Umwelt & Aktiv

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Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Selbstversorger sind Systemgegner

Der „essbare“ Garten

Meine Familie und ich haben festgestellt, daĂź „Vater Staat“ seiner FĂĽrsorgepflicht gegenĂĽber seinem Volke im Bereich der Nahrungsmittel-Angelegenheiten nicht mehr gerecht wird. In Lebensmittelfragen hat es die westliche Wertegemeinschaft geschafft, den Bauern das Wachstumsdiktat ebenso ĂĽberzustĂĽlpen wie es in der Industrie längst der Fall ist. Der Landwirt wird gezwungen, so viel wie möglich zu produzieren. Qualität und Nachhaltigkeit sind trotz aller Lippenbekenntnisse der Wachstumsfetischisten kein Thema (siehe neueste Entwicklung im Biogasanlagenbau sowie Artikel „Biogasanlagen“). Was funktioniert, ist ihre irrefĂĽhrende Propaganda.

Nur einige von unzähligen Beispielen: Mit Pestiziden und Insektiziden vergiftete Weintrauben aus Südeuropa sollten vor 2 Jahren nicht mehr Kindern zum Essen gegeben werden, da Gesundheitsschäden nicht ausgeschlossen werden konnten.
Aspartam in Süßigkeiten, Coca-Cola an den Schulen, Antibiotika-Einsatz bis zu Resistenz-Erscheinungen im Schweinestall und die Gammelfleischskandale nehmen kein Ende (siehe hierzu „Umwelt & Aktiv“ 1. Ausgabe 2007).

Fazit: Die Lebensmittel werden nicht nur ungesünder, sie werden auch immer teurer. Die Produktion derselben zerstört Böden und Wasser und die Globalisierung wird diesen Prozess nur noch beschleunigen.

Kurzum: In absehbarer Zeit wird sich an diesen Mißständen nichts ändern. Auf unsere Obrigkeit ist mit Sicherheit nicht zu rechnen. Selbst die Grünen haben sich dem ungebremsten Wachstumsdiktat unterworfen.
Nicht alle, doch viele haben ihr eigenes Land, auch wenn es „nur“ der kleine Vorgarten mit 25 m2 Grünfläche vor dem Siedlungshaus ist. Man muß nicht zwangsläufig einen großen Garten oder gar mehrere Hektar Land besitzen, um sich mit Selbstgezogenem zu versorgen.

Unbestritten ist, daß es mir nicht möglich ist, auf 25 m2 Grünfläche eine 3-köpfige Familie zu ernähren. Aber ich kann mich mit Gleichgesinnten zusammentun, um  die Nahrungsmittel untereinander auszutauschen. So hat man sogar die Möglichkeit, sich  seinen Neigungen entsprechend zu verwirklichen.

Es ist nicht jedermanns Sache, Obst anzubauen und dieses zu verwerten. In Ihrer Nähe gibt es jedoch mit Sicherheit Personen oder Bauern, die Obst im Überfluss haben, oft sogar soviel, daß mehr verkommt als tatsächlich verarbeitet wird.
Genau so verhält es sich mit WurzelgemĂĽse, Salaten, Honig (Imker), WildfrĂĽchten wie Schlehe, Mais, Kartoffeln, NĂĽsse, Mispeln und evtl. sogar Fleisch – und Wurstwaren.

Im übrigen: Für unsere Vorfahren war es eine Selbstverständlichkeit, für den Winter dafür taugliches Obst (z.B. Äpfel) und Gemüse (z.B. Kartoffeln, Möhren) einzulagern, entweder in dafür geeigneten Kellerräumen oder in sogen. Mieten im Garten. Bei letzteren wird das zu lagernde Gut abwechselnd mit Erde und Stroh abgedeckt, damit es nicht gefriert und so waren die Vorräte in der Regel bis zum Frühjahr noch genießbar. Die moderne Alternative der Vorratshaltung ist das Eingefrieren in der Tiefkühltruhe.

Es gibt so gut wie nichts, was man sich mit vereinten Kräften nicht aus dem eigenen Garten besorgen könnte.

Zur Praxis:
Aus eigener Erfahrung, bei der Beratung von Kunden, ist mir wohl bewußt, daß es nicht ganz einfach ist, die Menschen davon zu überzeugen, sich ihren Garten statt mit den typischen Ziergehölzen mit heimischen Nutzpflanzen zu bestellen.

