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VLAB-Positionspapier Wald – Waldästhetik, Heimatgefühl und Identität!

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Rund ein Drittel der Landesfläche Bayerns ist bewaldet und aufgrund seiner Flächengröße und der noch häufig unzerschnittenen und infrastrukturell geringen Beeinflussung ist der Wald für den Arten- und Landschaftsschutz und für viele Gemeinwohlfunktionen von hohem Wert, was den Verein für Landschaftspflege & Artenschutz in Bayern (VLAB) veranlaßte ein „Positionspapier Wald“ zu verabschieden. Das Papier rechtfertigt seinen aufgestellten Forderungskatalog mit den wichtigen Schutz- und Nutzfunktionen des Waldes für die Daseinsvorsorge, wie beispielsweise der Filterung und Speicherung von Niederschlagswasser, und einer hochwasserprofylaktischen Verhinderung eines zu schnellen Oberflächenabflusses. Wälder binden langfristig große Mengen des schädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und kämmen mit ihren Baumkronen große Mengen Feinstaub und Ruß aus. Siedlungsnahe Lärm- und Schallbelastungen von Verkehrswegen können durch Wald minimiert werden, sowie bewaldete Hanglagen und Wälder der Mittel- und Hochgebirge vor Bodenerosion, Steinschlag, Muren und Lawinen einen gewissen Schutz bieten. Auch die volkswirtschaftliche Bedeutung erkennt das Positionspapier an.

Konkret wird der VLAB bei seinen Forderungen, die er im Sinne einer biologischen Vielfalt im Rahmen einer integrativen Waldbewirtschaftung in den öffentlichen Wäldern aufstellt. Nachfolgende sieben Punkte weist das Papier aus:

  • Schaffung differenzierter und laubholzreicher Waldstrukturen,
  • Belassen von starkem Totholz (Ziel 30 – 50 m3 je Hektar),
  • dauerhafter Erhalt von Biotopbäumen und kleinerer Altholzinseln in gleichmäßiger Verteilung,
  • Schutz sehr alter Bäume,
  • Erhalt und Pflege von Sonderstandorten im Wald, zum Beispiel Mittelwälder, Moore, Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Blockhalden und Felsströme, stehende und fließende Kleingewässer,
  • keine flächige Düngung von Waldbeständen,
  • maßvolle Erschließung großer Wälder, keine Übererschließung mit Rückegassen, Rückwegen und Forststraßen.

Dem VLAB reicht – mit Verweis auf Metastudien – eine integrative Waldbewirtschaftung allein zum Schutz von Reliktarten sowie stark gefährdeter oder unmittelbar vom Aussterben bedrohter Arten aber nicht aus. Eine Ergänzung durch partiel-segregative Strukturen und engmaschige Vernetzung von Reservaten wird zudem gefordert. Eine Umwandlung öffentlicher Wälder in bürgerlich-rechtliche Gesellschaftsformen oder ein Verkauf öffentlicher Wälder lehnt der VLAB dezidiert ab. Private Waldbesitzer sollen vielmehr durch die Forstverwaltung bei Maßnahmen, die den Schutz- und Nutzfunktionen in besonderer Weise dienen, kostenfrei beraten und finanziell gefördert werden.

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Selbst in Zeiten einer Energiewende zerstören laut VLAB Windräder das Erscheinungsbild ganzer Waldlandschaften und vermitteln ihnen den Charakter eines Industrieraumes. Der Bau von Windrädern im Wald schädigt die Biodiversität, den Erholungswert und die landschaftsästhetische Funktion von Waldlandschaften, weshalb sich der VLAB sowohl in öffentlichen, als auch in privaten Wäldern für eine Untersagung ausspricht. Das Positionspapier kommt zu dem Fazit, daß Wälder eine Waldästhetik, einen Eigenwert besitzen und nicht beliebig belastbar sind. Sie wirken landschaftsprägend und vermitteln dem Menschen unbewußt wichtige Grundbedürfnisse, wie Schutz, Heimatgefühl und Identität.

Gerhard Keil

 

 

 

 

 

 

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