Umwelt & Aktiv

Das Magazin für gesamtheitliches Denken

Das Magazin für ganzheitliches Denken

Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz

Wintertipps vom Baumwart

345567_web_R_K_B_by_Bettina-Stolze_pixelio.deNach der Wintersonnenwende steigt die Sonne zwar wieder, aber bis unsere Obstbäume aus der Winterruhe erwachen, vergehen noch ein paar Wochen. Diese Zeit können wir für einige Arbeiten nutzen, um den Bäumen einen guten Start in den Frühling zu verschaffen.

Edelreiser schneiden

Wer im April veredeln möchte, das heißt, auf einem Baum eine andere Sorte zum Wachsen bringen will, schneidet im Januar seine Edelreiser. Die Knospen an diesen Trieben müssen stillhalten, bis sie mittels „Kopulation“ mit dem Saftstrom des anderen Baumes verbunden werden. Um sie feucht zu halten, entweder in feuchtes Zeitungspapier gewickelt oder in feuchte Erde gesteckt, dann in einem frostfreien, kühlen und dunklen Keller gelagert, bleiben die Edelreiser bis zum März/April wachstumsfähig. Zum Einsatz kommen bleistiftstarke Jahrestriebe mit mindestens fünf bis sechs Knospen.

Stamm säubern

Der Begriff Rinde bezeichnet das gesamte Abschlußgewebe des Baumes nach außen. Die Borke ist nur ihr äußerster, abgestorbener Teil.  Hier werden Giftstoffe ausgelagert und  können so den Baum nicht mehr schädigen. Durch ihre lose Struktur ist sie auch bevorzugter Ort für Schädlinge um Eier abzulegen oder zu überwintern. Den Leimring aus dem Oktober nehmen wir ab und mit einer scharfen Bürste oder einem Rindenkratzer entfernen wir alle losen Teile sowie Moos und Flechten am Stamm und an den Leitastansätzen.

Frostrisse verhindern

Sobald die Sonne mehr Kraft hat, heizt sich die Sonnenseite des Baumes auf. Folgt Frost, führen die Spannungsunterschiede in der Rinde zu Längsrissen, welche den Baum stark schädigen können. Mit einem deckenden Kalkanstrich bis in die Leitastansätze können wir dieser Gefahr begegnen. Branntkalk, im Verhältnis von 2:1 mit Wasser angesetzt, lassen wir etwas quellen und versetzen die Masse mit Lehm, Kuhdung oder Tapetenkleister. Deckend mit einem groben Pinsel aufgetragen, schützt dieser Anstrich die Rinde und wirkt nebenbei noch desinfizierend. Der Leimring kann erneuert werden, muß aber nicht, denn er hat seine wichtigste Aufgabe erfüllt.

Nisthilfen säubern, instandsetzen und erneuern

Nistkästen säubern wir an Tagen mit Frosttemperaturen, dann staubt es nicht so. Vorsicht, wenn ein Bilch oder Siebenschläfer den Kasten bewohnt – nicht stören, sie sind sehr bissig. Für die Aufhängung im Baum nehmen wir alten Zaundraht und als Schutz ein Stück Garten- oder Fahrradschlauch. Die Nistkästen hängen wir mit dem Flugloch nach Südost aus der Hauptwindrichtung. Sie sollen so hängen, daß weder Katze noch Marder an das Flugloch gelangen, noch den anfliegenden Vögeln auflauern können. Auch unsere Pflanztöpfchen mit Holzwolle, als Unterschlupf für die Blattlausjäger gedacht, erneuern wir falls notwendig.

Obstbaumschnitt

Die wichtigste Arbeit im Winter ist der Baumschnitt. Wer im Herbst Jungbäume gepflanzt hat, macht jetzt den Pflanzschnitt. Wir empfehlen die sogenannte „Öschbergkrone“, modifiziert mit den von Helmut Palmer entwickelten Erweiterungen, als Schnittziel. Vor allem im Feldobstbau und für großkronige Bäume ist diese Schnittmethode unübertroffen. Der Öschbergschnitt arbeitet mit den von der Natur vorgegebenen Wachstumsgesetzen: Was steil steht, wächst am besten, was waagerecht wird, fruchtet und was nach unten geht, stirbt ab. Erziehungsziel in den ersten Jahren ist ein stabiles Gerüst, welches dem Baum sein ganzes Leben lang erhalten bleibt. Nur so läßt sich der Pflegeaufwand minimieren sowie die Nutzbarkeit und die Qualität des Erntegutes steigern.

oeschbergkrone

Die Öschbergkrone besteht aus vier kreuzgegenständig angeordneten, in der Höhe versetzt vom Stamm abgehenden Leitästen. Ihr Winkel zur Stammverlängerung, zur Mitte, soll 40° bis 50° betragen. Die Mitte ist etwas höher als die Leitastspitzen. Von den Leitästen und der Mitte gehen die Fruchtäste ab und von denen das Fruchtholz. Leitastspitzen, später teilweise auch die Fruchtastspitzen sowie die Mitte werden jedes Jahr angeschnitten. Das Fruchtholz schneidet man nicht an – wenn es abgetragen ist, wird es entfernt.

Mit unserem Pflanzschnitt für den jungen Baum passen wir das Kronenvolumen der durch das Verpflanzen verringerten Wurzelmasse an. Wir wählen uns vier Leitäste aus, die einen 40° Winkel aufweisen und kürzen sie um 1/3 bis zur Hälfte auf ein äußeres Auge ein. Bei steilen Ästen und steilwüchsigen Sorten nehmen wir ein inneres Auge, das sogenannte „Umkehrauge“, als Endauge.  Im oberen Drittel des verbleibenden Astes brechen wir die Knospen auf der Oberseite aus. Die Mitte schneiden wir etwas höher an als die Leitastspitzen. Unter dem Auge, auf das wir die Mitte eingekürzt haben, brechen wir die nächsten vier Augen aus. Alle anderen Äste werden auf Astring entfernt.

Bis auf einige Änderungen in den folgenden Jahren, ist dies das Grundprinzip des Öschbergschnitts: Selbsttragende Leitäste, an denen drei bis vier Fruchtäste nach außen abgehen und eine Mitte, die nur kurze Fruchtäste hat, so daß die ihr untergeordneten Leitäste nicht beschattet werden. Der Schnittaufwand beschränkt sich auf den jährlichen Anschnitt der Leitäste, der Mitte und später auch der Fruchtäste. Durch das Knospenbrechen vermindern wir nicht nur unseren Arbeitsaufwand, auch für die Baumgesundheit ist es dem Schnitt unerwünschter Triebe vorzuziehen.

Wer alte, schlecht gepflegte Bäume hat, kann oft mit der oben beschriebenen Kronenform und dem Öschbergschnitt nichts anfangen. Hier ist erstes Pflegeziel das behutsame Auslichten und Einkürzen der Krone und dies sollte mit einem Sommerschnitt geschehen. Ebenfalls im Sommer, außer beim ersten Pflanzschnitt, werden Steinobstsorten und die Walnuß geschnitten –  Pfirsich und Aprikosen während der Blüte und alle anderen mit und nach der Ernte.

Bildquelle: Bettina Stolze / pixelio.de

Verwandte Artikel:


Artikel-Metadaten

Datum
22.02.2016

Kategorie



Kommentare sind nicht mehr zugelassen.




;