Dabei liegen alle Vorteile bei den heimischen, autochtonen Pflanzen: Sie sind pflegeleicht, widerstandsfähig, den klimatischen Verhältnissen angepasst und ein Bodenaustausch (Torf / Gartenerde ….) ist in den allermeisten Fällen nicht nötig. Dazu kommt, daß die Pflegemaßnahmen bei weitem nicht so aufwändig sind wie bei den meisten Ziergehölzen und ganz besonders wichtig ist, dass unsere Insektenwelt an die Blütezeitpunkte der heimischen Pflanzen angepasst ist. Das gleiche gilt für unsere  Vogelwelt.

Ein Beispiel: Am exotischen Rhododendron laben sich gerade mal 3 heimische Insektenarten – an einer heimischen Wildrose tun sich 93 Insekten-  und Vogelarten gĂĽtlich. So sieht die Realität aus!

Sicherlich, mit den Exoten kann man wohl die eine oder andere „Blütenlücke“ bequemer schließen. Auch kann der eine oder andere immergrüne nicht heimische Strauch im Garten der Seele guttun, solange er die Ausnahme bleibt.

Der dem Typ „Standard“ entsprechende Garten sieht im Normalfall so aus: Terrasse, gegebenenfalls eine kleine Böschung zum Garten, danach Rasen und anschließend die einreihige Hecke mit den üblichen Ziergehölzen. Meist billig, da es sich um Massenware handelt und sinnlos, da sie uns keinen Nutzen bringen, den Wildtieren keine Nahrung bieten und uns viel, viel Pflegeaufwand abverlangen, weil der Garten ja aufgeräumt sein muß. Zudem meinen viele, daß fleißig gedüngt werden muß, das freut den Gartenfachmarkt,  schadet aber dem Geldbeutel gleich zweimal: Einmal beim Düngerkauf und dann noch mal beim Obst– oder Gemüseeinkauf.

Was die Sträucher an der Grundstücksgrenze angeht, ist die Einfalt meist nicht zu überbieten:
Etwas Hartriegel (Weißbunter Hartriegel), dazu eine Forsythia (gelb) und einen Ranunkelstrauch (gelb). Fehlen darf auch nicht eine Weigelie (rot), eine Prachtspiere für`s weiß und die eine oder andere Bartblume für`s blau. Ein Kugelbäumchen in die Ecke und als Bodenabdeckung Rindenmulch (möglichst gespritzt!) und darunter am besten noch Folie, damit mit Sicherheit nichts mehr wächst. Wenn Bodendecker, dann Cotoneaster (Felsenmispel) oder Pachisandra. Ich vergaß die hochgezüchteten Edelrosen, die zwar schön anzusehen sind, jedoch bald mit teurem Insektenvernichter zu behandeln sein werden.
Der Rasen auf ungelockertem Boden angelegt, am besten mit der Rüttelwalze noch zusätzlich verdichtet, damit es keine unschönen Setzungen gibt, unkrautfrei gespritzt und aufgrund von Luft– und Nährstoffmangel regelmäßig überdüngt, was natürlich intensives Mähen nötig macht. Einfallsloser, dümmer und sinnloser geht’s nicht!

Von all diesen Arbeiten und dem Kostenaufwand habe ich keinen Nutzen. Der Garten wird von Jahr zu Jahr öder und langweiliger. Den Kindern wird ein Erlebnis– und Lebensraum genommen. Triste Ödnis mit grünem Anstrich. Damit das auch so bleibt, rutscht man Wochenende für Wochenende auf den Knien herum und macht Gänseblümchen und Löwenzahn den Garaus. Der Irrsinn kennt keine Grenzen. Jeder rechnende Volkswirtschaftler würde ein derartiges Projekt wegen Unrentabilität schließen lassen. Mit Recht.

