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Was hat Trinkwasserschutz mit falschen Wirtschaftsstrukturen, Massentierhaltung und Exportorientierung zu tun?

wasserreservoir

Es ist ein legislativer Sachverhalt, der nicht nur von agrar- und umweltpolitischer, sondern ebenso von gesundheitspolitischer Relevanz ist. Gegenwärtig steht die Novellierung des Düngegesetzes und der Düngeverordnung auf der bundespolitischen Agenda. Allerdings hagelt es deutlich Kritik, und dies nicht allein von Umweltverbänden, denn seitens des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) wurden ebenfalls Unmutsäußerungen vernehmbar. Dabei beruft sich letzterer unter anderem auf den Sachverständigenrat für Umweltfragen, der in diesem Jahr festgestellt hat, daß die Hauptursache für die steigenden Nitratkonzentrationen und die damit verbundene Beeinträchtigung der Qualität der Oberflächen- und Grundwässer die Art und Weise der Düngung in der Landwirtschaft sei. Und die kommunale Wasserwirtschaft in Deutschland ist stark von steigenden Nitrat-Konzentrationen in den Rohwasserressourcen, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden, betroffen.

 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat nun eine Novellierung des Düngegesetzes vorbereitet und nach eigenen Angaben das regierungsinterne Abstimmungsverfahren eingeleitet. Von besonderer Bedeutung sei die erweiterte gesetzliche Grundlage für die Düngeverordnung im Hinblick auf die geplanten Regelungen zu Nährstoffvergleichen für den Gesamtbetrieb. Das Inkrafttreten der novellierten Düngeverordnung wird, laut Ministerium, für Ende 2015 angestrebt. VKU-Hauptgeschäftsführer, Hans-Joachim Reck, erkennt jedoch im vorliegenden Entwurf keine befriedigenden Bestimmungen, aufgrund derer die Nitratüberschüsse aus der Landwirtschaft wirksam reduziert werden könnten, weshalb für ihn der Entwurf seine zentrale Funktion verfehle. Auch der BDEW schließt sich der Kritik an und beklagt zudem die Verzögerung in Berlin. Handlungsbedarf ist offensichtlich gegeben, denn auch die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, bestätigt ein Ansteigen der Nitratkonzentrationen im Grundwasser durch Überdüngung.

 

Das Nitrat gelangt ins Grundwasser, wenn die Pflanzen nicht in der Lage sind, die Nährstoffe rechtzeitig aufzunehmen, was durch ein in gewissen Regionen zunehmendes Gülle-Überangebot hervorgerufen wird. Dieses Überangebot entsteht nicht allein durch höhere Tierbestände, sondern vor allem auch durch regional steigende Tierbestandskonzentration, die aufgrund des preissenkenden Drucks der exportorientierten Großschlachtbetriebe entstehen. Die Zahl der Schweine ist in Deutschland in den vergangenen Jahren trotz einer eigenen Marktsättigung von 120 % und trotz abnehmender Betriebe mit Schweinehaltung angestiegen! Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit auf den mit geringeren Auflagen bedachten und somit kostengünstigen Produktionsbedingungen versehenen Auslandsmärkten wird den deutschen Fleischproduzenten die kostenreduzierende Massentierhaltung aufgezwungen. Zwar wird über sogenannte Nähstoff-Börsen teils das Gülle-Überangebot für die Nachfrage jener Landwirte ohne Tierhaltung gehandelt, nur erfordert dies zwangsläufig weite Streckentransporte der Gülle mittels LKW-Einsatz. Allerdings erfolgt in der Regel nicht der Export der Gülle ihren exportierten (tierischen) Erzeugern hinterher.

 

Das Problem liegt im Grunde an einer verfehlten Wirtschaftsphilosophie, die völlig „ungesunde“ wirtschaftliche Strukturen hinsichtlich ihrer inneren Durchwachsenheit, ihrer Größenstruktur, ihrer regionalen Verteilung und Einbindung in Wertschöpfungsketten hervorbrachte. Dies wird auch durch keine noch so filigrane DĂĽngeverordnung der Welt allein zu ändern sein, solange nicht ganzheitliche Ansätze in Richtung regionaler Bedarfs- statt profitmaximierender Exportorientierung fern jeglicher Verrechnung mit den gesamtgesellschaftlichen Kollateralschäden erfolgen. Wer unabhängig von der Politik individuell gegensteuern möchte, dem sei neben einer Reduzierung des persönlichen Fleischkonsums empfohlen, sein Fleisch beim örtlichen Metzger unter Erkundigung nach der bäuerlichen Herkunft und Haltung einzukaufen. Machte solches Verhalten in einem MaĂźe Schule, daĂź aufgrund geringerer Nitrateinträge die kommunalen Wasserversorger auf drohende Preisaufschläge verzichten könnten, wären womöglich sogar die Mehrkosten fĂĽr das gelegentliche Biofleisch kompensiert…

Gerhard Keil

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