nationalparks für den gesamten Steigerwald zusammen mit diesem Territorium kippen könnte. Bezeichnend ist in dieser natur- und umweltschutzpolitisch höchst brisanten Angelegenheit vor allem, daß die oberfränkische Bezirksregierung in ihrer Stellungnahme keineswegs ökologisch argumentiert, sondern lediglich auf die Frage des gewählten rechtlichen Instruments für die Unterschutzstellung abhebt.

Um den Steigerwald tobt seit Jahren ein erbitterter Streit: Umweltschützer wollen ihn wegen seiner uralten Buchenbestände zum Nationalpark machen, die Holzwirtschaft ist strikt dagegen und bekommt dabei Unterstützung von der CSU-Staatsregierung. Angeblich soll zwar bis auf Weiteres im Schutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald“ sogenannte Hiebruhe herrschen, doch hat erst jüngst der Forstbetrieb Ebrach erklärt, dieses Jahr im Sommer mit dem Holzeinschlag zu beginnen. Mit einem Eilantrag am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof wollen Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz vorerst eine Aufhebung des Schutzgebiets erreichen. 2007 landeten die Buchenwälder im Nordsteigerwald auf dem fünften Platz der möglichen Anwärter für das deutsche Weltnaturerbe der UNESCO, jedoch fehlte für eine Bewerbung eben ein geeignetes Schutzgebiet. Die Umweltverbände argumentieren zwar mit Verweis auf den – im übrigen seinerzeit von den Nationaldemokraten im Maximilianeum angestoßenen – Nationalpark Bayerischer Wald auch mit tourismuswirtschaftlichen Argumenten, jedoch sind darüber hinaus zahlreiche sachliche Aspekte im ökologischen Bereich anzuführen. Während beispielsweise ursprünglich drei Viertel der Landesfläche mit Buchenwald bedeckt waren, sind es heute nur noch 4,3 %. Unsere einheimischen Buchenwälder mit ihrer ganz speziellen Fauna und Flora zählen inzwischen zu den weltweit am stärksten bedrohten Waldökosystemen überhaupt. So beherbergen, neben gefährdeten Tierarten, wie etwa u.a. der Wildkatze, die alten Buchenwälder viele Pflanzenarten, deren medizinische Wirksamkeit zum Teil noch nicht annähernd erforscht ist, wie z.B. Stachelpilze, die nur in uralten, meist unbewirtschafteten Wäldern vorkommen, gegen Krebserkrankungen eingesetzt werden. – Man fühlt sich bemüßigt, den „Politgranden“ im Ministerium und der Bezirksregierung den großen deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt zu zitieren: „Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des einzelnen.“

 

Gerhard Keil

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Datum
04.09.2015

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