Der Naturgärtner und angehende Selbstversorger bzw. Teilselbstversorger  bestellt den Garten in weiser Voraussicht gänzlich anders, das Ziel ist ja auch ein anderes.
Unser „essbarer“ Naturgarten wird 3-schichtig angelegt. Der Garten wird auch nicht über und über bepflanzt. Er gleicht eher einem Hain mit kleinen Lichtungen für Wiese / Rasen.  Am Boden wachsen Kräuter und Gemüse. Der Mittelbau besteht aus Obst– und Beerensträuchern. Das „Dach“ bilden die Obstbäume.
Die Hecke, der Mittelbau am Grundstücksrand, besteht weitgehend aus Sträuchern mit essbaren Beeren, die nach Höhe und Wuchsform ausgesucht werden können. Die Auswahl an derartigen Sträuchern ist für unseren Hausgarten ausreichend, hier einige Beispiele:
Gelber Hartriegel (Früchte im reifen Zustand roh essbar, auch für Kompotte und Marmeladen geeignet), Brombeere (Früchte für Liköre, Kompott und Saft; in Essig gelegt als Beilage für Wildgerichte), schwarzer Holunder (vitaminreich, Gelee und Saft, Blüten als Tee), Heckenrose (Mark für Suppen, Saucen, Gelees und Marmeladen), wilder Hopfen (junge Sproßspitzen als Gemüse), Berberitze (Beeren mit Zucker eingekocht), Weißdorn (getrocknete Früchte als Tee), Sanddorn (Säfte, Mus, Marmelade), Schlehe (Marmelade, in Essig eingelegt als Beilage für Süß/Saures, Likör), Haselnuß (Nüsse), Hundsrose (Vitamin-C-haltig), Felsenbirne (Früchte auch roh essbar).

Der Mittelbau aus niedrigen (Beeren-)Sträuchern
Stachelbeere, Brombeere, rote und schwarze Johannisbeere, Himbeere, Apfelbeere, Heidelbeere…..

Essbare Rankpflanzen
Unschöne und kahle Wände oder senkrechte Elemente wie z.B. für Sichtschutz werden berankt und sind optisch und ökologisch eine Bereicherung.
Rankpflanzen, an Gittern oder Rankhilfen, die Nutzen bringen:
Kiwis, Echter Wein, Efeu (gleichwohl wichtig für die Tierwelt: Nistmöglichkeiten und Beeren auch für Vögel), Hopfen.

Der „Oberbau“ besteht aus Obstbäumen
Das Kugelbäumchen wird ersetzt durch einheimische Obstbäume, von denen es unzählige Arten gibt, hier einige Beispiele:
Deutsche Mispel (Mespelus Germanica), Ă„pfel, Pflaumen, Birnen, Zwetschgen, Quitten, Kirschen, Mirabellen, Essbare Eberesche.
Zum Unter– oder Vorpflanzen von Sträuchern oder Hecken oder zur Gliederung des „Waldgartens“
kommen alle Arten von Wildgemüse und Kräutern zum Einsatz. Natürlich ist der Idealstandort für die meisten dieser Pflanzen vorzugsweise ein sonniger. Es ist jedoch erstaunlich, wie viele dieser Pflanzen auch an einem nicht idealen Standort wachsen und gedeihen:
Alant, Baldrian, Balsamkraut, Beifuß, Beinwell, Walderdbeeren, Bärlauch, wilde Zwiebel, Mangold, Feldsalat, Brunnenkresse, mehrjähriger Brokkoli, Gemüsekohl, Schwarzwurzel, Zwiebeln, Topinambur, Spinat, Brennessel, Frauenmantel, Färberdistel, Johanniskraut, Kerbel, Lavendel, Liebstöckel, Meerrettich, Majoran, Petersilie, Schnittlauch, Ringelblume, Salbei, Weinraute, Wermut, Zitronenmelisse, Maggikraut, um nur einige zu nennen.

Ein Garten, den Sie sich so einrichten, wird Ihnen fast das ganze Jahr über reichlich Ernte bescheren. Topinambur beispielsweise kann auch im Winter als Kartoffel-Ersatz ausgegraben werden. Die bepflanzten Flächen werden allesamt mit Stroh, Holzhäcksel oder anfallendem Laub gemulcht. Es wird nicht lange dauern und es sind die Bedingungen für das Ausbringen von Pilzsporen, z.B. die des Austernpilzes, geschaffen.
Auch ein alter, modriger Baumstamm ist fĂĽr das Wachstum der Sporen geeignet.
Der so angelegte Garten hat genau genommen nur Vorteile: Er wird  weder großartig gejätet, noch gepflügt, noch beharkt, noch gedüngt, noch bewässert. Ist er einmal angelegt, wird kaum noch nachgepflanzt. Die meist mehrjährigen Pflanzen lassen sich durch Teilen problemlos vermehren, säen sich selbst aus oder sie vermehren sich durch Wurzeltriebe.
Der Waldgarten kommt ganz ohne Pflege natürlich nicht aus. Pflanzen, die sich zu stark vermehren oder zuviel Licht wegnehmen,  müssen evtl. zurückgeschnitten werden.

