Umwelt & Aktiv

Das Magazin für gesamtheitliches Denken

Das Magazin für ganzheitliches Denken

Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Spekulationen mit Agrar-Rohstoffen

Egal ob Getreide, Speiseöl, Zucker oder Milch – die Preise für wichtige Rohstoffe unserer Lebensmittel steigen kontinuierlich. Folge dieser rapide gestiegenen Preise ist, daß sich viele Menschen in Entwicklungsländern die Nahrungsmittel nicht mehr leisten können. Auch hierzulande leiden Bauern unter dem Druck der wachsenden Preise, die ihre Gewinnspannen auf ein Minimum reduzieren. Während den Einen der Preisanstieg zusetzt, profitieren anderswo Tausende. Denn lange hat es nicht gedauerte, bis die steigenden Preise interessierte Anleger anzog. Spekulationen mit Rohstoffen wie Mais oder Weizen liegen voll im Trend. Gerade in Zeiten einer noch längst nicht ausgestandenen Finanzmarktkrise werden Lebensmittelfonds immer attraktiver. Viele Menschen investieren ihr Geld in – krisenfeste – Agrar-Rohstoff-Fonds, um den Gefahren herkömmlicher Anlagegeschäfte so gut es geht auszuweichen. Dieses Anlagegeschäft mit Agrar-Rohstoffen treibt die Preise von Mais oder Weizen zusätzlich künstlich in die Höhe. Die Verbraucherschutzorganisation „foodwatch“ kam sogar zu dem Schluß, das die Finanzinstitute wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs mitschuldig am Welthunger seien, weil sie an den Börsen für Nahrungsmittelrohstoffe spekulieren.

Die Zusammenhänge hat foodwatch in dem Report „Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Nahrung spekulieren“ aufgezeigt. Als besonders dramatisch bewertet foodwatch die Tatenlosigkeit der internationale Politik. Sie schaue dem Treiben der Investmentbanken hilflos zu. Denn bislang gibt es keine effektive Regulierung der Spekulation mit Nahrungsmitteln. Warum auch, schließlich sind die Banken die Hauptprofiteure und Strohmänner von Spekulationen. Wenn man so will ist das Geschäft mit den Rohstoff-Spekulationen ein leicht verdientes Geld für die maroden Institute. „Die Banken kassieren Gebühren und können daher mit hochspekulativen Wetten nur gewinnen, während die Risiken die anderen tragen“, kritisiert Foodwatch-Chef Thilo Bode. Autor der Studie ist der Journalist Harald Schumann. Rund 600 Milliarden Dollar sind seinen Recherchen zufolge derzeit in Rohstoffen angelegt.

Foodwatch fordert eine Begrenzung der Spekulation auf Nahrungsmittel an den Börsen. Fonds und Zertifikate auf Rohstoffe und Nahrungsmittel will die Organisation verbieten lassen. Sie fordert die europäische Politik auf, folgende Regulierungsmaßnahmen durchzusetzen:

* Wirksame Positionslimits: Der rein spekulative Handel mit Rohstoff-Futures muss begrenzt werden.
* Institutionelle Anleger wie Versicherungen müssen vom Rohstoffgeschäft ausgeschlossen werden.
* Publikumsfonds und Zertifikate für Rohstoffe müssen verboten werden.

Mit einer E-Mail-Aktion „HÄNDE WEG VOM ACKER, MANN – für den Stopp von Nahrungsmittel-Spekulation“ richtet sich foodwatch außerdem an Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Präsident des Weltbankenverbandes IIF.

Umwelt & Aktiv begrüßt die Aktion und unterstützt die Forderungen von foodwatch. Nahrung ist zu wertvoll, um als bloße Investition Haifischen zu dienen. Gleichwohl wir der Auffassung sind, daß es weit aus stärkere Faktoren gibt, die den Welthunger verschärfen und bäuerliche Strukturen zerstören. Extreme Wetterereignisse und der wachsende Bedarf an Biodiesel tragen unserer Meinung nach den Löwenanteil an den steigenden Preisen. Nach wie vor ist es die Ausbeutung der Anbauflächen in Entwicklungsländer durch Agrarmultis wie Monsanto & Co., die den Welthunger vorantreiben. Wo Kaffee, Kakao, Baumwolle und Gensoja für die Industrienationen wächst, bleibt kein Platz für den Anbau eigener Lebensmittel.

Verwandte Artikel:


Artikel-Metadaten

Datum
21.10.2011

Kategorie



Kommentare sind nicht mehr zugelassen.