Die Bodenaufbereitung erfolgt ausschlieĂźlich durch Mulchen. DafĂĽr ist in aller Regel genĂĽgend Laub und GrĂĽnzeug aller Art vorhanden.
Im neu angelegten Waldgarten ist das Mulchen ohnehin unverzichtbar.
Wir imitieren hier ebenfalls die Natur. Nichts wird ordentlich zusammengerecht. Alles bleibt liegen und dient als Abdeckung für Boden und Pflanzflächen. Nichts ist Abfall.
Alles organische Material wird ausgebracht und als Mulchschicht aufgetragen. Küchenabfälle, Stroh, Holzhäcksel, Rasenschnitt, Äste und Schnittgut.
Sie werden staunen, was sich unter der Mulchschicht alles regt. Der Boden ist ständig feucht, selbst im Hochsommer. Die Feuchte im Sommer und die geringe Frosttiefe im Winter schützt Bodenbakterien und Mikroorganismen und vor allem die Würmer. Sie werden unter der Mulchschicht bereits nach einem Jahr eine Bodenstruktur vorfinden, die Ihr Nachbar trotz Fräsen, Harken, Umgraben und Düngen nie zustande bringen wird. Sie erfreuen sich an Ihrem Garten, während der liebe Nachbar sich die Knie wundrutscht. Genießen Sie den Anblick, während Sie die Natur für sich arbeiten lassen.

Nicht zu vergessen ist durch diese Art der Bodenabdeckung der immense ökologische Wert: Er sichert vielen Kleinstlebewesen das Überleben und ist damit von großer Bedeutung als wichtige Nahrungsquelle im Winter  beispielsweise für Vögel.

Aufgrund der Erfahrung von Menschen, die sich für einen auf diese Weise angelegten Garten entschieden haben, halten sich die Schäden durch Wühlmäuse und Schnecken, die es natürlich auch dort gibt, in Grenzen, denn die Wühlmäuse legen ein Revierverhalten an den Tag, d.h. sie vermehren sich auf einer bestimmten Fläche nicht unendlich. Durch den Waldgarten, der über und über mit Wurzelgemüse, Stauden und Bodendeckern bepflanzt ist, wird die eine oder andere Pflanze, die von den Nagern vertilgt wird, nicht ins Gewicht fallen. Die Schneckenplage lässt sich ebenfalls nicht ganz abstellen, doch durch die natürlichen Feinde der Schnecke (z.B. Igel), die sich im essbaren Waldgarten zuhauf finden, werden die Schnecken durchaus in Zaum gehalten. Zudem laben sich die Schnecken auch am Mulchmaterial. Durch den nicht aufgeräumten Garten sind sie also nicht zwangsläufig auf Ihre Gemüsepflanzen angewiesen. Und: Auch sie zersetzen das Mulchmaterial zu bestem Humus. Im übrigen sind auch zusätzlich eingerichtete Komposthaufen kein Schandfleck im Garten, sondern eine sinnvolle und nützliche Einrichtung und sollte daher keinesfalls fehlen!

Leider muß jedoch festgestellt werden: Wir sind in wenigen Jahrzehnten, was die Versorgung mit Lebensmittel angeht, zu Abhängigen degradiert worden. Unser reibungsloser Lebensmittelnachschub ist derzeit ausschließlich bestimmt durch pünktliches Beliefern der Supermärkte und unsere Nahrungsmittelversorgung hängt durch die absolute Abhängigkeit vom Öl (siehe Artikel über die Wasserstofftechnik in dieser Ausgabe auf Seite 13) am seidenen Faden.

So gesehen ist der eigene Nutz– oder Waldgarten ein riesiger Schritt in die persönliche Freiheit und Unabhängigkeit, ein kleiner Teil der Autarkie.
Wer dies nicht glauben kann oder will, sollte die Menschen befragen, die die unmittelbare Nachkriegszeit und die anfängliche Hungerblockade durch die „Befreier“ erlebt haben. Zu jener Zeit war eigener Garten Goldes wert.

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Artikel-Metadaten

Datum
06.03.2008

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